Alles über Toyota Mirai
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Toyota Mirai: Ein Tag mit dem Wasserstoff-Auto

Der Toyota Mirai tankt Wasserstoff und produziert über eine Bennstoffzelle Strom für den E-Motor. Wie klappt das in der Praxis?

Böse Zungen würden wohl dem Toyota Mirai die Schuld geben, wenn das Auto hinter ihm bald neue Wischerblätter braucht. Denn wenn das japanische Hightech-Auto beim Beschleunigen kräftig Wasser aus dem Auspuff spritzt, wird der Hintermann schon mal ordentlich nass. Auch im Stand tröpfelt es sich eine ansehn­liche Pfütze zusammen. Aber keine Sorge, der Wagen ist weder kaputt noch undicht, sondern per Brennstoffzellen-antrieb unterwegs.

Bei der chemischen Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff, die den nötigen Strom für den E-Motor erzeugt, entsteht eben auch Wasser. Übrigens in etwa so viel wie bei jedem klassischen Verbrenner. Nur verdampft es dort aufgrund der höheren Abgastemperatur einfach.

Aber, stopp, nicht zu viel technische Theorie. Schließlich interessiert die Praxis viel mehr, oder besser gesagt: der Mirai in der Praxis. Deswegen soll ein ausgedehnter Ausflug über die Autobahn und in die Stadt zeigen, ob das Wasserstoffauto bereit für den Alltag ist. Das Grundprinzip des Brennstoffzellenautos ist schließlich nichts Neues, auch andere Hersteller haben vergleichbare Modelle im Programm. Nun traut sich Toyota – nach Hyundai mit dem ix35 Fuel Cell –, ein in Serie produziertes Auto zum freien Verkauf anzubieten. Also: Wie viel Mut und Abenteuergeist braucht es für eine Fahrt mit dem neuen H2-Auto?

Immerhin fahren im Unterboden zwei Gastanks mit, in denen der Wasserstoff auf bis zu 700 bar komprimiert lagert. Allein das Wörtchen Gas weckt bei vielen Menschen Vorstellungen von schweren Explosionen. Aber auch hier: Entwarnung. Zum einen ist das Element ungiftig, zum anderen sehr viel leichter als Luft und verflüchtigt sich deshalb so schnell wie möglich nach oben. Ein explosives Mischungsverhältnis käme bei einem Unfall also kaum zustande. Auch die Gefahr eines großen Fahrzeugbrands ist beim klassischen Verbrenner deutlich höher. 

Über 500 Kilometer Reichweite

Also Startknopf drücken, Wählhebel auf D, und auf geht’s von Köln nach Rotterdam. Schließlich soll der entscheidende Vorteil gegenüber rein batterieelektrischen Autos die größere Reichweite von rund 550 Kilometern sein. Da lassen sich die etwa 260 Kilometer entspannt genießen. Dazu liefert die auffällig designte Limousine in der Größe eines Audi A6 oder BMW 5er serienmäßig Annehmlichkeiten wie einen adaptiven Tempomaten, Sitz- und Lenkradheizung sowie ein Multimediasystem. Sie unterhalten sich lieber mit Ihrem Beifahrer, statt im Display das Energieflussschema zu bestaunen? Kein Problem: Zwar gelangen Wind- und Abrollgeräusche – Letztere je nach Straßenbelag – durchaus hörbar ins Innere, das Geräuschniveau bleibt aber angenehm niedrig. Nur wenige Hinweise, wie etwa das typische Surren der E-Maschine beim Beschleunigen, verraten etwas über die komplexe Technik.

Und dann rollt der Mirai, dessen Name übersetzt Zukunft bedeutet, an der H2-Zapfsäule kurz vor der zweitgrößten Stadt der Niederlande vor. Der Durchschnittsverbrauch liegt laut Bordcomputer bei einem sparsamen Kilogramm je 100 Kilometer. In knapp drei Minuten presst die Anlage gut drei Kilo Gas in die Tanks, die zum Start nicht ganz voll waren. Kein Zischen, Pfeifen oder Knallen, als sei die Nummer das Normalste der Welt. »Ihr tankt ja kein Flüssiggas«, erklärt ein freundlicher Niederländer, der die passende Tankkarte zur Verfügung stellt. 

50 Tankstellen bis Mitte 2016

Obwohl bisher alles völlig unspektakulär lief und der Mirai nicht halb so auffällig im Umgang ist wie sein eigenwilliges Design, wird hier deutlich, dass der Brennstoffzellen-antrieb noch weit vom normalen Alltag entfernt ist. Trotz großer Reichweite fehlt eine angemessene Tankstellen-Infrastruktur. In Deutschland finden sich – je nach Wartungszustand – 20 öffentlich zugängliche Zapfsäulen, bis Mitte 2016 sollen es 50 werden. Zum Vergleich: Für Flüssiggas gibt es über 6800 Tankpunkte, für Benzin und Diesel mehr als 14 000. Gebaut werden die H2-Säulen im Rahmen des Projekts Clean Energy Partnership (CEP), das nicht nur die Tankstellen-technik, sondern auch die klimaneutrale Herstellung von Wasserstoff betreut. Auch Daimler möchte in den nächsten Jahren rund 200 Tankpunkte beisteuern. Nicht uneigennützig: Der Hersteller plant wie Honda und BMW ein Brennstoffzellenfahrzeug.

Der Toyota-Vorreiter mischt sich schon heute unter das Düsseldorfer Stadtvolk. Nicht, um die Rheinstadt-bewohner mit dem Kölner Kennzeichen zu ärgern, sondern, Sie ahnen es, um die dortige Tankstelle aufzusuchen und gleichzeitig seine Innenstadtqualitäten zu zeigen. Bei kurzen Ampelphasen und dichtem Verkehr wuselt der Mirai, diesmal im Power- statt im Eco-Fahrmodus, flink durch die Menge. Erst beim Parken fällt die unübersichtliche Karosserie negativ auf, serienmäßige Parkpiepser und Rückfahrkamera helfen. Keine Unterstützung gibt es dagegen bei sperrigem Gepäck. 361 Liter Ladevolumen müssen ausreichen, Wasserstofftank und Hochvoltbatterie verhindern einen größeren Kofferraum und eine umklappbare Rücklehne.

Flottenbetreiber als Zielgruppe

Trotzdem interessiert? Keine Hektik. In diesem Jahr werden wohl nur 25 Exemplare nach Deutschland kommen, die bereits vergeben sind. Erst 2016, wenn das Produktions­volumen von 700 auf 2100 Einheiten aufgestockt wird, kann Toyota weitere liefern. Dafür müssen Kunden vorab in einem Formular erklären, dass sie über die Technik und die Lage der Tankstellen Bescheid wissen. Passt alles, bekommen sie für 1.024 Euro netto pro Monat einen vierjährigen Full-Service-Leasingvertrag, lediglich der Kraftstoff kostet extra.

Autor

Foto

Achim Hartmann

Datum

19. Oktober 2015
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