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Fahrbericht VW Caravelle: Die Caravelle zieht weiter

Im VW-Werk laufen bereits die Bänder für den neuen T6 warm. Wir treffen uns mit den VW-Bossen zu einer letzten Abnahmefahrt mit dem Caravelle.

Hätten wir einen Flug früher genommen, würde uns jetzt Martin Winterkorn den Schlüssel für den T6 in die Hand drücken. Noch kurz zuvor saß der VW-Boss für einen letzten Check hinterm Steuer unseres Caravelle. Ob er etwas zu bemängeln hatte? Darüber schweigt der VW-Tross. 7.000 km stehen schon auf dem Tacho. »Wir fahren die Autos vor Abnahme-fahrten gründlich ein. Und Herr Winterkorn testet natürlich auch ausführlich«, heißt es aus der VW-Runde. Wir stellen kurz vor: In der zweiten Reihe unseres Caravelle sitzt VW-Nutzfahrzeug-Chef Eckhard Scholz, auf dem Beifahrersitz Entwicklungsvorstand Hans-Joachim Rothenpieler.

Komplett neues Cockpit im Pkw-Stil

Obwohl VW das Armaturenbrett komplett neu aufgebaut hat, wirkt alles vertraut. Tasten und Knöpfe liegen dort, wo wir sie vermuten und intuitiv danach greifen. Übersichtlich ist das Cockpit alleine schon durch die strenge Unterteilung mit horizontalen und vertikalen Linien. Wie schon beim T5 gibt es auch für die T6-Baureihe ein funktionales Armaturen- brett für die Nutzfahrzeuge und ein schickeres für die Pkw. Wobei Caravelle-Kunden erstmals zur Pkw-Variante greifen dürfen.

Klar, dass in unserem Caravelle Highline die Pkw-Variante eingebaut ist. Schließlich ist auch die Top-Ausstattungsvariante neu für den Caravelle und VW will zeigen, was man im Business-Shuttle vorweisen kann. Das Armaturenbrett baut zwar auf der Nutzfahrzeug-Variante auf, eingespannt in weich unterschäumte Kunststoffe und mit schicken Aluleisten verziert, ist dieses allerdings kaum wiederzuerkennen. Die zahlreichen offenen Ablagen der Nutzfahrzeuge sind mit Klavierlack-Blenden verdeckt.

Das griffige Multifunktions-Lederlenkrad und die Instrumententafel stammen aus dem Pkw-Regal, genauso wie die neuen Radios und Navigationssysteme mit bis zu 6,3-Zoll-Touchscreen. Damit kommt auch der Caravelle-Fahrer in den Genuss von Echtzeit-verkehrsmeldungen aus dem Internet und vielen weiteren Online-Gadgets.

Oder er spart sich das teure Navisystem von VW und nutzt seine eigene Navigation vom Smartphone. Auch in der Nutzfahrzeug-Branche kommen künftig Apple Car Play, Android Auto oder Mirrorlink zum Einsatz. »Bei der Elektronik hatten wir großen Nachholbedarf. Umso mehr freut es uns, dass wir für Nutzfahrzeuge Pkw-Standard anbieten können«, sagt Eckhard Scholz.

Bei den Sitzen gingen die Nutzfahrzeug-Ingenieure eigene Wege. »Wir haben zigtausend Kilometer abgespult, nur um die optimale Polsterung für Langstrecken-Fahrer zu ermitteln«, erklärt Hans-Joachim Rothenpieler. Die Mühe hat sich gelohnt. Wie bei einer guten Matratze sinken wir mit dem Gesäß leicht in die Ledergarnitur ein, um dann weich gebettet und seitlich gut stabilisiert Kilometer um Kilometer abzuspulen.

Kultivierter Zweiliter-Turbodiesel

Der Zweiliter-Vierzylinder unter der kurzen Haube stammt wiederum aus dem modularen Pkw-Baukasten, wurde aber an die härteren Anforderungen der Nutzfahrzeuge angepasst. Obwohl das neue Aggregat mittels SCR-Katalysator und Adblue-Zusatz die Euro-6-Norm einhält, konnte VW Verbrauch und CO2-Ausstoß um durchschnittlich 14 Prozent gegenüber dem Vorgängermotor senken. Der 150 PS starke Caravelle kommt so im Schnitt auf sechs Liter und 155 g CO2.

Gestiegen ist dafür das Drehmoment. Vor allem im unteren Drehzahlbereich zeigt die variable Turbinengeometrie ihre Vorzüge. Kraftvoll spurtet der Caravelle los, hält in jeder Drehzahllage genügend Reserven bereit. Die Schaltwege der Sechsgang-Box sind kurz, das Getriebe passend auf den Motor ausgelegt.

Auch das Fahrwerk haben die Ingenieure deutlich komfortabler ausgelegt. Stabilisatoren an den Achsen verhindern, dass der T6 in Kurven einknickt. Die modifizierten Stoßdämpfer reagieren zudem sensibler auf die zu tragende Last. Neu ist auch die adaptive Fahrwerksregelung. Steht der Schalter auf Comfort, wird der T6 völlig zur Sänfte und schwebt geradezu über den Asphalt. Die leichtgängige Servotronic vermittelt zudem das Gefühl, einen wendigen Kleinwagen durch den engen Stadtverkehr zu manövrieren. Die geschwindigkeitsabhängige Servo-Unterstützung nimmt allerdings erst ab Tempo 80 spürbar ab, weshalb sich der T6 bei Geschwindigkeiten knapp darunter schwammig anfühlt.

Bei den Assistenzsystemen bekommt der T6 einiges aus den Pkw eingebaut. Adaptive Geschwindigkeitsregelung, Einparkhilfe und LED-Scheinwerfer versüßen den Arbeitsalltag des Shuttle-Fahrers. Wer allerdings zu viele Kreuze bei der Sonderaus-stattung setzt, der landet künftig auch bei den Nutzfahrzeugen schnell über dem angepeilten Budget. Das dürfte Winterkorn am T6 am meisten gefallen.

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VW

Datum

2. Juni 2015
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