50 Jahre Nissan Deutschland Eine Marke für alle

Foto: Nissan 14 Bilder

Aufregende Sportwagen, Crossover-Pioniere sowie billige Kompakte garantierten Nissan Erfolge auf dem deutschen Markt. Auch mit Firmenwagen im Behördengeschäft.

Mit einem cleveren Modellmix enterte Nissan 1972 erfolgreich als dritter japanischer Hersteller nach Honda und Toyota den deutschen Automobilmarkt. Während preiswerte Volumenmodelle à la Sunny und Bluebird unter den Vertriebsnamen Datsun 1200 und 1600 die deutschen Platzhirsche Opel Ascona, Ford Taunus und VW 1600 attackierten, machten spektakuläre Rallyesiege des Sportwagens Fairlady 240Z die fernöstliche Newcomer-Marke bekannt und begehrenswert. Erster Bestseller war der Cherry. Dieser progressive Kompakte punktete mit Frontantrieb, viel früher als VW Golf oder Polo, und er legte die Basis für Nissans Aufstieg zur Nummer eins unter den japanischen Importmarken.

Der moderne Kleinwagen Cherry knackte als erster Nissan die prestigeträchtige Marke von 100.000 Zulassungen in Deutschland. Überraschen konnte der kleine Cherry auch in Vergleichstests, wo er trotz knapper Platzverhältnisse für die Fondpassagiere viele Rivalen distanzierte. In insgesamt vier Generationen feierte der Cherry Blütenfeste, und bis 1986 belegte er Spitzenpositionen in der Importwertung der Zulassungsstatistik. Nicht zu vergessen, der Cherry war auch Musterknabe in Mängellisten der deutschen Prüf- und Pannendienste. Ein Fundament, auf das 1983 der nachfolgende Nissan Micra baute, der aber ansonsten bis heute seine eigene Erfolgsgeschichte schreibt.

Nissan Cherry Foto: Nissan
Der Cherry ist in Deutschland der erste Kompakte aus Japan mit Vorderradantrieb, Quermotor, Zahnstangenlenkung und Schräglenkerhinterachse.

Auch am oberen Ende der Modellpalette hatte Nissan einen Shootingstar im Programm. Der Datsun 240Z mit Sechszylindermotor gewann 1971 die legendäre East African Safari Rallye und machte die Marke schlagartig bekannt. 1.600 Einheiten wollte Nissan ursprünglich global vom 240Z verkaufen. Über eine Viertelmillion wurden es – damals Weltrekord im Sportwagensegment. Als im Herbst 1978 mit dem 280 ZX eine neue Generation an den Start ging, hatte sich die Z-Baureihe mit insgesamt 531.601 Einheiten einen weiteren Eintrag ins Buch der Rekorde gesichert. Den Traum vom Tokyo Drift verkörperten später auch Nissan GT-R und 370Z.

Letztlich blieben es aber die braven Massenmodelle, die Nissan 1982 zwei Prozent Marktanteil in Deutschland einbrachten und den Rang des größten japanischen Importeurs zementierten. Zur gleichen Zeit zündete Nissan die Erfolgsgeschichte der Allradler in Deutschland. Dem Offroader Nissan Patrol gelang dabei im Behördengeschäft bahnbrechendes: Die Polizei und sogar die Bundeswehr setzten auf das Durchsetzungsvermögen des Allesüberwinders. Schon in den ersten 20 Jahren konnten hierzulande über 100.000 Einheiten des Patrol verkauft werden. Vor allem aber ging der Patrol bald nicht mehr allein auf Patrouille: Die Allradfamilie reichte vom praktischen Pick-Up (ab 1982), über den Terrano (ab 1987), den großen Pathfinder (ab 1998) bis zum X-Trail als SUV (ab 2001) und Wegbereiter für die Crossover-Modelle Murano (ab 2006), Qashqai (ab 2007) und Juke (ab 2010). Wie keinem anderen Generalisten gelang es Nissan allein mit Offroad-Kompetenz und Crossover-Typen einen Platz unter den führenden asiatischen Marken zu finden.

Datsun 240Z Foto: Nissan
1971 gewann das deutsche Rennfahrer-Duo Edgar Hermann und Hans Schuller mit einem Datsun 240Z überraschend die East African Safari.

Zum Erfolgsrezept zählten frühzeitig installierte europäische Werke und Entwicklungszentren. Trotzdem erlebte Nissan auch viele Tiefschläge. Fabrikschließungen gehörten dazu und immer wieder der Kampf gegen zwischenzeitliche, massive Verluste bei Absatz und Marktanteilen. Auch im Gold-Jubiläumsjahr 2022 hat Nissan in Deutschland einen Rückgang zu verzeichnen, nur noch gut 18.000 Autos wurden in den ersten neun Monaten verkauft. Zu Bestzeiten Anfang der 1990er waren es aus heutiger Sicht fast unglaubliche 150.000 Zulassungen in zwölf Monaten.

Nissan Ariya und Qashqai e-Power
Wie elektrisch hätten Sie’s gerne?

Aber solche Probleme animieren den ältesten, 1911 gegründeten japanischen Autobauer nur, mehr Gas bzw. seit 2012 Strom zu geben. Mit dem Leaf lancierte Nissan damals das erste in Großserie gebaute familientaugliche Elektrofahrzeug. Heute erhält der Leaf Unterstützung durch den auffällig designten Ariya auf neuer EV-Architektur, die gemeinsam von den Allianzpartnern Renault, Nissan und Mitsubishi entwickelt wurde. Und schon 2023 will Nissan in jeder Baureihe ein elektrifiziertes Modell anbieten, an Ideen und raffinierten Konzepten für automobile Feinschmecker fehlt es nicht. So fahren die aktuellen Qashqai und X-Trail nicht als Plug-in vor, sondern mit "e-Power", sprich rein elektrisch angetrieben – aber den Strom liefern ein Benziner und eine Pufferbatterie. Keine Langweiler, sondern eine ganze Bento-Box voll angesagtem automobilem Sushi soll Nissan wieder auf Kurs bringen.

Nissan X-Trail (2023) Test
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