VW Amarok (2023) Test Was der neue Pick-up kann

VW Amarok Style 2023 Foto: VW 16 Bilder

Fast zwei Jahre mussten Gewerbetreibende auf einen neuen VW Amarok warten. Jetzt kommt der Pick-up wieder, alltagstauglicher, lifestyliger und sicherer.

Es knackst und knirscht unter den Rädern, in einer staubigen Karawane klettern fünf VW Amarok einen steilen Berg hinauf. Kurz vor der Kuppe verengt sich der schmale Weg zum steinigen Pfad mit tiefen Furchen und großen Felsbrocken. „Untersetzung und Sperre rein“, knarzt der Guide aus dem Funkgerät. Dann tastet sich der rote Amarok vor uns langsam über die Steine, hebt abwechselnd das rechte und das linke Hinterrad in die Luft.

VW Amarok Style 2023 Foto: VW
4x4-Kompetenz ist gesetzt: In Deutschland wird der Amarok nur mit Allradantrieb verkauft. In anderen Ländern gibt es ihn auch als Lastentier mit Heckantrieb und Single Cab.

Nicht mehr in Hannover und Argentinien, sondern in Südafrika gebaut

Hier in Südafrika sind Fahrten im schweren Gelände oder auf Schotter- und Sandpistenpisten Alltag für Pick-ups. Und jetzt ist auch der VW Amarok in Südafrika zuhause. Denn nachdem sich VW und Ford im Jahr 2020 verständigten, Plattformen auszutauschen, wird er künftig bei Ford in Pretoria auf Basis des Rangers gebaut.

Ab Mai 2023 kommt der neue Amarok zu Preisen ab 40.000 Euro netto auch in Deutschland auf den Markt. Hier wird es den Pick-up ausschließlich als Doppelkabine mit permanentem oder zuschaltbarem Allradantrieb sowie in fünf Ausstattungsversionen geben. Während sich die einfach eingerichtete, robuste Basisvariante an Unternehmen mit harten Einsätzen richtet, hat VW mit den Top-Versionen Aventura oder Panamericana durchaus Gewerbetreibende im Blick, die ihren Pick-up privat nutzen. Entsprechend umfangreich das Zubehör: 18 Zoll große All-Terrain-Reifen sind ebenso lieferbar wie 21-Zöller auf Alufelgen. Fahrradhalter, ein multifunktionales Trägersystem und diverse Rollcover machen den Wagen zudem für Vermieter im Freizeit- und Reisesektor interessant.

VW Amarok 2023 Foto: Hanno Boblenz
Neu gegen alt: links der neue Amarok, rechts der alte.

Neuer V6-Diesel mit etwas weniger Leistung

Die Motoren stammen ebenfalls von Ford. Das Gros der Gewerbekunden dürfte zum Zweiliter-Diesel greifen. Den gibt es als 170 PS starken Handschalter oder als 205 PS starken Biturbo, wahlweise mit angenehm schaltender Zehngang-Automatik. Darüber rangiert ein 240 PS starker V6-Diesel mit drei Litern Hubraum. Dass hier 18 PS gegenüber dem Vorgänger fehlen, ist in der Praxis nicht zu spüren. Der V6 bietet in allen Lebenslagen genügend Wumms. 2024 will VW einen Plug-in-Hybriden nachschieben.

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Mit 5,35 Metern Länge überragt der neue Amarok seinen Vorgänger um zehn Zentimeter, die Achsen stehen sogar 17 Zentimeter weiter auseinander. Das bringt Beinfreiheit für die hinten Sitzenden, aber auch kürzere Überhänge, die sich wiederum positiv beim Klettern über Stock und Stein auswirken. Und falls ein Bach die Wege des Offroaders kreuzt: Erst ab 80 Zentimeter Wassertiefe droht der Wagen abzusaufen.

Auch wenn unter der schicken Karosse des Amarok Ford-Technik steckt, unterscheidet er sich optisch deutlich vom Ranger. In der eigenständigen Front mit verchromten Querspangen leuchten auffällige LED-Scheinwerfer die Straße aus, bei den teureren Versionen sogar intelligent mit Matrix-Technik. Im unteren Bereich der Front sind zwei stabile Ösen integriert. Die sind kräftiger ausgelegt als herkömmliche Abschleppösen. Sollte er sich festfahren, kann man den Amarok daran aus dem Matsch ziehen.

Foto: VW
Panmaerican heißt die robustere Top-Version, laut VW-Marketing entwickelt für Globetrotter.

Dachlast verdreifacht

Überhaupt haben die Entwickler Wert auf Alltagstauglichkeit gelegt. So könnte man dank 350 Kilo Dachlast (bisher nur 100 Kilo) beispielsweise ein Dachzelt montieren. Genügend Reserven für zusätzliche Fracht bleiben: Die Zuladung wächst deutlich auf bis zu 1,2 Tonnen. Damit Kisten und Geräte nicht verrutschen, sitzen seitlich an der für zwei Europaletten ausgelegten Ladefläche stabile Ösen, die 400 Kilo Zurrlast verkraften. Außerdem ist die Heckklappe nun in die Zentralverriegelung integriert und die Abdeckung der Cargobox surrt auf Knopfdruck oder per Schlüssel-Fernbedienung elektrisch angetrieben auf und zu.

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Auch im Innenraum ist der VW-Stil sofort sichtbar, obwohl das von Ford vorgegebene Grundlayout mit großem, hochformatigem Bildschirm in der Mittelkonsole und digitalem Cockpit übernommen wird. Dazu gibt’s ein Multifunktionslenkrad im VW-Design. Schön, dass sich viele Funktionen weiter über Tasten anstatt über Touchflächen bedienen lassen. So lässt sich über einen großen Drehschalter schnell der Allrad dazuschalten oder per Tastendruck die Mittelsperre aktivieren. Klimasteuerung oder Sitzheizung werden dagegen per Touch bedient. Mit der Folge, dass man auf schlechten Straßen gerne danebentippt. Schade auch, dass man die Straßenkarte nicht direkt hinters Lenkrad spiegeln kann. Alternativ soll ein optionales Head-up-Display verhindern, dass der Blick immer nach rechts zum Bildschirm wandert.

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Komfort und Assistenten wie im Pkw

So verschwimmen die Unterschiede zwischen Pkw und Nutzfahrzeug immer mehr. Fahrer und Beifahrer sind auf bequemen, elektrisch verstellbaren Sitzen untergebracht. Der ganze Innenraum wirkt hochwertig, schon dank der unterschiedlichen Oberflächen. Auf Wunsch kann man sich von einem 640 Watt starkes Soundsystem von Harman Kardon beschallen lassen. 25 Assistenten unterstützen den Fahrer, vom Totwinkelwarner über die Einparkautomatik bis zum Travel Assist samt Lenkunterstützung. Leidglich bei Fahrkomfort muss man gegenüber einem Transporter Abstriche machen. Wegen der hohen Zuladung ist das Fahrwerk sehr straff abgestimmt. Unser unbeladen gefahrener Amarok leitete jedes Schlagloch und jede der in Südafrika beliebten Bremsschwellen ungefiltert in den Innenraum weiter. Beladen dürfte der Pick-up wahrscheinlich geschmeidiger federn.

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Auch in Sachen Konnektivität lässt VW nichts anbrennen. Smartphones laden induktiv und Apple Car Play oder Android Auto funktioniert kabellos. Außerdem bekommt der Amarok bereits die neueste Generation von VW Connect samt Online-Sprachsteuerung. Navigation, Straßenkarten, Sonderziele, Infos zu Parkplätzen und Spritpreise: alle Daten zieht sich das System dann aus dem Netz.

Hier in der südafrikanischen Einsamkeit kommt’s jedoch auf handfestere Fähigkeiten an. Drehmoment, Grip, Bodenfreiheit: Von allem bietet der Amarok mehr als genug. Schon knapp unter 2.000 Touren schickt der V6 600 Nm an die Antriebsräder. Mühelos kraxelt der schwere Wagen über Felsbrocken hoch aufs Plateau. „Alles klar?“, fragt der Guide. Aber sicher, alles im grünen Bereich beim neuen Amarok.

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