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i10, Spark, Panda und Co. im Vergleich: Kleinwagen für die Flotte

Vergleichstest: Kann sich Newcomer Hyundai i10 gegen den Flotten-Bestseller VW Up und die bewährten Kleinwagen wie Chevrolet Spark, Fiat Panda und Renault Twingo durchsetzen?

Unternehmen wollen auch junge Angestellte mobil halten. Gerne mit Kleinwagen. Damit lässt sich prima Fahrerfahrung sammeln. Außerdem eignen sich die Minis gut, um damit den firmeneigenen Fahrzeugpool zu bestücken.

Chevrolet Spark: mit Sportsgeist

Mit 82 PS aus 1,2 Liter Hubraum markiert er die Leistungsspitze dieses Quintetts. Und mit enormem Ansaugschnorcheln bei weit durchgedrücktem Gas­pedal markiert er einen Sportwagen, der er natürlich nicht ist. Immerhin, das Temperament ist ordentlich und die Agilität passt dazu: Fast schon zu nervös folgt der Chevy Lenkbefehlen aus der Mittellage. Das kann Fahranfänger im Notfall vor Probleme stellen. Dafür assistiert das Fahrwerk mit berechenbaren Reaktionen und kaum merklichen ESP-Eingriffen.

Allerdings nimmt es der Spark mit dem Federungskomfort nicht so genau. Er ist schon sehr straff abgestimmt, holpert und zappelt über schlechte Straßen, sodass öfter derbe Stöße in die kurzen und schmalen Sitze dringen.

Aus denen schaut man auf ein wuchtiges Armaturenbrett, das mit ein wenig metallenem Glanz und guter Bedienbarkeit aufwartet. So richtig praktisch ist der überladene Digital-Drehzahlmesser mit Bordcomputerfunktion zwar nicht, doch der Tacho liegt gut im Blick und alles Übrige gut zur Hand. Asiatischer Groß­serienstandard ohne Überraschungen, aber ohne den speziellen Kick.

Dauerhafte Glücksgefühle weckt auch das Raumangebot des Viertürers nicht. Wenig Innenbreite trifft akzeptable Kopffreiheit und wenig Beinraum im Fond. Dahinter beginnt unpraktisches Klein-Klein mit 170 Liter Stauraum, die sich nach umständlichem Vorklappen der geteilten Rücksitzbank samt Entnahme der Kopfstützen auf 568 Liter erweitern lassen.

Ein Kleiner der alten Schule: üppig ausgestattet und trotz 10.915 Euro Grundpreis nicht zu teuer, dabei mit 6,7 Liter Testverbrauch auch nicht zu durstig. Ein Pflichterfüller ohne weitere Ambitionen, der Europa aber bald den Rücken kehrt.

Fiat Panda: kistig aus Prinzip

Sonderlich viel Platz bietet der Fiat nicht, schmal, wie er zwischen seinen sehr senkrecht verlaufenden vier Türen ist. Auch der Beinraum vor der dünn gepolsterten, hohen Rückbank ist unterentwickelt. Die lässt sich gegen 378 Euro Aufpreis nach vorn schieben und symmetrisch geteilt umklappen, was den 225 Liter großen Kofferraum variabler macht. 

Unterwegs bietet der Panda ein zwiespältiges Bild. Der 69 PS starke Vierzylinder macht weniger Radau als Wind und Reifen, hängt aber verhalten am Gas und ist nicht sonderlich sparsam (Test: 7,2 Liter). Die leichtgängige Lenkung arbeitet gefühllos, der nah am Lenkrad gelegene Schalthebel ist unpräzise geführt mit Tendenz zur Hakeligkeit.

Trotz softem Naturell ist das Fahrwerk nicht wirklich komfortabel, weil es hüftsteif anfedert und den Panda kaum einmal zur Ruhe kommen lässt. Kurvendynamik entsteht so nicht wirklich, da die hohe Karosserie stark wankt und früh deftige Eingriffe des ESP auslöst. Dieses ist in der Lounge-Version zwar Serie, Seitenairbags vorn kosten allerdings 210 Euro extra. So wenig schlüssig wie diese Preispolitik wirkt im Grunde das ganze Auto. Die große Linie ist, wenn überhaupt zu erkennen, wenig stringent.

Hyundai i10: überzeugend gut

Das kann man vom neuen Hyundai nicht behaupten, denn er zeigt sich nicht nur beim Preis ambitioniert. Der liegt mit 11.820 Euro knapp unter dem des Fiat, der i10 lässt aber bei Sicherheit (sechs Airbags Serie) und Ausstattungsluxus (Lenkrad- und Sitzheizung Serie) nichts anbrennen. Okay, Aluräder und Multifunktionslenkrad gehen extra und manche Sonderausstattungen sind in nicht sinnvoll geschnürten Paketen gebündelt. Doch was zum guten und sicheren Fahren nötig ist, bringt der i10 Blue 1.0 Trend von Haus aus mit.

Komfortable und große Sitze etwa, ein schmuckes Armaturenbrett, viele Ablagen, problemlose Bedienbarkeit und ein sehr fahrsicheres, dabei agiles und komfortables Fahrwerk, das nur bei hoher Beladung hinterrücks so manchen Knuff austeilt. Auch der Dreizylinder und das Getriebe können trotz dessen gelegentlicher Rückwärtsgang-Hemmung gefallen.

Die 67 PS hängen wach am Gas, machen keinen ungebührlichen Lärm und liefern gute Beschleunigungswerte. 155 km/h Spitze sind zwar nicht wirklich viel, doch motorischer Mangel herrscht nicht im ­Hyundai, der mit 6,4 Liter Testverbrauch keine Löcher ins Budget frisst. Sie meinen, die Verarbeitung speziell im Kofferraum könnte besser sein? Stimmt.

Renault Twingo: Sonnensucher

Doch in dieser Klasse macht jeder Abstriche, um einen attraktiven Preis zustande zu bekommen. Renault zum Beispiel spart sich beim Twingo für 10.672 Euro Kopfairbags und ESP (plus 495 Euro bzw. 252 Euro). Dafür gibt es wie bei der Konkurrenz die obligatorische Klimaanlage. Oder wahlweise ein Glasdach oder sogar das elektrisch betriebene Faltdach.

Das lässt im Sommer wunderschön die Sonne ins Auto, produziert geschlossen jedoch starkes Windrauschen und verringert die Kopffreiheit auf der Rückbank ebenso dramatisch, wie es der zu hohe Beifahrersitz vorn tut. Schade, denn vor den einzeln verschieb- und klappbaren Rücksitzen findet sich ungeheuer viel Raum für lange Beine.
Das Fahrwerk beherrscht das Federn besser als das Kurvenkratzen (dafür sorgt die unbeteiligte Lenkung), der 75 PS kräftige Vierzylinder will für mangelndes Durchzugsvermögen mit Sprinterqualitäten entschädigen. Die sind im Alltag weniger wichtig als etwa der Verbrauch (akzeptable 6,7 Liter im Test). So reicht es für den etwas freudlos eingerichteten Twingo in keiner Disziplin für Bestnoten.

VW Up: den Golf als Vorbild

Viele von denen gehen ja auch an den Up. Es ist schon fast unheimlich, wie konstant dieser Kleine Punkte und Sympathien sammelt. Natürlich ist es schlicht geizig, die aufpreispflichtigen Fondtüren (336 Euro) mit Ausstellfenstern auszustatten. Und VW würde wohl keinen Up weniger verkaufen, wenn es bei voller Weitergabe der Kosten auch in Reichweite des Fahrers eine Fensterhebertaste für die Scheibe der Beifahrertür gäbe. Doch diese berechtigte Mäkelei ist vergessen am Ende eines Tages mit häufigen Fahrzeugwechseln und Vergleichen: Sei es beim Sitzkomfort, bei der Bedienung oder bei der Beurteilung von Federung, Handling oder Fahrsicherheit, gehe es um Verarbeitung, Funktionalität oder die Qualitäten von Motor und Getriebe: Stets liefert der Up die überzeugendste oder zumindest eine der besten Lösungen ab. Ganz zielstrebig scheint er in allem dem Golf nachzueifern, der ja in seiner Klasse so beharrlich einen Sieg nach dem anderen einfährt. Dass dem Up heute kein Sieg gelingt, liegt nur an seinem hohen Preis von 11.495 Euro in der teuersten Ausstattungslinie High Up.

Fazit

Volltreffer: Der Hyundai i10 zeigt nirgends Schwächen und gewinnt vor dem VW Up, aber letztendlich nur wegen der günstigeren Preispolitik der Koreaner. Der kleine VW liegt dagegen in fast allen anderen Wertungen vorne und ist für Firmen mit günstigem Rahmenvertrag erste Wahl. Deutlich dahinter der Twingo. Sein variabler Innenraum und der ruhige Motor retten ihm den dritten Platz, trotz der unzeitgemäßen Aufpreise für ESP und Kopfairbags. Dahinter reiht sich der Fiat ein. Viel Platz bietet der Panda nicht, sparsam ist er auch nicht. Abgeschlagen fährt der Chevrolet Spark hinterher. Sein agiles Fahrwerk kann über die restlichen Schwächen nicht hinwegtäuschen.

Autor

,

Foto

Achim Hartmann

Datum

3. April 2014
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