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Kaufberatung VW Arteon

Geschäftsmodell

Keine Lust auf Massenware? Der VW Arteon ist so etwas wie die sportlich elegante Alternative zum VW Passat. Allerdings hat die Limousine ihren Preis. Die Kaufberatung klärt, ob sich die fast 6.000 Euro mehr im Geschäftswagen lohnen.

Nach dem erfolglosen Phaeton und dem nur mäßig laufenden Passat CC machte VW im Jahr 2017 mit dem Arteon einen dritten Versuch, in der gehobenen Mittelklasse Fuß zu fassen. Das Auto startet bei knapp unter 30.000 Euro mit einem 150 PS starken Benziner. Vernünftig angetrieben und eingerichtet dürfte aber kein Modell unter 45.000 Euro (alle Preise ohne Mehrwertsteuer) vom Band rollen. Die Crux: Der Arteon soll Premium­­ambi­tio­nen auf einer Plattform erfüllen, die so auch schon für den VW Golf herhalten muss. Der modulare Querbaukasten ist quasi die Zauberkiste des VW-Konzerns, auf der alle möglichen Modelle aufbauen. Auch VW Passat und Skoda Superb, die dem Arteon technisch am nächsten stehen.

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Arteon R-Line: große Räder, dunkle Scheiben und Chromleisten.

Länger und flacher als der Passat

Also doch nur so etwas wie ein gedopter Passat? Ja und nein: Der Arteon streckt sich auf 4,86 Meter, ist also beinahe zehn Zentimeter länger sowie drei Zentimeter niedriger und kostet je nach Motorisierung 5.000 bis fast 6.000 Euro mehr. Dafür hat er eine eigene Antriebs­palette, die bis zu dem 280 PS starken, all­rad­getrie­benen 2.0 TSI reicht.

Außen macht er mit viel Chrom-Bling-Bling und rahmen­losen Scheiben auf Show. Noch besser wirkt seine coupéartige Silhouette  mit 20-Zöllern im extrem flachen 245/35er-Format (600 Euro). Bühnenreif wird der Auftritt aber mit goldfarbener Lackierung (664 Euro), abgedunkelten Scheiben (260 Euro) und schwarzen Rädern (960 Euro). Pimp my VW, noch nicht peinlich, sondern so, dass man, ohne rot zu werden, beim Kunden vorfahren kann.

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Innen sieht der Arteon wenig aufregend aus, sein Cockpit gleicht dem des Passat fast bis ins Detail.

Innen dagegen wirkt der Wagen sachlich kühl, ist passgenau verarbeitet, wie eben von VW gewohnt. Dass man im Arteon und nicht im Passat sitzt, ist selbst auf den zweiten Blick nicht erkennbar. Hier wie da ziehen sich die Lüftungsschlitze quer übers Cockpit, mit Analoguhr in der Mitte und großem Bildschirm darunter. Auch die umfangreich konfigurierbaren virtuellen Instrumente (428 Euro) mit der Navikarte im Sichtfeld zwischen Tacho und Drehzahlmesser sind kein Alleinstellungsmerkmal. Sie finden
sich mittlerweile sogar im Polo. Ebenso wenig das Head-up-Display (475 Euro). Das erfüllt zwar seine Aufgabe, dem Premiumanspruch würdig ist das aus dem Armaturenbrett hochklappende, zitternde Plastikscheibchen allerdings nicht. Ein mit Tasten überfrachtetes Lenkrad ist heute in allen Modellen Standard. Wenige Volants sind jedoch so logisch aufgebaut wie bei Volkswagen. Auch die VW-üblich  bequemen Sitze dürften den meisten Fahrern passen. Trotzdem sollten nicht nur rückengeplagte Vielfahrer 1.050 Euro in den vielfach verstellbaren Ergo­-Comfortsitz investieren. Für 270 Euro mehr gibt’s den sogar klimatisiert.

Viel Platz trotz abfallender Dachlinie

Wo also liegen die Unterschiede zum Passat? Auf der Rückbank beispielsweise. Dort machen sich die fünf Zentimeter mehr Radstand in Form von einem wirklich großzügigen Platzangebot bemerkbar. Größere Passagiere müssen sich beim Einsteigen zwar unter dem niedrigen Dach hindurchducken. Aber wenn sie einmal sitzen, können sie sich nach Lust und Laune auf der bequemen, tiefen Rückbank fläzen. Trotz der nach hinten abfallenden Dachlinie bleibt sogar genügend Luft nach oben. Doch was gut aussieht, ist nicht immer praktisch. Wer hinten sitzt, sieht durch die flachen Scheiben immer nur einen kleinen Teil der vorbeifliegenden Landschaft. Klein Lisa und Leni fühlen sich im SUV oder Kombi mit Sicherheit wohler. So eignet sich das Coupé trotz seiner vier Türen nur bedingt als Familienauto.

Obwohl sogar das Heckabteil für eine Limousine mehr als familiengerecht geschnitten ist. Dessen riesige Klappe schwingt so weit auf, dass 1,90-Meter-Kerle noch aufrecht darunter passen. Für 790 Euro Aufpreis kann der Schlüssel in der Hosentasche bleiben und die Klappe surrt elektrisch angetrieben hoch. Zum Öffnen kickt der mit Taschen und Tüten bepackte Fahrer nur einmal mit dem Fuß unter dem Stoßfänger durch. In Sachen Ladekapazität nimmt es der 563 bis 1.557 Liter große Kofferraum des Arteon mit manchem Kombi auf. Man muss sich schon sehr strecken, um eine nach vorn gerutschte Tasche aus dem 1,18 Meter tiefen Gepäckabteil herauszufischen. Zusätzlich lässt sich die geteilte Rückbank flach vorklappen, was den Stauraum auf gut zwei Meter verlängert. Von wegen, Coupés sind nicht alltagstauglich

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So grimmig kann ein VW schauen. In Silber wirkt der Arteon freundlicher.

Überhaupt gestaltet sich der ganze Umgang mit dem Auto völlig problemlos. Der Arteon wäre kein Volkswagen, müsste man vor der ersten Fahrt eine Bedienungsanleitung lesen. Jede Taste, jeder Knopf sitzt da, wo man ihn intuitiv vermutet, vom Scheibenwischer bis zur Sitzheizung. Und was nicht täglich verstellt wird, findet sich im Menü des großen Touchscreens. Drei Fahrer und ein Gast können zudem das Auto nach ihren Wünschen konfigurieren und die Einstellungen abspeichern, vom Radiosender bis zur dreifarbigen Innenraumbeleuchtung.

Individualisierungsmöglichkeiten bietet auch das Fahrwerk. Je größer die Räder, desto eher sollte man die in Kombination mit unterschiedlichen Fahrmodi gelieferten adaptive Dämpfer (1.008 Euro) bestellen. In Komforteinstellung verleihen sie der ansonsten relativ harten Federung einen Schmelz, der lange Strecken auf schlechten Straßen erträglich macht. Ansonsten ist jeder Arteon ein echtes Fahrerauto. Kurvengierig, direkt gelenkt und satt auf der Straße.

Dabei unterstützt die Technik den Fahrer kräftig. Verkehrszeichenerkennung, Abstandstempomat, Spurhalter mit Lenkunterstützung – beim Arteon greift VW tief ins Technikregal. Und weil alle Käufer eines Premiumautos vermeintlich irgendwie autonom fahren wollen, geht der adaptive Geschwindigkeitsregler bei Tempolimits und vor Kurven selbstständig in die Eisen. Das mag zwar gesetzeskonform sein, Spaß macht’s keinen. Unser Tip: abschalten

Gute Ausstattung

Man kann nicht wirklich behaupten, dass der Arteon karg ausgestattet ist. Fahrer eines Geschäftswagens finden das Nötigste bereits im Basis­modell, von Klimaanlage
übers Radio bis hin zur Telefonschnittstelle. Kopfairbags rundum, Kollisionswarner mit Notbremsfunktion, Spurhalteassistenten – was braucht man mehr? In der Grundausstattung bietet VW aber nur die beiden 150 PS starken Einstiegsmotoren 1.5 TSI und 2.0 TDI an. Für budgetbewusste Fahrer, die sich bei Anschaffung und Ein-Prozent-Regelung zurückhalten wollen, sind sie also die einzige echte Option. Alle stärkeren Versionen werden gleich in Elegance-Ausstattung ausgeliefert, was den deutlichen Preissprung zwischen 150 und 190 PS erklärt. Elegance bringt größere Räder, mehr Zierrat, aber auch viel sinnvolles Zubehör wie Parkpiepser, den man für 273 Euro Aufpreis um einen Park­assistenten erweitern kann. Dazu kommen beheizte Spritzdüsen, Sitzheizung und bei den Topmotoren die sonst 1.008 Euro teure dynamische Fahrwerksregelung DCC.

R-Line kostet rund 570 Euro mehr, ist aber nur eine optisch etwas sportlichere Version und unterscheidet sich technisch nicht vom Elegance. Beide Ausstattungslinien haben aber eines gemeinsam: Sie bilden die Basis für fast alle weiteren Extras der Preisliste. Sprich:
Basismotor bedeutet auch Basis­ausstattung und erfüllt kaum Sonderwünsche.
Besonders interessant ist für Fahrer von Firmenwagen das Businesspaket Premium.
Für 1.877 Euro bündelt es Abstandstempomat, Kollisi­ons­warner bis 210 km/h und
Navigation. Wer drauf ver­zichtet, bekommt den Radar­tempomaten vergleichsweise günstig (420 Euro). Speziell für den dunklen Dachhimmel der R-Line empfehlen wir das Glasschiebedach (991 Euro).

Infotainment

Im Arteon dient der große Touchscreen als Dreh- und Angelpunkt für die Bedienung. Über ein einfach strukturiertes Menü klickt man sich im Nu seine Lieblingskonfiguration zusammen und speichert sie ab. So können sich bis zu drei Fahrer und ein Gast persönliche Profile anlegen. Zwei Tele­fone lassen sich über eine Schnittstelle (411 Euro) koppeln und nutzen per rSAP die Autoantenne. App-Connect (189 Euro) bringt ausgewählte Smartphone-Apps ins Auto, und mit Hilfe der kostenlosen Car-Net-App bekommt man Fernzugriff auf Grunddaten wie Tankfüllung. Praktisch: Über die App kann man eine Telefonbuch-oder Google-Adresse vom Handy an den Auto-Navi schicken. Das geht schneller, als die Adresse im Fahrzeug einzugeben. Vorausgesetzt, man schaltet die Navigation per SIM-Karte oder über einen Hotspot des Handys online. Weniger gut funktioniert die Sprachsteuerung, die Befehle häufig nicht versteht. Auch die Gestensteuerung arbeitet nicht besonders zuverlässig.

Technische Daten und Betriebskosten

Mithilfe des 1.5 TSI drückt VW den Einstiegspreis des Arteon unter 30.000  Euro. Doch wirklich glücklich wird damit niemand. Der 150-PS-Benziner mit lastabhängiger Zylinderabschaltung passt prima zum Golf, ist aber zu schwach für die relativ schwere Limousine. Außerdem gibt es den kleinen Benziner lediglich in der Basisausstattung. Das zeigt, dass ihn VW nicht ernsthaft verkaufen will. Wer einen Benziner will, ist mit dem 190 PS starken 2.0 TSI besser bedient. Einen echten Dynamiksprung bedeuten zwar auch die 40 Mehr-PS nicht, doch man ist mit dem großen Vierzylinder einiges souveräner unterwegs. Und das bei nur rund acht Liter Praxisverbrauch. Die 6.000 Euro Preisdifferenz sollten nicht abschrecken, denn neben dem DSG-Getriebe kommt der stärkere Benziner gleich in der Elegance-Ausstattung.

Apropos DSG: So richtig ausgewogen wirkt die Doppelkupplung nicht im Arteon. Beim schnellen Zurückschalten verschluckt sie sich gerne oder lässt gefühlt eine Gedenksekunde verstreichen, bevor der Wagen aus dem Stand in die Puschen kommt.

Besser als der Basisbenziner ist der bewährte 150-PS-Diesel, der mit hohem Drehmoment bereits gut mit der Limousine zurechtkommt. Auch hier gilt: Mehr Leistung passt besser, gerne auch mit Allradantrieb (1.680 Euro). 240 Diesel- und 280 Benzin-PS sind nicht zu verachten, doch im Premiumsegment verlangen viele Käufer mehr als nur vier Zylinder.

Plus

Karosserie mit eigenständiger Optik, als Firmenwagen selten zu sehen, sehr gute Verarbeitungsqualität, einfache Bedienung, bequeme Sitze, sportlich agiles Fahrverhalten, direkte Lenkung, viel Platz, großer Kofferraum, günstige Reparatur- und Unterhaltskosten.

Minus

Teuer, innen optisch zu nahe am Passat, nur Vierzylindermotoren, mit großen Rädern hölzernes Abrollverhalten und geringer Federungskomfort.

Dieser Artikel stammt aus Heft Firmenauto 06/2018.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

16. Mai 2018
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