50 Jahre BMW 5er Derricks Dienstwagen

BMW M35i Foto: BMW 12 Bilder

Der Krimikommissar der 70er-Jahre stand auf schnelle Einsatzwagen. Da kam die große Limousine von BMW gerade gelegen.

Es war der ultimative Showdown in der Businessklasse: Vor genau 50 Jahren zündete BMW die erste Generation des 5er (E12). Dynamische Limousinen, die im Umfeld der Olympischen Spiele von München starteten und die die Dominanz von Mercedes brechen sollten. Fast aauf Anhieb fuhr der BMW 5er weltweit auf Pole Position. Dazu trugen seidenweiche Sechszylinder und sportliche Höhepunkte wie der furiose 218 PS freisetzende M535i bei, der schnellsten Mittelklasselimousine der Welt. Am Ende seiner fast zehnjährigen Produktionszeit konnte der erste 5er (E12) den Markterfolg seines Vorgängers bereits mehr als verdoppeln. Die großen Glasflächen und klaren Linien des E12 blieben beim Nachfolger ebenso erhalten wie das neuartige, auf den Fahrer konzentrierte Cockpit mit aus dem Flugzeugbau inspirierter Lichttechnik. Nicht zu vergessen die ungewöhnliche Motorhaube mit Sicherheitsverriegelung, wie sonst nur beim Saab 99.

Konfrontation nur auf Augenhöhe, das genügte im Jahr der Olympischen Spiele nicht, die bundesdeutsche Leistungsgesellschaft verlangte mehr von BMW. Während Kanzler Willy Brandt 1972 mit dem Slogan "Deutsche wir können stolz sein auf unser Land" für seine Wiederwahl warb und bei einem Besuch des BMW-Werks versicherte, dass seine Frau ihn in einem weiß-blauen Auto fahre, dominierten den Fuhrpark der Bundesregierung und des Managements in der Wirtschaft weiterhin Mercedes-Modelle. Der BMW-Vertriebsvorstand, Kampfjet-Pilot und Car-Guy Bob Lutz, wusste, was zu tun war, seit er 1970 die Nachfolge von "Nischen-Paule" Hahnemann – einst Entdecker der Neuen Klasse – angetreten hatte.

BMW 520 1977 Foto: BMW
Im Sommer 1977 debütiert der BMW 520 mit neu entwickeltem 122 PS starkem Sechszylinder (Typ M20).

Zunächst versah Lutz die Münchener Hoffnungsträger mit einer Nomenklatur. 520 lautete die Typnummer der ersten Limousine, gesprochen "fünf-zwanzig", wie eine Presseinformation erklärte. Fortan stand bei jedem BMW die erste Ziffer für die Fahrzeugklasse und die folgenden Ziffern symbolisierten Hubraum oder Leistung. Eine Systematik, die manch andere Marke adaptierte. Als nächstes spendierte Lutz dem 5er die temperamentvollen Sechszylinder aus den Oberklasselimousinen 2500 bis 3.3 (E3) – und geboren waren Tarnkappenjäger, die es mit Muscle-Cars wie Mercedes 280 E oder Rover 3500 V8 aufnahmen und konventionellen Sechszylindern á la Volvo 164 keine Chance ließen. In der Populärkultur war es die ab 1974 ausgestrahlte TV-Krimiserie "Derrick", in der BMW 5er über Jahre die automobile Hauptrolle besetzten. Ob Polizei, Feuerwehr oder Notärzte, auch als agiles Einsatzfahrzeug gewann er Beliebtheit.

BMW 5er 1972 Foto: BMW
Der BMW 5er verkörperte über viele Jahre hinweg als Einsatzfahrzeug vor allem das Image Bayerns in der Welt.

Sechs macht mehr Laune als vier und fünf Zylinder (ab 1976 beim Audi 100), fanden auch die Kunden, und deshalb beeilte sich BMW dem 1973 eingeführten 525 mit 145 PS Leistung zeitnah den noch flotteren 2,8-Liter-Sechszylinder BMW 528 mit 165 PS zur Seite zu stellen. Als Antwort auf die 1976 lancierte neue Mercedes W-123-Serie mit den Vierzylinder-Basistypen 200 und 230 erleichterte BMW obendrein den preiswerten Einstieg in den feinen Club der Sechszylinder: Im Sommer 1977 debütierte der BMW 520 mit neu entwickeltem 122 PS starkem und laufruhigem Reihen-Sechser (Typ M20), da hatte der E12 sein einziges Facelift (größere Heckleuchten, die Niere streckt sich weiter nach oben in die Motorhaube) bereits hinter sich.

BMW 518 1974 Foto: BMW
um Ende der ersten Ölkrise 1974 ergänzt die Einsteigerversion BMW 518 mit 90 PS leistendem 1,8-Liter-Benziner (Typ M10, wie im Vorgänger BMW 1800) das Motoren-Angebot.

Es war der gelungene Spagat zwischen Sportwagen und braver Familienlimousine, mit dem BMW schon mit Neue-Klasse-Typen zur Hausmarke fahrdynamisch ambitionierter Kunden aufgestiegen war, mit dem 5er kamen nun Komfort und noch mehr Leistung hinzu. Aber ein Diesel, wie bei Mercedes und ab Ende der 1970er auch bei Audi im Angebot, den hatten die Münchner erst ab Mitte der 1980er – natürlich als Sechszylinder. Zu ruppig schien den BMW-Ingenieuren zuvor die Selbstzünder-Laufkultur, zu bescheiden das Temperament. Stattdessen erprobte BMW einen 520 mit Wasserstoffantrieb und wagte damit einen Blick in die Zero-Emission-Zukunft des 21. Jahrhunderts. Gegen die Absatzflaute der ersten Ölkrise von 1973/74 sollte der Spartyp BMW 518 helfen, ein 90 PS Vierzylinder, der sich mit preiswertem Normalbenzin betanken ließ und dessen Knauser-Charakter am Verzicht auf Ausstattungsfinessen und Chromornamente zu erkennen war.

Zur großen Gala für sportliche Genießer spielte 1980 der 218 PS starke M535i aus den Hallen von BMW Motorsport auf. Dort hatten sie bereits Renntourenwagen fit gemacht, vorzugsweise mit 3,0-Liter-Motoren. Jetzt gab es Vmax 222 km/h in Serie für die Straße. Das war damals eine Ansage auf dem Niveau von V12-Jaguar, aber nicht für Alpina. Da geht noch was, sagten sich die Ingenieure in Buchloe und boten 1981 mit dem 330 PS starken Alpina B7 S Turbo die Eintrittskarte ins Supercar-Segment: 265 km/h konnte nicht einmal der Porsche 911 Turbo toppen. Ein würdiges Feuerwerk zum Finale des 5ers E12, während sich der Nachfolger E28 bereits warmlief, erstmals auch als M5.

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