50 Jahre Opel Commodore B Breitensport

Opel Commodore 1972 Foto: Opel 9 Bilder

Vor 50 Jahren fuhr Opel im Verkaufsranking mit VW auf Augenhöhe, aber im Image war der Blitz auf Pole Position. Möglich machten dies furios schnelle Autos wie der Commodore GS/E.

Bürgerliche Massenautos begehrenswert machen, diese Kunst beherrschten vor 50 Jahren Rüsselsheimer Ingenieure am besten. So konnte Opel nicht nur Ford auf Distanz halten, sondern sogar VW in den deutschen Verkaufscharts überholen. Kein Wunder bei sportlichen Imageboostern wie dem Commodore (B). Mit angesagten optionalen Speed-Insignien fürs Überholprestige à la Rallyestreifen, Frontspoiler, riesigen Zusatzscheinwerfern und mattschwarzer Motorhaube.

Vom simpler ausstaffierten Vierzylinder-Mittelklasse-Bestseller Rekord unterschied sich der Sechszylinder-Opel zwar nur durch optische Details wie Kühlergrill und Rückleuchten unter mattschwarzer Blende mit Chromstreifen. Aber das genügte für Popularität sogar auf Parkplätzen vor Tennisplätzen, Architektenbüros und dem Universitätsdekanat. Obwohl billig, befreite sich der Commodore von Spießbürgerlichkeit, zumal als GS/E mit 160 PS.

Opel Commodore B GSE Coupe Foto: Opel
Beim Fahren auf Alltagsstraßen gab sich das feurige Vorzeigeobjekt der neuen Rüsselsheimer Mittelklasse-Generation ebenfalls keine Blöße.

Auf dem Genfer Automobilsalon debütierten im März 1972 allerdings erst einmal die braveren Ausführungen der zweiten Commodore-Generation. Auch wenn der klar und elegant gezeichnete Opel der gehobenen Mittelklasse weniger Emotionen freisetzte als die 1967 mit modisch-kessem Hüftschwung überraschende Erstausgabe des Commodore (A), traf der neue Sechszylinder-Blitz perfekt den auf Tempo getrimmten Zeitgeist der frühen siebziger Jahre.

In laut Fachmedien nur gut 8,5 Sekunden (das Opel-Datenblatt nannte konservative 9,3 Sekunden) erreichte der GS/E das 1972 neu eingeführte Landstraßen-Tempolimit von 100 km/h. Der Weg zur Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h gestaltete sich gleichfalls flott. Werte, mit denen der Opel damals im Revier von Porsche 911 T, Mercedes 280 CE, aber auch 350 SL und BMW CS wilderte. Autos, die teils doppelt so teuer waren und eigentlich eine andere Klientel ansprachen als der bezahlbare Kraftprotz mit Commodore-Rangabzeichen.

Opel Commodore B GSE Coupe Foto: Opel
Rosi Mittermaier fungierte als Markenbotschafterin für Opel.

Deshalb wandte sich Opel 1973 in Werbeanzeigen gezielt an wohlhabende, prestigehungrige Kunden: "Auch wenn Sie eigentlich DM 20.000 für ein Auto ausgeben wollten, denken Sie trotzdem an einen Commodore. Ihn gibt es schon ab DM 13.955." Dazu passte die Marketing-Kampagne "Commodore. Eine Luxuslimousine, die es in sich hat." Schließlich sollte es auch der viertürige Commodore nicht nur mit preiswerten Massenmodellen wie dem Ford Granada aufnehmen, sondern zugleich mit teuren süddeutschen Premiumlimousinen. So gab es den Opel serienmäßig mit einem breiten Portfolio an Sechszylindern, das vom 115 PS leistenden 2,5-Liter-Triebwerk über einen 2,8-Liter-Vergaser bis zum 160-PS-Einspritzer reichte. Gegenüber BMW 5er und Mercedes Strich-Acht-Typen mit Vierzylinder-Motoren erzielten diese erschwinglichen Sechszylinder, speziell mit großem GS bzw. GS/E-Signet, anfangs durchaus Achtungserfolge.

Tatsächlich verzichtete Opel sogar auf damals übliche endlose Aufpreislisten, der erste Preiskatalog zum Commodore begnügte sich mit nur vier Seiten für alle Varianten und Extras. Darunter die Leistungsabzeichen schwarze Motorhaube, Rallyestreifen und Fernscheinwerfer, ergänzt im Herbst um einen serienmäßigen, aber abwählbaren Frontspoiler für den GS/E. Wer auf modische Extravaganz setzte, konnte seinen Opel auch mit schickem Vinyldach und Colorverglasung bekommen.

Opel Commodore B Foto: Opel
Tatsächlich verzichtete Opel sogar auf damals übliche endlose Aufpreislisten, der erste Preiskatalog zum Commodore begnügte sich mit nur vier Seiten für alle Varianten und Extras.

Als die Fachpresse den Commodore allen empfahl, die Spaß an preiswerten, schnellen Wagen haben, ahnte noch niemand, dass für Tempobolzer ein Tal der Tränen in Sicht war. Die erste Ölkrise brachte 1973/74 vorübergehende, strikte Tempolimits und langfristig wirkende Benzinpreis-Erhöhungen. Obwohl die Opel-Sechszylinder niedrigere Verbrauchswerte als die meisten Wettbewerber auswiesen, stürzten die Verkaufszahlen vorübergehend ab. Die Ära von Rallyestreifen, Vinyldächern und auf edel getrimmten Interieurs mit Holzdekor neigte sich jedoch ohnehin dem Sonnenuntergang entgegen. Immerhin: Bis Sommer 1977 wurden über 140.000 Commodore B ausgeliefert, davon gut 42.000 Coupés, respektable Resultate im Konkurrenzumfeld. Deshalb riskierte Opel 1978 auch noch eine dritte Commodore-Generation, die allerdings zwischen Rekord und neuem Topmodell Senator kein eigenständiges Gesicht zeigen konnte. Kein Wunder, dass der in skulpturale Formen gegossene Commodore B bis heute besonderen Kultstatus in der Community besitzt.

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