Alles über Zertifizierter Fuhrparkmanager (Dekra)
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Zertifizierter Fuhrparkmanager Teil 5: Rechtliche Grundlage für Fuhrparkmanager

Lehrgang zum zertifizierten Fuhrparkmanager. Von der Führerscheinprüfung bis zur Halterhaftung. Teil 5: Rechtliche Rahmenbedingungen.

Ungläubiges Staunen, gespannte Stille und anschließend hitzige Diskussionen – damit lässt sich das Modul "Rechtliche Grundlagen" am besten kurz beschreiben. Die 17 Teilnehmer des "zertifizierten Fuhrparkmanagers (Dekra)" lernen im fünften Teil
ihrer Ausbildung alles über die Rechte und Pflichten eines Flottenverantwort­lichen. Dazu engagiert Dekra Akademie Inka Pichler-Gieser, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Verkehrsrecht von der Anwaltskanzlei Kaster + Pichler in Wiesbaden als Referentin.

"Sie lebt das Thema", loben die Teilnehmer. "Trotz der teilweise trockenen Materie kennt sie unglaublich viele Beispiele aus ihrer täglichen Arbeit, die auf die Problematik eingehen." Vor allem in kleineren Firmen wird der Fuhrpark häufig unterschätzt. "Teilweise gibt’s gar keinen offiziellen Fuhrparkleiter", erklärt Pichler-Gieser. Leider wissen viele Fuhrparkleiter, die als Quereinsteiger diese Aufgabe übernommen haben, nichts über das Risiko der Halterhaftung, das sie auf sich nehmen.

Vor allem Quereinsteigern fehlen die Grundlagen

Deshalb startet der Kurs am ersten Tag genau mit diesem Punkt. Wer hat die Verantwortung für die Autos im Unternehmen, welche Pflichten lassen sich an wen delegieren? Viel Spielraum lassen die gesetzlichen Vorschriften allerdings nicht, formuliert zudem etwas sperrig: "Wird beim Betrieb eines Fahrzeugs ein Mensch getötet, seine Gesundheit verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Halter verpflichtet, den Schaden zu ersetzen".

Fuhrparkleiter sind für alles verantwortlich

Wer aber ist der Halter? Der Bundesgerichtshof definiert ihn als die Person, welche die sogenannte Verfügungsgewalt über die Fahrzeuge besitzt. "Das gilt grundsätzlich für alle Unternehmen, die einen Fuhrpark betreiben", klärt Pichler-Gieser auf. Und wenn die Geschäftsleitung die Halterpflichten nicht persönlich wahrnehmen will, muss sie diese auf den Fuhrparkleiter übertragen.

"Erst dann ist der Fuhrparkleiter als Halter verantwortlich für die Eignung des Fahrers, den technischen und einsatzbezogenen Zustand des Fahrzeugs und für die Ladungssicherung zuständig. Anders gesagt: für alles", bringt die Rechtsanwältin die Problematik auf den Punkt.

"Allerdings gibt es keine allgemein definierten rechtlichen Rahmenbedingungen", sagt Pichler-Gieser. Demnach spiele es eine erhebliche Rolle, ob der Fuhrpark das zentrale Erwerbsmittel des Unternehmens (Spedition), ein ergänzendes Beiwerk (User-Chooser-Fuhrpark), ein Arbeitsmittel (Servicefahrzeuge) oder eine Mischung aus allem ist.
"Das zeigt, wie wichtig das Wissen um rechtliche Grundlagen ist, insbesondere für Quereinsteiger", sagt Thomas Blum von den Stadtwerken Kirchheim/Teck. Er hat sich extra für dieses Modul bei der Dekra Akademie angemeldet.

Vor allem das Thema Führerscheinkontrolle scheint in einigen Unternehmen bislang zu kurz gekommen. "Ich höre immer wieder, dass hier großer Nachholbedarf besteht", sagt Pichler-Gieser. Immerhin drohen den Verantwortlichen beim Verstoß gegen die Kontrollpflicht Geldstrafen oder bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe, wenn ein Mitarbeiter sich ohne Fahrerlaubnis hinters Steuer eines Dienstwagens setzt.

Dabei reicht es nicht, sich die Fahrerlaubnis kurz vorlegen zu lassen. Denn das neue Fahrerlaubnisrecht hält einige rechtliche Stolpersteine parat. Welcher Führerschein ist wie lange gültig, für ­welche Fahrzeuge und wie lassen sich die Buchstaben-Zahlen-Kombinationen überhaupt entschlüsseln? Pichler-Gieser ist bestens vorbereitet und teilt eine vollständige Übersicht an die Teilnehmer aus.

Praxisbeispiele veranschaulichen komplizierte Sachverhalte

Anhand von Praxisfällen erarbeiten die Teilnehmer in kleinen Gruppen Lösungsansätze zu den unterschiedlichsten Themen. "Die Gespräche, die bei solchen Gruppenarbeiten entstehen, helfen das Gelernte zu vertiefen", erklärt die Rechtsanwältin. Für sie ist es auch immer wieder interessant zu hören, wie es in den Unternehmen abläuft. Etwas desillusioniert meinte eine Teilnehmerin während einer Fragerunde: "Irgendwie kann man mehr falsch als richtig machen."

Damit das nicht passiert, geht der Kurs auf die weiteren Pflichten des Fuhrparkleiters ein. Er muss die Sozialvorschriften kennen, sich an das Fahrerlaubnisrecht halten sowie die neuen Vorschriften zur Berufskraftfahrer-Qualifikation und die Unfallverhütungs-vorschriften (UVV) beachten. "Immerhin befanden sich 70 Prozent der Verkehrstoten in Europa auf einer Dienstfahrt", warnt die Expertin.

Allerdings scheint die Einhaltung der UVV in der Praxis nicht so einfach zu sein. Allein die Fahrereinweisung bei einem neuen Modell oder eine Schulung zur Ladungssicherung erweist sich für viele Chefs oder Führungskräften in der Praxis ähnlich schwierig wie die Kontrolle des Führerscheins

Einheitlicher Branchenstandard

Im vergangenen Jahr haben die ­Dekra Akade­mie und der Bundesverband ­Fuhrparkmanagement (BFM) die Qualitätskriterien für die Ausbildung von Fuhrparkmanagern entwickelt und mit dem Ausbildungsgang "zertifizierter Fuhrparkmanager/-in" ein neues Qualifizierungsprogramm umgesetzt. Die Ausbildung und der Abschluss "zertifizierter Fuhrparkmanager/-in (Dekra/Bundesverband Fuhrparkmanagement)" ist die derzeit umfassendste Ausbildung und einheitlicher Branchenstandard, der bislang im deutschen Markt fehlte

Referentin: Inka Pichler-Gieser

Inka Pichler-Gieser ist Fachanwältin für Verkehrsrecht mit Hauptaugenmerk auf die Bereiche Verkehrsunfall-, Ordnungswidrigkeiten- und Verkehrsstrafrecht sowie Transport- und Speditionsrecht. Sie ist "Autorechtlerin" mit Leib und Seele. Neben ihrer anwaltlichen Tätigkeit schreibt sie für Fachzeitschriften und fungiert als Referentin zu Fragen des Verkehrs-, Versicherungs-, Transport- und Speditionsrechts. Sie gehört zum Expertenteam des Bundesverbands für Fuhrparkmanagement, des Bundesverbands der Autovermieter sowie der Dekra Akademie und ist dort auch für die Ausbildung zum zertifizierten Fuhrparkmanager zuständig.

Foto

Skoda

Datum

13. April 2015
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