VW T6.1 (2019) im Fahrbericht

Der VW Bus bleibt sich treu

Foto: Immanuel Schneeberger 27 Bilder

Ein VW-Bulli ist einerseits Sehnsuchtsobjekt und andererseits Werkzeug. Zwischen Nutzfahrzeug und Traumwagen muss also ein Kompromiss gefunden werden, zwischen Kosten, Komfort und aktueller Technik.

Der VW Transporter ist Lastenesel und Kultobjekt in einem. Er bringt nicht nur Werkzeug unter, sondern auch die Gäste von Shuttle-Diensten als VW Caravelle und Familien von Dienstwagen-Fahrern als VW Multivan. In der jüngsten Überarbeitung ändert sich daran nichts, dafür aktualisiert VW die Technik umfassend.

Apropos aktuelle Technik: Davon bekommt das neueste Facelift jede Menge spendiert. Klar, die Plattform ist immer noch jene des T5 von 2003, doch das muss kein Nachteil sein. Es bedeutet, dass es weiterhin zwei Radstände von 3,00 und 3,40 Metern zur Auswahl gibt, was die Außenlänge bei 4,90 oder 5,30 Metern hält. Die kubische Form ist weiterhin unübertroffen in ihrer Raumausnutzung, es gab also wenig Grund, ausgerechnet daran etwas zu ändern. Doch wie sollte es anders kommen, unter dem Blech wurde dann doch einmal kräftig in der Konzern-Zutatenliste nach den besten Happen gesucht. Rein kam vor allem eine neue Lenkung, die eine ganze Menge an Neuerungen nach sich zieht. Denn nicht mehr ein Servomotor hilft mittels Flüssigkeit beim Lenken, sondern ein Elektromotor. Der macht das Einparken leichter und entzieht seine Unterstützung bei höherem Tempo, so dass stets die passende Unterstützung anliegt. Außerdem reagiert die Lenkung jetzt deutlich direkter. So zirkelt der Bus nun nicht gerade behände, aber doch präzise in der vorgegebenen Richtung durch Kurven. Außerdem erlaubt die elektrische Unterstützung die Integration von allerlei Assistenzsystemen. Einparken, Spurhalten und dem Seitenwind trotzen kann der Bulli nun. Nur letzteres tut er serienmäßig, neben der Vollbremsung im Notfall.

Foto: Immanuel Schneeberger

Transporter und Multivan mit gleichem Armaturenträger

Die andere größere Neuerung hat ebenfalls mit Elektronik zu tun. VW Nutzfahrzeuge hat es geschafft, die aktuellste Infotainmentgeneration aus dem Konzernbaukasten in den Bus zu packen. Dafür bekommen Transporter- und Multivan-Varianten denselben Armaturenträger. Einige Zierblenden werten den Freizeitvan gegenüber dem Arbeitstier auf. Eigens für die Transporter-Varianten gibt es ein Radio ohne Touchscreen, aber mit Bluetooth, SD-Kartenleser und USB-Anschluss. Es ist künftig serienmäßig.

Es geht nebenbei auch um die Funktionen der neuen Infotainmentgeräte. Sie haben nicht nur auf Wunsch große Farbdisplays, sondern auch immer eine eingebaute Sim-Karte. So ist der Bus jetzt immer online. Außerdem gibt es die bereits aus dem Passat bekannten We-Connect-Fleet-App. Sie erleichtert sowohl dem Flottenmanager als auch Fahrern die Arbeit. So ist ein digitales Fahrtenbuch erhältlich, das sich finanzamtkonform führen lässt. Der Fuhrparkleiter hat bei beruflichen Fahrten außerdem die Möglichkeit, den Fahrzeugstandort jederzeit einzusehen. Das erleichtert auch der Disposition die Arbeit und macht nachträglich eingebaute Systeme überflüssig. Wartungen lassen sich so frühzeitig direkt aus dem System heraus planen.

Immer mehr Kunden wünschen sich für die gewerbliche Nutzung mehr Fernzugriff auf ihr Auto. So verbaut VW jetzt auf Wunsch ein kundenspezifisches Funktionssteuergerät. Hinter diesem schon aus dem Crafter bekannten Begriff verbirgt sich die Möglichkeit, nachträgliche Aufbauten direkt aus dem Transporter zu steuern und Tempolimits im Fahrzeug zu programmieren.

Foto: Volkswagen

Im Lade- und Passagierraum hat sich hingegen wenig getan. Beim Multivan bleibt es beim bekannt praktischen Schienensystem. Es erlaubt eine freie Positionierung der massiven Dreier-Sitzbank und der drehbaren Einzelsitze, die ab der Ausstattung Comfortline Serie sind. Die Transporter profitieren von einer 230-Volt-Steckdose zum Nachladen von Akku-Werkzeug, einer abschließbaren Beifahrer-Doppelsitzbank sowie einer Unterladefunktion derselbigen. Lange Latten lassen sich also 40 Zentimeter weiter nach vorn unter den Beifahrersitz schieben. Außerdem ist nun auf Wunsch auch für die Heckflügeltür eine Rückfahrkamera erhältlich. Beim Caravelle bleibt im hinteren Abteil alles beim Gleichen.

Zweiliter-Diesel als einziger Motor

Unter der Motorhaube gilt ähnliches. Alle Transporter erfüllen die neueste und eh verpflichtende Abgasnorm, für Vortrieb sorgt stets ein Zweiliter-Turbodiesel. Die schwächste Version erstarkte um sechs auf 90 PS, darüber folgt eine 110-PS-Variante. Beide kommen mit Fünfgang-Handschaltung und zumindest die stärkere Variante konnte im Multivan (dort sind 110 PS der Einstieg) mit völlig ausreichendem Vortrieb überzeugen. Noch souveräner wird es mit sechs Gängen und 150 PS, der Sprung zum Biturbo mit 199 PS und Siebenstufen-Doppelkupplungsgetriebe ist dann der hin zu limousinenhaftem Antriebskomfort. Das Getriebe schaltet früh und unauffällig die Gänge, Kraft gibt es stets genug und gut gedämmt ist der Vierzylinder auch.

Das gilt selbst für den Transporter. Er kommt ohne das beim Multivan optionale adaptive Fahrwerk und ist trotzdem komfortabel. Nur schnelle Kurven können die anpassbaren Dämpfer besser ab. Insgesamt ist der Feinschliff in Verbindung mit der neuen Lenkung gut zu merken. Der Bus bleibt stets sicher und fährt Pkw-ähnlich komfortabel. Natürlich in Verbindung mit seiner Bulli-typischen hohen Sitzposition und flachem Lenkrad. Außerdem hat VW den längst überfälligen Schritt getan, und die H4-Scheinwerfer endlich ausgemustert. Jetzt gibt es immer Halogen-Licht aus H7-Leuchten. Noch besser wären serienmäßige Led-Scheinwerfer, denn mehr Licht bedeutet immer auch mehr Sicherheit.

Elektro kommt später, Erdgas gar nicht

So viel Ausgewogenheit gibt es traditionell nicht zum Spartarif. Genaue Preise enthalten die Hannoveraner uns noch vor, aber günstiger als bisher wird es nicht. Der Transporter startet mit 90 PS bei 22.900 Euro (alle Preise netto), für den mager ausgestatteten Multivan Family mit 110 PS verlangt VW mindestens 31.000 Euro. Der Multivan Trendline mit etwas umfangreicherer Ausstattung liegt dann schon bei knapp 35.000 Euro mit demselben Motor. Preise für den bei Shuttle-Diensten beliebten Caravelle als komfortabler Personentransporter sind noch nicht bekannt. Der Vorverkauf für die Transporter startet in der 34. Kalenderwoche, gut sechs Wochen später ist dann auch der Multivan bestellbar. Die Auslieferung soll dann ab November beginnen. Erst im kommenden Jahr folgt eine Elektrovariante für die Transporter. Sie ist auf die Bedürfnisse von Lieferdiensten zugeschnitten, was Reichweiten von knapp 150 Kilometern und eine gerade so ausreichende Autobahngeschwindigkeit bedeuten. Leider vorerst nicht in Planung ist eine Erdgas-Version. Als Grund hierfür gibt VW mangelndes Kundeninteresse an. Über das kann sich der VW Bus ansonsten nicht beschweren. Und so ist dann auch nachvollziehbar, warum mit der kleinen eins im Namen so vieles beim Alten, aber auch Guten bleibt.

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