Straßenverkehr in der EU

Vision Zero kaum zu schaffen

Unfall Foto: AdobeStock

2050 soll kein Mensch mehr im Straßenverkehr sterben. Doch ohne neue Regeln lässt sich dieses ambitionierte EU-Ziel kaum erreichen.

Null Unfalltote im Straßenverkehr: Dieses Ziel haben sich EU und Bundesregierung für 2050 gesteckt. Ist diese Vision Zero erreichbar? Ein Blick auf aktuelle Daten lässt zweifeln. Zwischen 1990 und 2010 sank die Zahl der Verkehrstoten noch kontinuierlich um 300 bis 400 pro Jahr, von 2010 bis heute jedoch nur um insgesamt 500. "Trotzdem sehe ich die Vision Zero als gut und richtig an. Es ist für mich aber kein Ziel, das in den nächsten Jahrzehnten zu erreichen ist", sagt Prof. Dr.-Ing. Rodolfo Schöneburg, Leiter Fahrzeugsicherheit bei Mercedes. Selbst aktuelle Ziele würden verfehlt. 2010 hatte die Bundesregierung angekündigt, die Zahl der Todesopfer auf den Straßen solle bis 2020 um 40 Prozent sinken. Doch davon sei man weit entfernt.

Parallel zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Während Pkw-Insassen immer besser geschützt sind, steigt der Anteil der getöteten Fußgänger und Radfahrer. Hinzu kommen neue Risiken. Ungeübte Pedelecfahrer sind von ihren schnellen Bikes überfordert, E-Scooter-Piloten gefährden nicht nur sich selbst, sondern immer häufiger auch Fußgänger.

Die Gründe für Unfälle sind vielfältig. Immer häufiger wird gegen elementare Regeln des Straßenverkehrs verstoßen. Die Menschen fahren zu schnell oder zu aggressiv, lassen sich von Handys ablenken. Verkehrsexperten sind sich einig: Nur ein ganzheitlicher Ansatz kann die Straßen sicherer machen. Er müsste Mensch, Verkehrsumfeld und Fahrzeug gleichermaßen in den Blick nehmen. Passagiere sollen sich wieder häufiger anschnallen, vor allem auf den Rücksitzen, die Fahrer sich mehr aufs Verkehrsgeschehen konzentrieren. Wenn sich dazu mehr Sicherheitstechnik in den Neuwagen durchsetzt, ließe sich die Zahl der Unfalltoten bis 2025 um bis zu 25 Prozent reduzieren.

Fahrerassistenten und autonomem Fahren kommt nach Schöneburgs Überzeugung eine hohe Bedeutung zu. Das sieht auch Prof. Dr.-Ing. Steffen Müller, Leiter Kraftfahrzeuge an der Technischen Universität Berlin, so: "Spurhaltesysteme können viele der Unfälle vermeiden, die etwa ein Drittel der heutigen tödlichen Verkehrsunfälle ausmachen."

Die EU-Staaten haben sich auf eine Reihe verpflichtender Sicherheitsfeatures geeinigt. Darunter Spurhalter und Abbiegeassistenten für Lkw und Busse sowie Kollisionswarner mit Bremseingriff für Pkw. Alkoholempfindliche Wegfahrsperren und Müdigkeitserkennung werden ab 2022 für neue Fahrzeugtypen und ab 2024 für alle Neuwagen Pflicht. Allerdings ist den Experten klar: Es wird Jahre dauern, bis alte Fahrzeuge von der Straße verschwinden. Erst dann entfalten die Systeme ihre volle Wirksamkeit.

Technik alleine kann jedoch nicht alle Pro­bleme lösen. "Sicherheit steht und fällt mit dem Nutzer", glaubt Jürgen Bönninger, Geschäftsführer der Fahrzeugsystemdaten GmbH. Immer mehr Räder, Pedelecs und E-Roller erfordern neue Maßnahmen wie klare Verhaltensvorgaben. Der Verkehrsraum müsse sicher und gerecht aufgeteilt werden. Wenn sich Autos und Radfahrer schmale Straßen ohne Abgrenzung teilen, sind Unfälle programmiert. Außerdem müssten Menschen besser geschult werden. Vor allem aber muss die Polizei mehr kontrollieren, ob sich Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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