Ende der Umweltprämie Wie die Fuhrparkbranche reagiert

Volvo XC40 Recharge P8 E-Auto, laden, Kabel, CCS, Stecker Foto: Volvo

Der Umweltbonus wird eingedampft, gewerbliche Käufer gehen ab September 2023 ganz leer aus. Die Fuhrparkbranche nimmt den Förderungsstopp trotzdem gelassen. Die meisten Betriebe setzen weiterhin auf E-Autos.

Gut 1,3 Millionen Elektroautos rollen über Deutschlands Straßen. 15 Millionen sollen es in den nächsten acht Jahren werden. Bislang hat die Bundesregierung den Umstieg auf Stromer kräftig be­zuschusst mit Kaufprämien, Steuervergünstigungen und dem Ausbau der Lademöglichkeiten. Nun steht fest: Der Förderung wird der Saft abgedreht.

Ab 1.9.23 gibt's kein Geld mehr für E-Firmenwagen

2023 wird der sogenannte Umweltbonus für reine Stromer stufenweise reduziert und fällt für Unternehmen ab dem 1. September 2023 ganz weg. Für die umstrittenen Plug-in-Hybride wird es schon ab dem Jahreswechsel keine Kaufprämie mehr geben. Künftig ist für die Förderung nur noch die Reichweite, nicht mehr der CO2-Ausstoß maßgeblich. »Damit richten wir die Förderung noch stärker auf Klimaschutz aus«, erklärt Wirtschaftsminister Robert Habeck. Die Elektromobilität habe inzwischen den Massenmarkt erreicht.

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Ein Blick in die Statistik könnte ihm recht geben: Allein im Juli wurden 13 Prozent mehr vollelektrische Autos zugelassen als im Vorjahresmonat. Die Verkäufe von Plug-in-Hybriden sind dagegen um 21 Prozent eingebrochen. Insgesamt entwickele sich der Markt für Elektroautos im Jahresverlauf bisher besser als der Pkw-Gesamtmarkt, teilt der VDA mit.Auf Gegenliebe stößt die Reform dennoch nicht. Viele Flottenverantwortliche warten seit mehr als zwölf Monaten auf ihre neuen Firmenwagen. Nur wenige Marken garantieren eine Lieferung noch in diesem Jahr.

Manche Marken übernehmen den Bonus

Insbesondere wer Plug-in-Hybride ge­ordert hat, muss nun neu rechnen: Kommen die Flottenfahrzeuge erst 2023 auf die Straße, entfallen bis zu 6.750 Euro Subvention. Unternehmen müssen die Mehrkosten selbst tragen oder auf die Dienstwagenfahrer abwälzen. Ein Problem, das auch den Herstellern bewusst ist. So haben Ford, Jeep, Peugeot und andere Hersteller angekündigt, für ihre Plug-in-Hybrid den vollen Bonus zu übernehmen. Eine Ausnahme allerdings. Gerät mit dem Aus für die Plug-in-Hybride also die Elektrifizierung der Unternehmensflotten nun ins Stocken?»

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Bei Hybridfahrzeugen war es trotz der Förderung jetzt schon so, dass sie je nach Einsatzzweck unter einer Vollkostenbetrachtung keinen Sinn ergeben«, sagt Horst Hirte, Business Development Manager der Fuhrparkberater Fleetcar + Service Community. Für die Fahrer seien sie wegen der halbierten Dienstwagensteuer natürlich interessant. In der Praxis werden sie aber zu oft mit Verbrenner gefahren und verbrauchen dann mehr als ein Diesel.

Plug-in-Hybride sind oft aus Dienstwagenregelungen gestrichen

Gut sechs Jahre nach Einführung der Kaufprämie ist diese Erkenntnis in den meisten Unternehmen angekommen. Viele Firmen haben Plug-in-Hybride bereits aus der Car-Policy gestrichen. Stattdessen entscheiden sich immer mehr Fuhrparkleiter für reine Stromer. »Auch eine gekürzte Förderung für E-Fahrzeuge ist immer noch Geld«, findet Peter Hartwig, Fuhrparkleiter bei der Logistikgruppe Eurogate. »Schrumpfen die Fördergelder noch weiter, kommt aber der Diesel wieder mehr ins Spiel.« Hirte schätzt, dass diesen Weg vor allem Flottenbetreiber gehen, für die sich Elektroautos bisher nur knapp gerechnet haben.

"Diesel oder E-Auto? Bei uns haben sich 75 Prozent gegen den Verbrenner entschieden." Nils Ohldag, Zentraleinkauf Heinrich Bauer Dienstleistungs-KG

Die Heinrich Bauer Dienstleistungs-KG hat Plug-in-Hybride ebenfalls gestrichen. Nun können die Mitarbeiter zwischen Diesel und Elektroauto wählen. »Der Trend ist eindeutig: 75 Prozent haben sich fürs E-Auto entschieden«, sagt Nils Ohldag vom Zentraleinkauf.

"Hybride gibt es bei Lloyd nur bis 25.000 Kilometer Jahresleistung." Volker Rosenthal, Fuhrparkleiter Lloyd Shoes

Einen Schritt weiter gehen Unternehmen, die sich im Rahmen einer Nachhaltigkeitsstrategie konkrete innerbetriebliche Ziele zur Reduzierung ihrer CO2-Emissionen gesetzt haben. Die Zurich-Gruppe Deutschland bestellt bereits seit 2021 keine Verbrenner mehr. »Wir arbeiten daran, die Ladeinfrastruktur an unseren Hauptstandorten zu verdoppeln«, sagt Fuhrparkspezialist Dennis Hallermayer. Die Außendienstler erhalten zudem Wallboxen, um zu Hause zu laden.

Firmen setzen eher auf vollelektrische Firmenwagen

"Mittel- bis langfristig wird unser gesamter Fuhrpark elektrisch." Matthias Kuppardt, Einkauf, Treuhand Hannover

Auch die PSD-Bank Westfalen-Lippe setzt auf solche Anreize, um den Umstieg auf Stromer zu erleichtern. Auf Plug-in-Hybride werde dagegen künftig verzichtet. Sie hätten den Fahrprofilen vieler Dienstwagenberechtigter nicht entsprochen. »Wir sind davon überzeugt, dass sich die Gesamtbilanz eines Stromers im Vergleich zum Verbrenner künftig weiter verbessern wird«, sagt der Bereichsleiter Betriebsmanagement Jürgen Hering. Ähnlich äußert sich Matthias Kuppardt, vom Einkauf und Verwaltung der Treuhand Hannover: »Über ein Drittel unseres Fuhrparks ist mit alternativen Antrieben ausgestattet. Mittel- bis langfristig wird unser gesamter Fuhrpark elektrisch sein.«

Der Trend ist eindeutig, auch weil Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur immer besser funktionieren. »Vor allem User-Chooser treiben den Umstieg auf den E-Antrieb voran«, sagt Roland Meyer, Geschäftsführer von Lease Plan.Steuerlich bleiben Stromer und Plug-in-Hybride für Dienstwagenfahrer interessant, denn zumindest auf absehbare Zeit können sie den geldwerten Vorteil der privaten Fahrten weiterhin zum reduzierten Satz versteuern.

"Unsere Erfahrung zeigt: Kunden und Fahrer haben mittlerweile wesentlich mehr Vertrauen in die Technologie." Roland Meyer, Geschäftsführer Lease Plan

Wer die Elektrifizierung der Unternehmensflotte bisher schon unabhängig von den Rahmenbedingungen plant, wird seine Taktik weiter umsetzen. »Das Auslaufen der Förderung ist mit Blick auf die Kosten zwar bedauerlich«, sagt Gerd Seber, Logistik- und Nachhaltigkeitsmanager bei DPD. »Andererseits haben die langen Vorlaufzeiten den Vergleich der Gesamtkosten von Elektrofahrzeugen erschwert. "Nun entstehe mehr Transparenz. Das erleichtere es, die Kosten angesichts der immer noch hohen Anschaffungspreise abzuschätzen."

Wer die Förderung in TCO eingerechnet hat, muss neu kalkulieren

Außerdem sind Elektrofahrzeuge unter TCO-Gesichtspunkten deutlich günstiger«, sagt Armin Villinger, Geschäftsführer von VW Leasing. Auch weil die Preisentwicklung auf dem Markt für fossile Energie einem Blick in die Glaskugel gleiche. »Denn aktuell ist nicht erkennbar, dass die Kosten für Benzin oder Diesel wieder signifikant sinken werden.«Wer least und die geringere oder entfallene Förderung nicht eingerechnet hat, muss neu kalkulieren und eventuell auf andere Modelle ausweichen.

"Der politische Kompromiss mag nicht allen passen, aber wir können gut damit leben." Armin Villinger, Geschäftsführung Volkswagen Leasing

»Wir sehen zusehends Offenheit auch für asiatische Marken, die schnell lieferbar sind und gegenüber etablierten Herstellern deutliche Preisvorteile aufweisen«, sagt Katharina Schmidt, Leiterin des »AMO Fuhrparkbarometers« von Arval Deutschland.

Unerfreulich, aber nicht katastrophal: So lässt sich die Stimmung bei Fuhrparkleitern und Dienstleistern zusammenfassen. Manch einer bezweifelt, dass die 15-Millionen-E-Auto-Zielmarke im Jahr 2030 so erreichbar ist. Allerdings sind auf euro­päischer Ebene die Weichen gestellt. Die CO2-­Flottengrenzwerte wurden deutlich verschärft. Spätestens mit der Abgasnorm Euro 7, die Verbrenner weiter verteuert, rücken reine Stromer stärker in den Fokus. Umkehren – darin sind sich alle einig – lässt sich der Kurs in Richtung Elektro­mobilität nicht mehr.

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