Mit dem EX60 bringt Volvo sein erstes vollelektrisches D-SUV auf den Markt – und positioniert das Modell gezielt für das Großkundengeschäft. Reichweite, Ladegeschwindigkeit und eine großzügige Batteriegarantie sollen Flotten überzeugen, die ihre Car Policies zunehmend auf Zero-Emission-Fahrzeuge umstellen. Dass der Plug-in-Hybrid XC60 daneben weiterbestehen bleibt, zeigt: Volvo setzt in der Übergangsphase auf ein Sowohl-als-auch statt auf einen abrupten Wechsel. Im Interview spricht René Müller, Director Commercial Operations bei Volvo Car Germany, über die Rolle des EX60 im Flottengeschäft, die Nachfrage nach Allradvarianten, Garantieleistungen für die Hochvoltbatterie sowie darüber, wie Volvo sich gegenüber etablierten Premiumherstellern und aufstrebender chinesischer Konkurrenz positionieren will.

Mit hoher Reichweite und kurzen Ladezeiten soll der Volvo EX60 auch auf längeren Dienstwagenstrecken überzeugen.
Volvo weist ausdrücklich daraufhin, dass der vollelektrische EX60, den Plug-in-Hybriden XC60 nicht ersetzen soll. Konkurrieren beide Modelle damit nicht um dieselben Flottenkunden?
Diese Sorge habe ich nicht. Viele unserer Kunden fahren heute bereits Plug-in-Hybride und damit zumindest teilweise bereits elektrisch. In den kommenden Jahren wird sich der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge, gerade bei Großkunden, weiter erhöhen, auch weil diese die Car Policies entsprechend anpassen werden. In dieser Übergangszeit müssen und wollen wir aber weiterhin beide Antriebsarten anbieten. Der XC60 Plug-in-Hybrid eignet sich für diejenigen, die zunächst teilelektrisch fahren wollen. Gleichzeitig stellen gerade Großkunden ihre Car Policies zunehmend auf Zero-Emission-Fahrzeuge um. Der vollelektrische EX60 erfüllt die Anforderungen, die damit an ein Fahrzeug in diesem Segment gestellt werden. Deshalb ist er für uns im Flottengeschäft ein sehr wichtiges Modell.
Welche Rolle soll der EX60 konkret im Großkundengeschäft spielen?
Das D-SUV-Segment gehört zu den wichtigsten Segmenten im Großkundenbereich. Mit dem EX60 bringen wir genau das Modell auf den Markt, das dort zunehmend nachgefragt wird. Wir wollen deshalb einen großen Anteil der Käufer aus dem gewerblichen Bereich gewinnen. Gleichzeitig ist das Fahrzeug auch für Privatkunden interessant, etwa durch seine Variabilität und das Innenraumkonzept für Familien. Wir haben den EX60 bewusst so entwickelt, dass er für beide Zielgruppen passt.

Im Interview erklärt René Müller, wie Volvo den EX60 im Flottengeschäft positioniert und welche Rolle Reichweite, Ladeleistung, Batteriegarantie und Servicenetz spielen.
Welche Eigenschaften sind für Flottenkunden besonders entscheidend?
Mit Sicherheit die Reichweite und die Ladegeschwindigkeit. Der EX60 lädt in rund 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent – oder anders ausgedrückt, in nur 10 Minuten Ladezeit sind bis zu 340 Kilometer nachgeladen. Damit gibt es kaum noch einen Grund zu sagen, ein Elektroauto könne nicht auf längeren Strecken eingesetzt werden. Die Kombination aus hoher Reichweite und sehr kurzen Ladezeiten bieten bislang nur wenige Hersteller. Damit erreicht der EX60 Leistungswerte, die für viele Dienstwagenfahrer und Großkunden entscheidend sind.

Mit umgeklappten Rücksitzen bietet der Volvo EX60 eine weitgehend ebene Ladefläche und zusätzlichen Raum für Gepäck oder Arbeitsmaterial.
Mit P6, P10 AWD und P12 AWD stehen drei Antriebsvarianten zur Wahl. Welche dürfte im deutschen Flottenmarkt am stärksten nachgefragt werden?
Die größte Nachfrage erwarten wir beim P10 AWD. Gerade in Deutschland ist die Nachfrage nach Allradantrieb in diesem Fahrzeugsegment besonders hoch.
Der EX60 startet bei knapp 63.000 Euro brutto. Wie umfangreich ist bereits das Basismodell ausgestattet?
Der EX60 ist bereits in der Plus-Ausstattung nahezu voll ausgestattet. Das ist für den Vergleich mit anderen Premiumfahrzeugen wichtig, weil nicht allein der Einstiegspreis, sondern die tatsächlich enthaltene Ausstattung betrachtet werden muss.
Gerade bei einem klassischen User-Chooser-Modell spielt das Laden zu Hause eine wichtige Rolle. Unterstützt Volvo Unternehmen dabei mit einem eigenen Paket?
Nicht im Sinne eines fest definierten Pakets, das wir speziell für Großkunden schnüren. Wir prüfen gemeinsam mit unseren Partnern, welche Lösungen für die Kunden einen konkreten Mehrwert bieten und sich auch bei größeren Unternehmen etablieren lassen. Entscheidend sind vor allem die Beratung und die Aufklärung. Wir verfügen über ein großes Händler-Netz und können Kunden dabei unterstützen, die passende Lösung für das Laden zu Hause zu finden.

Der EX60 tritt mit digitalem Cockpit, zentralem Touchscreen und heller Innenraumgestaltung an. Bereits die Plus-Ausstattung soll laut Volvo nahezu vollständig ausgestattet sein.
Welche Bedeutung hat dabei das bidirektionale Laden?
Das kann sowohl für Privatkunden und Dienstwagenfahrer mit einem eigenen Haus als auch für Firmen mit einem eigenen Ladepark sehr interessant sein. Das Fahrzeug lässt sich künftig in das Energie-Ökosystem einbinden und stellt damit zusätzliche Speicherkapazität zur Verfügung. Dieser Aspekt wird bei Neubauten und eigenen Photovoltaikanlagen zunehmend wichtiger.
Bei Elektroautos achten Fuhrparks besonders auf Garantien und die Absicherung der Batterie. Was bietet Volvo beim EX60?
Die Werksgarantie umfasst 36 Monate oder 100.000 Kilometer und acht Jahre bzw. 160.000 Kilometer Hochvoltbatterie-Garantie, die auf bis zu 10 Jahre und bis zu 240.000 Kilometer verlängert werden kann.
Der EX60 wird in Europa produziert, die Batterie stammt jedoch aus China. Sehen Sie angesichts von Zöllen oder geopolitischen Spannungen Risiken für die Verfügbarkeit?
Das ist korrekt, die Zellen der Batterie kommen aus China, die gesamte Produktion findet aber in Europa statt. Aufgrund der hohen Nachfrage kann es bei einzelnen Modellvarianten zwar zu etwas längeren Wartezeiten kommen. Echte Lieferengpässe sehen wir derzeit aber nicht. Auch geopolitische Ereignisse und Störungen wichtiger Transportwege hatten bislang keinen Einfluss auf unsere Produktionsstätten oder die Fertigung des EX60.
Welche Hersteller betrachten Sie im Premiumsegment als direkte Wettbewerber?
Mit Sicherheit Mercedes-Benz, BMW und Audi. Diese Hersteller bieten in dem Segment vergleichbare Fahrzeuge an und haben ihre Modelle bereits auf den Markt gebracht. Daran wollen wir jetzt anknüpfen und unseren Marktanteil entsprechend ausbauen.
Wächst mit chinesischen Premiummarken wie Xpeng oder Zeekr eine weitere Konkurrenz heran, die Sie ernst nehmen?
Wir haben uns früh gefragt, was unser Alleinstellungsmerkmal bei Großkunden ist. Das ist mit Sicherheit ein flächendeckendes Händler- und Servicenetz. Unternehmen erwarten, dass Verkauf, Beratung und Service möglichst überall verfügbar sind. Ohne eine solche Infrastruktur ist es schwierig, eine Marke bei einem Großkunden zu etablieren. Insofern sehe ich diese Hersteller aktuell noch nicht als direkte Konkurrenz zu dem, was wir gerade in den Markt bringen. Das bedeutet aber nicht, dass wir ihre technische Entwicklung unterschätzen.
Was kann Volvo den technisch schnell aufholenden Wettbewerbern entgegensetzen?
Volvo verfügt über eine fast 100-jährige Tradition und eine sehr hohe Markenbekanntheit. Eigenschaften wie Sicherheit und Nachhaltigkeit wurden über viele Jahre aufgebaut. Man erreicht nicht automatisch dasselbe Niveau, nur weil man ein technisch gutes Fahrzeug entwickelt. Gerade etablierte Großkunden achten bei ihrer Car Policy auch auf eine nachhaltige und vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie auf die Stabilität eines Herstellers. Dabei spielen das Händler- und Servicenetz, die Bekanntheit der Marke und ihre langfristige Präsenz im Markt eine wichtige Rolle. Auch für User-Chooser bleibt das Image des Fahrzeugs ein entscheidender Faktor.











