Renault 6 Zoom

Firmenwagenklassiker Renault 6

Revoluzzer aus Frankreich

Autos, die jeder kennt. Fahrzeuge der Kindheit, erstes eigenes Auto, unvergessener Dienstwagen: Renault 6.

Es hatte ordentlich geknallt 1968 an der Pariser Sorbonne. Mit Bomben und Brettern gegen Althergebrachtes – für Revolutionen waren die Franzosen schon immer zu haben. Davon anstecken ließ sich hierzulande die biedere, aber stets korrekte Zeitschrift ­"Hobby". "Das ist die Auto-Bombe 1968", kündigte sie an. Gemeint war der Renault 6. Ein Lob aus hohem Munde. "Hobby" testete seinerzeit vom Föhn bis zum Ferrari so ziemlich alles, was zumindest einen Stecker, im Idealfall aber einen Verbrennungsmotor hatte.

Der R6 sollte gleich zwei Insignien der Marke vereinen: Die Krückstockschaltung fürs Wohlbefinden bisheriger R4-Kunden und eine Heckklappe, die sich bis dato nur betuchtere Käufer eines R16 leisten konnten. Quer eingebauter Motor und Frontabrieb verstanden sich von selbst für einen modernen Franzosen. Und Raumgewinn.

Vorläufer für heutige Mittelklassekombis

So verdanken wir dem R6 eine neue Klasse: Semi Utilitaire – am ehesten zu deuten als Kombilimousine. Reisen mit Kind, Kegel, Sack und Pack zu akzeptablen Preisen. Das war die besagte Bombe. Denn für Fahrwerke mit liegenden Torsionsfederstäben, vorderen Scheibenbremsen und einzeln aufgehängten Rädern war andernorts deutlich mehr hinzublättern. Nicht nur das: Der R6 war billiger als mancher Käfer.

Die Erstkäufer von Importautos verschmerzten dann auch die dürftigen 34 PS aus dem 845-cm3-Motörchen. Erst später sollte der 1.1 mit 45 PS folgen. Ebenso das Spitzenmodell mit 60 PS aus 1,4 Litern. Deutsche Tester bescheinigten Renault, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben: Der R6 sei ein wirtschaftliches Auto, das man nutzt und nicht nur besitzt. Diese revolutionäre Lebensform war nicht gänzlich frei von Luxus. So gab es Kurbelseitenscheiben (anstatt der Schiebegläser im R4) und ein Handschuhfach. Etwa für eine der damals angesagten Mao-Bibeln. Ob der große Vorsitzende etwas vom späteren Prinzip des R6 geahnt hat? "Richtig ist, was Erfolg bringt", sagte Mao: "Und falsch, was misslingt." Revolution, mal ehrlich, ist manchmal auch banal.

Autor

Datum

28. Dezember 2017
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • Branche
  • Auto
  • Management
  • ecoFleet
  • Recht/Steuer
  • Service
  • Firmenauto des Jahres