Autonomes Fahren

Versicherer rechnet mit steigendem Schadenaufwand

Audi Autonomes fahren Foto: Audi

Wenn das Autonome Auto kommt, verschwindet die Kfz-Versicherung? Ganz so einfach ist es nicht.

Autonome Autos bauen keine Unfälle. Allerdings sind sie auf absehbare Zeit nicht allein auf der Straße. Die Versicherungswirtschaft erwartet aus diesem Grund sogar zunächst einen höheren Schadensaufwand.

Wird ein autonomes Fahrzeug doch einmal in einen Crash verwickelt, wird es schnell teuer. Zumindest dann, wenn die häufig in Kühlergrillnähe verbauten Radarsensoren oder eine der diversen Kameras rund um das Fahrzeug in Mitleidenschaft gezogen werden. "Kurz- und mittelfristig ist denkbar, dass die erhöhten Schadendurchschnitte die sinkenden Schadenhäufigkeiten überkompensieren, so dass die Schadenaufwände insgesamt durchaus steigen könnten", prognostiziert Joachim Müller, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG.

Allgemein dürften die Kosten für die Assekuranzen nur langsam sinken. 2015 haben die Versicherer in Deutschland Schäden in Höhe von 22 Milliarden Euro reguliert. Diese Summe soll in den nächsten 20 Jahren um sieben bis 15 Prozent sinken, wie eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergeben hat. Die Experten hatten vor allem den Einfluss moderner Assistenzsysteme untersucht, nicht explizit den autonomer Fahrzeuge.

Generell gibt der GDV zu bedenken, dass Sicherheitssysteme bei widrigen Bedingungen an ihre Grenzen stoßen und die Ergebnisse im echten Betrieb stark von denen in einer perfekten Testumgebung abweichen. Außerdem werden die langsame Verbreitung (die Systeme gibt es nur in Neuwagen und auch dort nicht flächendeckend) und die höheren Reparaturkosten für moderne Techniken als Gründe für den geringen Schadens-Rückgang bis 2015 angeführt.

Für das Geschäftsmodell der Kfz-Versicherer bestünde demnach kurzfristig keine Gefahr. Es muss allerdings durchaus modifiziert werden. Das System der Schadenfreiheitsrabatte beispielsweise steht perspektivisch auf dem Prüfstand. "Wenn individuelle Fahrfehler des Einzelnen in der Zukunft schrittweise an Bedeutung verlieren, ist die sinkende Bedeutung des Schadenfreiheitsrabatts die logische Konsequenz", so Allianz-Chef Müller. "Die Qualität der verbauten Fahrassistenzsysteme wird künftig das entscheidende Kriterium für Anzahl und Höhe von Verkehrsunfällen sein. Vielleicht sprechen wir deshalb künftig vom Schadenfreiheitsrabatt der Assistenzsysteme."

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