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Nachhaltigkeit im Fuhrpark

Umdenken beginnt im Kopf

Es gibt viele Konzepte und Ideen für mehr Nachhaltigkeit im Fuhrpark. Was aber tun, wenn die Mitarbeiter sich weigern, neue Ansätze für ein verändertes Mobilitätsmanagement auch tatsächlich zu akzeptieren?

Die grundsätzliche Tendenz ist eindeutig: Nachhaltigkeit spielt in deutschen Chefetagen eine immer größere Rolle. Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge halten rund 80 Prozent der befragten deutschen Mittelständler eine nachhaltige Betriebsführung für wichtig oder gar sehr wichtig. Das verwundert nicht. Schließlich verbessert ökologisches Wirtschaften nicht nur das Image der Firma, sondern senkt auch die Kosten und optimiert das Ergebnis. Eine wichtige Rolle spielt hierbei der Fuhrpark, da er die CO2-Bilanz eines Unternehmens nach wie vor massiv beeinflusst.

Um für ein möglichst hohes Maß an Nachhaltigkeit zu sorgen, können Flottenbetreiber an zahlreichen Stellschrauben drehen. Klar steht an erster Stelle die Antriebsfrage. "Es wird nicht genügen, Elektro-, Gas- oder Hybridfahrzeuge einfach nur bereitzustellen oder zur Auswahl anzubieten", meint Marc-Oliver Prinzing, Geschäftsführer des Fuhrparkberatungsunternehmens Carmacon. Vielmehr müssen die Mitarbeiter von den neuen Technologien überzeugt und dafür begeistert werden. "Wenn das nicht klappt, endet die Umstellung im Chaos und man fährt besser weiterhin die liebgewonnenen Diesel oder Benziner", befürchtet Prinzing. Führungskräfte müssten daher mit gutem Beispiel vorangehen. "Wasser predigen und Wein saufen führt nicht zum Erfolg." Wenn der Geschäftsführer mit dem PS-starken SUV vorfahre, während die Mitarbeiter für Green-Fleet, Nachhaltigkeit und Downsizing begeistert werden sollen, leide die Glaubwürdigkeit.

Zoom Elektromobilität E-Auto Ladesäule Strom Foto: David L F Smith
Nur jeder dritte Fuhrpark verfügt über Elektroautos

Steter Tropfen höhlt den Stein: Nach diesem Motto hat zum Beispiel die R+V-Versicherung bis Ende 2016 neun E-Autos für den etwa 350 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark angeschafft. Die Stromer sind in Wiesbaden, Hamburg und Stuttgart im Einsatz. Und da R+V an allen Standorten ausschließlich Ökostrom verwendet, fahren diese Autos komplett emissionsfrei. Ein Ausbau der elektrischen Flotte ist vorgesehen. Denn es gibt noch einige andere Fahrzeuge, die ebenfalls fast nur auf kurzen Strecken mit einer Tagesleistung von weniger als 100 Kilometern unterwegs sind, etwa von Poststellen oder der Konzernsicherheit. Sobald die Leasingverträge auslaufen, prüft R+V den Ersatz durch E-Autos.

Dessen ungeachtet spielen alternative Antriebe in Unternehmensflotten nach wie vor eine geringe Rolle. Lediglich zehn Prozent verfügen über derart emissionsarme Fahrzeuge. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (dena) unter 100 Betreibern von Flotten ab 50 Pkw. Am weitesten verbreitet unter den alternativen Antrieben sind Erdgasfahrzeuge, aber auch sie findet man nur in rund sieben Prozent der Flotten. Lediglich drei Prozent der Unternehmen fahren Elektrofahrzeuge, ein Prozent Plug-in-Hybride, deren Akku auch über das Stromnetz aufgeladen werden kann. Der Diesel treibt noch immer den Flottenmarkt an. 56 Prozent der Fuhrparks bestehen mehrheitlich aus Dieselfahrzeugen, nur 19 Prozent kommen ohne sie aus. Bei Vielfahrern wie Taxibetrieben ist der Anteil besonders hoch.

Immerhin gehen immer mehr Unternehmen dazu über, CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge auszugleichen. Durch die Unterstützung eines Klimaschutzprojekts der Atmosphäre wird genau dieselbe Menge CO2 entzogen, welche die einzelne Fahrt verursacht. Diese Idee steckt zum Beispiel hinter der von Dekra Business Assurance als Audit-Partner unterstützten Initiative Project Climate. Am Anfang steht die Entwicklung eines Fahrplans mit Maßnahmen zur Vermeidung von CO2-Emissionen und Mobilitätskosten. Anschließend berechnet Project Climate die Emissionen auf Grundlage des jährlichen Spritverbrauchs, der im Fuhrparkmanagement-System des Unternehmens festgehalten ist.

Klimaschutzprojekte als CO2-Ausgleich

Die berechneten CO2-Emissionen werden durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen, die den Ausbau regenerativer Energien fördern und den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren. Das können ebenso Fotovoltaikanlagen für Haushalte in Tansania sein wie effiziente Brennholzkocher in Kenia oder ein Biomasse-Kraftwerk in Indien. Der Part von Dekra Business Assurance besteht darin, den CO2-Ausstoß zu berechnen, die Zertifikate zu beschaffen und den CO2-Ausgleich zu auditieren. Ähnlich wie die Plakette der periodisch-technischen Fahrzeugüberwachung die Verkehrssicherheit eines Fahrzeugs bestätigt, bescheinigt die Klimaplakette dessen Klimaneutralität.

Zahlreiche Unternehmen sind bereits Klimapartner des Projekts – darunter etwa der Tiefkühlproduktehersteller Frosta, das Chemieunternehmen Dr.  Schnell, das Umwelt-Taxi München, die Verkehrsgesellschaft Belzig und viele mehr. "Die beste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird – und wenn doch, möchten wir die Klimawirkung möglichst gering halten", betont Dr. Thomas Schnell, Geschäftsführer des genannten Chemieunternehmens. "Damit setzen wir unseren Anspruch, alle Unternehmensbereiche nach Umweltkriterien auszurichten, auch im Bereich unserer Mobilität konsequent fort.

Ein ökologisch ausgerichtetes Unternehmen achtet darauf, möglichst viel regenerativ hergestellte Energie zu verwenden.
Was Flottenbetreiber für die Umwelt tun können
  • Mobilität optimieren Wäre die Bahn auch mal eine Alternative zum Auto? Zumal der Kollege dann während der Fahrt arbeiten kann
  • Unnötiges Reisen vermeiden Telefon- oder Video- konferenzen sparen Zeit, Kosten und Nerven.
  • Auslastung des Fahrzeugpools überprüfen Elektronische Fahrtenbücher und Telematiksysteme helfen. Autos, die lange stehen, in ein hauseigenes Carsharing abgeben oder ganz abschaffen.
  • Fahrgemeinschaften organisieren Software gibt es beispielweise von Comovee. Damit geht auch die standortübergreifende Dienstwagenverwaltung zur Reduzierung von Einzelfahrten.
  • Servicefahrzeuge entrümpeln Jedes unnötige Kilo Gewicht treibt den Spritverbrauch hoch.
  • Fahrzeugwäsche ohne Wasser My Cleaner und andere nutzen biologisch abbaubare Reinigungsmittel und reinigen sogar auf dem Firmengelände
  • Fahrtrainings anbieten Wer vorausschauend fährt, senkt Wartungskosten und Schadenquote.

Autor

Datum

21. September 2017
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