Ladesäulen an Autobahnen

Kein Dach, kein Service

BMW i4 2021 Foto: BMW

Beim Laden des E-Autos gemütlich einen Kaffee trinken oder entspannt im schnellen WLAN surfen? Die Realität sieht anders aus. Selbst ein Dach fehlt an den meisten Ladesäulen.

Vielfahrer wissen: Nach drei, vier Stunden hinterm Steuer tut jede Pause gut, um sich die Beine zu vertreten. Fahrer von E-Autos könnten dazu wunderbar die Ladestopps nutzen. Vielleicht noch einen Kaffee trinken oder schnell im Schatten auf der Wiese die E-Mails checken.

Die Realität sieht anders aus: Wer einen Ladepark ansteuert, landet meist am Rande eines Industriegebiets oder in der Schmuddelecke einer Autobahnraststätte. Ohne schützendes Dach, ohne Bank oder kostenloses WLAN. Beim Laden lassen Energieunternehmen ihre Kunden buchstäblich im Regen stehen. Und so bleibt denen nur, im Auto zu warten und die Ladeanzeige zu beobachten.

Über eine derart schlechte Infrastruktur ärgern sich viele Autofahrer. Einer ist Thomas W. (Name geändert). Der 47-Jährige ist viel unterwegs und muss entsprechend oft Schnellladestationen an der Autobahn ansteuern. Über deren Attraktivität kann er nicht viel Gutes berichten: "Manche Säulen sind zumindest überdacht, andere sogar beleuchtet und bieten kostenloses WLAN. Doch das ist leider die Ausnahme. Im Großen und Ganzen fehlt sehr oft jeglicher Service, der das Laden angenehmer machen würde."

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Viele Fahrer wären schon zufrieden, könnten sie ihr Kabel vor Regen und Schnee geschützt anschließen. Doch das scheint sich nach Angaben von Ionity, einem der größten Anbieter für Ladeinfrastruktur in Europa, nicht so einfach realisieren zu lassen. Seit der Gründung 2017 versuche das Unternehmen, das Ladeerlebnis einfach und bequem zu gestalten.

Angeblich machen es verschiedene Gründe unmöglich, ein Dach als Standardausführung anzubieten. So spielen Lage und Gegebenheiten des Ladeparks eine Rolle: Ist ein Rastplatz angebunden, wie viele Anschlüsse sind geplant? Stationen an Autobahnen unterlägen wie andere Gebäude dem Baurecht. Da Autobahnraststätten in der Regel auch Lkw bedienen, müsse ein Dach die vorgeschriebene Mindesthöhe erfüllen, was nicht an jedem Standort möglich ist. Andererseits: Welcher Lkw steuert schon eine Schnellladestation an?

Bei der Auswahl der Standorte sei es Ionity wichtig, dass ein gewisser Komfort vor Ort bereits vorhanden sei. "Bei der Geschwindigkeit, mit der wir unser Netz ausbauen, haben wir keine Zeit, uns um Dinge wie Toiletten, Essen, Zeitungen oder Kaffee zu kümmern", sagte Ionity-Chef Michael Hajesch einst in einem Interview. Fakt ist: Wer 300 Meter entfernt von der Raststätte lädt, überlegt sich zweimal, ob er durch den Regen zur Toilette stapft. Entsprechend riecht und sieht die Umgebung vieler Stromanschlüsse aus.Auch die EnBW habe den Willen und das Interesse, ihre Stationen für Kunden attraktiver zu machen. Doch auch hier hätten Genehmigungsbehörden und Standortpartner das letzte Wort, berichtet E-Mobilitäts-Sprecher Heiko Willrett. Und auch alle weiteren Angebote, die einen Ladepark attraktiver machen würden, müssten erst genehmigt werden. Zumindest eine Beleuchtung können Kunden aber erwarten. Deshalb plant EnBW, einzelne Ladeparks mit Licht nachzurüsten, um die Situation vor Ort zu verbessern. Außerdem sollen Bänke an Ladeparks aufgestellt werden, wenn es möglich ist und genehmigt wird.

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Viele neue Stromspender wie Europas größter öffentlicher Schnellladepark am Kamener Kreuz werden gleich entsprechend geplant. "Die Ladesäulen sind überdacht und beleuchtet. Zudem gibt es vor Ort eine Toilette – damit kommen wir einem vielfach geäußerten Kundenwunsch nach", sagt Willrett. Solche Standorte würden auch videoüberwacht, um den Nutzern ein besseres Sicherheitsgefühl zu geben. Auch ein kostenloses WLAN werde eingerichtet. "Meist planen wir solche Schnellladestandorte in direkter Nachbarschaft von Supermärkten und Restaurants." So könnten Autofahrer die Ladezeit zum Einkaufen nutzen. Als Musterbeispiel nennt Willrett die Autobahnraststätte Werratal an der A 4. Dort laden E-Autos neben Verbrennern unter einem Dach.

Auch bei Eon heißt es, man versuche, beim Bau stets ein integriertes Gesamtkonzept zu realisieren. Doch die Priorität liegt an anderer Stelle, wie Unternehmenssprecher Dirk Strittmatter berichtet: "Derzeit muss angesichts des Hochlaufs der Elektromobilität der quantitative Ausbau der Ladeinfrastruktur im Fokus stehen. Zumal viele Stationen in unmittelbarer Nähe von Raststätten stehen, die über Komforteinrichtungen verfügen." Für Fahrer von Elektroautos bedeutet dies aber dennoch, dass sie häufig einen längeren Weg zum Bistro oder zur Toilette gehen müssen. Grundsätzlich dürfe auch die Frage der Rentabilität nicht aus den Augen verloren werden, sagt Strittmatter. "Dort, wo es direkt möglich ist, wird ein integriertes Gesamtkonzept aber stets mitgedacht."

Bleibt zu hoffen, dass sich schnell etwas tut in Sachen Ladekomfort. Sonst dürfte manchem Strom-Enthusiasten der Spaß am E-Auto vergehen. Schon jetzt hinkt die Infrastruktur den Verkaufszahlen von E-Autos hinterher. Da sind E-Mobilisten schon mit der Suche nach einem freien öffentlichen Stromanschluss genügend gestraft.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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