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Lieferzeiten von Firmenwagen

Wann kommt der neue Dienstwagen?

Der Automarkt brummt, aber die Hersteller können oft nicht liefern. Auf manche Modelle muss man fast ein Jahr warten.

Die Aussicht auf einen Dienstwagen kann viele Mitarbeiter richtig motivieren. Manch einer verbringt Wochen damit, die richtigen Ausstattungen zu kombinieren. Ist dann endlich das Traummodell gefunden, soll das neue Auto am besten sofort vor der Türe stehen. Doch das klappt nur selten. Immer öfter nimmt dieser letzte Teil in dem Kaufprozess eine lang dauernde Rolle ein: Die Autohersteller können manche Modelle einfach nicht schnell genug liefern. Was für den einzelnen Mitarbeiter höchstens etwas ärgerlich ist, kann im Fuhrpark für reichlich Probleme sorgen. Alte Leasingverträge müssen verlängert werden, bei Überschreitung der vereinbarten Laufleistung drohen Nachzahlungen.

Neuwagen sind gefragt, der SUV-Boom ist nach wie vor ungebrochen

Neuwagen sind gefragt wie lange nicht mehr: In den ersten drei Quartalen wurden 2,2 Prozent mehr Autos neu zugelassen als noch vergangenes Jahr. Besonders SUV boomen seit Jahren ungebrochen. Schon vor 15 Jahren mussten Kunden auf den ersten XC90 von Volvo mehr als ein Jahr warten.

Daraus sollten die Hersteller doch gelernt haben, oder nicht? Immer mehr Modelle und größere Individualisierungsmöglichkeiten machen die Produktion in den Werken komplexer. Schlankere Prozesse mit weniger Pufferlagern innerhalb der Fertigung führen zu weniger Fehlertoleranz. Hat ein Teilelieferant Lieferprobleme, kann die Produktion eines gesamten Konzerns ins Schwanken geraten. BMW musste diesen Sommer beispielsweise die Produktion drosseln, da die in fast allen deutschen Modellen eingebaute elektrische Servolenkung nicht rechtzeitig geliefert werden konnte.

Auch eine Rolle spielt die Dieselthematik. Immer mehr Kunden wenden sich von den sparsamen Selbstzündern ab, aus Sorge, nicht mehr in Innenstädte fahren zu dürfen. Der Dieselanteil fiel in den ersten drei Quartal auf 40,3 Prozent, 11,3 Prozent weniger als noch im letzten Jahr. Als Alternative wählen die meisten Kunden einen Benzinmotor. Darauf wiederum sind die Motorenwerke der Hersteller nicht ausgelegt: Autos aus dem VW-Konzern mit dem neuen 1,5-Liter-Turbobenziner sind dadurch besonders schwer zu bekommen. Während Volkswagen-Kunden bevorzugt behandelt werden, warten Kunden von Seat Ateca, Skoda Karoq und Kodiaq besonders lange. Letzterer lässt derzeit acht bis elf Monate auf sich warten. Immerhin unterstützen die Tschechen ihre Händler in Sachen Ersatzmobilität: Wer so lange auf ein Auto wartet, kann mit einem Leihwagen rechnen, den Skoda dann finanziell mitträgt.

Es kann aber auch der Gang zu einem anderen Händler helfen. Die Lieferzeiten hängen nämlich ganz wesentlich von der Quote ab, die der jeweilige Händler im Vorjahr beantragt hat. Unter Umständen kann ein anderes Autohaus also erheblich schneller liefern. Auch der Blick auf Alternativen in der Modellpalette lohnt. Auf den Skoda Octavia Combi muss man nur zwischen 12 und 30 Wochen warten. Ähnlich lange dauert es beim VW Tiguan. Gewisse Kombinationen brauchen aber auch hier über fünf Monate. Der Passat Kombi ist schneller: Zwei bis vier Monate dauert es durchschnittlich nach der Bestellung.

Zoom Foto: Karl-Heinz Augustin
Nicht einmal zwei Monate müssen Kunden im Bestfall auf den schwedischen Nobelkombi Volvo V90 warten.

Nicht nur der Volkswagen-­Konzern kämpft mit Lieferschwierigkeiten, einige Fuhrparkleiter klagen gleichfalls über Mercedes. Vor allem der GLC ist hier ein Sorgenkind. Obwohl die Stuttgarter auf Nachfrage angeben, durchschnittlich drei Monate Lieferzeit für in Deutschland produzierte Autos zu schaffen, warten Kunden auf den SUV acht bis neun Monate. Die C-Klasse hingegen hält das Werksversprechen ein. Die anfangs erwähnten Schweden haben inzwischen ihre Produktion im Griff. Volvo liefert selbst den neuen XC60 innerhalb von drei Monaten, ebenso den größeren XC90.  Noch schneller geht es nur mit dem V90: Bereits zwei Monate nach der Bestellung steht der abholbereit beim Händler. Sollte es doch zu Verzögerungen kommen, können die Vertragspartner über die Volvo Schwedenflotte flexibel Ersatzfahrzeuge anbieten.

Fehlplanung führt zu Lieferproblemen

Die benötigt auch BMW von Zeit zu Zeit: Bei den Bayern lohnt sich genaues Nachfragen. Normalerweise geht es fix, es gibt jedoch Ausnahmen. Die hochflexible Produktion verlangt Mitarbeitern wie Lieferanten einiges ab, und in der Planung macht die Variantenvielfalt eine verlässliche Kalkulation schwierig. Einzelne Optionen können unverhofft die Lieferzeit beeinträchtigen. So verlängert beispielsweise die Wahl eines M-Sportleder­lenkrads beim kleinen SUV X1 die Lieferzeit um vier Monate.

Opel-Kunden haben ein Problem, wenn sie gerne elektrisch fahren würden. Gerade einmal 50 Händler bekommen überhaupt einen Ampera-e, insgesamt sind in diesem Jahr weniger als 100 Fahrzeuge für Deutschland vorgesehen. Die können nur geleast, nicht gekauft werden. Auch Hyundai hat sich verkalkuliert: Mit 2.500 Bestellungen entschieden sich fünf mal so viele Kunden für den elektrischen Ioniq wie geplant. Die Folge sind Lieferzeiten von 12 bis 16 Monaten.Immerhin bieten die Koreaner für die Wartezeit ein günstiges Leasingpaket für den Ioniq Hybrid an. Das darf man auch erwarten, insgesamt sollten die Hersteller größeren Wert auf Kundenzufriedenheit legen. Und dazu gehört neben überzeugenden Produkten eben auch eine kurze Lieferzeit.

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Datum

13. November 2017
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