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Mercedes S-Klasse 2020 (W223) Fahrbericht

Lang, leise, lernfähig

Mercedes S-Klasse (W223) 2020 Foto: Immanuel Schneeberger 27 Bilder

Eine neue Mercedes S-Klasse will immer Superlative aufstellen. Noch leiser, noch komfortabler, geht das? Auf ersten Testfahrten fanden wir außerdem hilfreiche Hinweise in der Windschutzscheibe und gute Bekannte unter der Motorhaube.

Ganz oben wird die Luft dünn, sagt man so. Nicht so sehr bei Daimler, da parfümiert die dort oben platzierte S-Klasse nicht nur den Innenraum, sondern würzt auch den Jahresabschluss des Konzerns mit ordentlich Gewinnen nach. Rund 14 Prozent des Konzernergebnisses vor Steuern und damit 1,5 Milliarden Euro jährlich bringt die S-Klasse laut CAR-Institut Daimler. Jetzt steht nach sieben Jahren die Neue, Typ 223, bereit, und sie will mal wieder das beste Auto der Welt sein. Mit Preisen ab 81.500 Euro ist sie Vorstandswagen und traditionell auch teurer als Audi A8 und BMW 7er – der durchschnittliche Bestellwert lag 2019 15 bis 20.000 Euro über den zwei süddeutschen Konkurrenten. Große Ansprüche, untermauert mit technischen Finessen. Noch mehr Luxus kommt später in einer Maybach-Variante. Den Verbrennungsmotor mag sie dabei zwar maximal schalldämpfen, aber noch nicht ganz aufgeben. Wirklich elektrisch und damit meist auch umweltfreundlicher fährt dann erst nächstes Jahr der EQS.

Bis dahin arbeiten vorerst immer mindestens sechs Zylinder unter der langen Motorhaube. Ebenfalls lang: der Radstand. 3,11 Meter sind gut sieben Zentimeter mehr als bisher, und auch die Karosserie wuchs um fünf Zentimeter. Die 5,18 Meter sind aber kaum der Rede wert, denn die allermeisten Kunden wählten bisher schon die nochmal elf Zentimeter längere Langversion. Für viele Normgaragen ist das dann nichts mehr, auch wegen knapp zwei Metern Breite – aber die sollte dort, wo eine S-Klasse als Dienstwagen läuft, eher kein Problem sein.

Die besten Plätze: Vorn links und hinten rechts

Die S-Klasse ist nämlich eines der wenigen Autos mit zwei Arbeitsplätzen: vorn links und hinten rechts. Wir nehmen zuerst hinter dem Steuer Platz und wählen den 400d als Antrieb. Neun Stufen hat das Automatikgetriebe immer, drei Liter Hubraum, zwei Turbos und 700 Newtonmeter Drehmoment nur der Diesel mit 330 PS. Er geht mit Nachdruck zur Sache, bleibt dabei akustisch dezent im Hintergrund, und im Handumdrehen stehen 200 Sachen auf dem Tacho. Beeindruckende Ruhe herrscht im Innenraum, kein Zittern in der Lenkung, dank Doppelverglasung (Aufpreis 1.150 Euro, alle Preise netto) und hervorragender Aerodynamik kein Zischeln vom Wind. Der Gesprächspartner am anderen Ende der Telefonleitung merkt nichts vom hohen Tempo.

Das liegt auch an der steiferen und leichteren Karosserie, an Dämmstoffen sogar im Stahlrohbau und an Details wie der Luftführung um die Außenspiegel. Die Autobahnabfahrt naht, die S-Klasse wechselt autonom die Spur, nachdem die Systeme freie Fahrt feststellen. Die Navigation zeigt im Head-Up-Display an, wo es langgeht – und zwar dynamisch direkt auf der Straße, wie ein eigens installiertes Schild (Aufpreis 2.990 Euro). Falschfahren fast ausgeschlossen. Und falls es doch mal der falsche Abzweig war: Die S-Klasse kann auch enge Sträßchen. Dort schwingt sie sich von Biegung zu Biegung, ignoriert Unebenheiten, wogt über Bodenwellen und lenkt sehr exakt. Der später folgende Achtzylinder bekommt auf Wunsch ein hydraulisches Neigefahrwerk, dass sich in die Kurve legt und auch sonst alles Wanken unterdrückt – vermisst haben wir es nicht. Dass man Gullideckel tatsächlich kurz spürt: nicht schlimm. Zumal Chefentwickler Jürgen Weissinger einen Trick parat hat: "Mit 18-Zöllern kommt da nichts mehr durch." Unser Testwagen hatte für die Optik 20-Zöller montiert.

Für mehr Ruhe also lieber das dort gesparte Geld in die Rücksitze stecken. Hier bietet die Langversion fürstliche Raumverhältnisse, da können sich knapp 4.400 Euro für elektrische First-Class-Liegesitze schon lohnen. Arbeiten geht ganz entspannt, und in der Freizeit bietet das MBUX-Infotainment-System genug Spielereien. Die bekannte Sprachbedienung hört auf allen Sitzplätzen aufs Wort. Der Bildschirm vorn ist nun hochkant montiert, das erleichtert die Touch-Bedienung deutlich. Er ist ebenso wie das Instrumentendisplay Serie, bindet das Smartphone direkt ein und ermöglicht trotz weniger Tasten eine problemlose Bedienung.

Digitales Licht und mehr Airbags

Wichtig für die Sicherheit, und auf die legt Mercedes Wert. „1,3 Millionen Spiegel je Scheinwerfer lenken das Licht genau dahin, wo es gebraucht wird“, ist Weissinger vom neuen Digital-Licht (1.890 Euro) begeistert. Radarsysteme und Kameras ergänzen die gute Sicht und bremsen jetzt auch in höheren Geschwindigkeitsregionen so stark, dass sich Unfälle vermeiden lassen. Später sollen Updates via Mobilfunk für noch mehr Funktionen sorgen. Über 50 Steuergeräte lassen sich so updaten – immerhin mehr als die Hälfte.

Ein Hardware-Update gab es auf den Rücksitzen. Dort entfaltet sich im Ernstfall ein Airbag aus der Rückenlehne der Vordersitze. Auch zwischen den Vordersitzen gibt es jetzt einen Luftsack, und mit dem bereits erwähnten Hydraulik-Fahrwerk hebt sich die S-Klasse bei einem drohenden Seitenaufprall acht Zentimeter an, sodass die stabile Karosseriestruktur die Türen beim Aufprall unterstützt.

All das hat natürlich seinen Preis. Die gute Nachricht zuerst: Erstaunlich viel ist bereits serienmäßig. MBUX-Infotainment, Matrix-LED-Scheinwerfer, Assistenzsysteme von Abstandstempomat bis Kreuzungsassistent sind immer an Bord. Auch der Basismotor im 350d hat mit 286 PS und 600 Nm genug Bums. Er kostet ab 81.500 Euro, die Langversion liegt 2.700 Euro darüber. Auch beim Topmodell spart Mercedes am Tank, 100 Euro kostet 76-Liter-Tank extra – für neun Liter mehr Volumen. Und wem nach all den Daten nun der Kopf raucht: Das Burmester-Soundsystem hat auf Wunsch auch Lautsprecher in den Sitzen. Dann kommt der Bass direkt im Bauch an. Der Kopf ruht derweil auf weichen, beheizten Kissen, und entspannt in parfümschwerer Luft.

Mercedes S-Klasse (W223) 2020 Foto: Daimler

Assistenzsysteme

Die S-Klasse will schaffen, woran der Audi A8 gescheitert ist: autonom fahren auf Level 3. Bis Tempo 60 könnte der Fahrer dann auch im Internet browsen, während das Fahrzeug lenkt. In einem halben Jahr will Mercedes so weit sein. Stereokamera nach vorn und hinten, eine zusätzliche GPS-Antenne und ein Laserscanner helfen dann bei der Orientierung. Bis es soweit ist bremst die S-Klasse bis Tempo 130 für stehende Fahrzeuge, erkennt auch bei Landstraßentempo Fußgänger und hilft aktiv beim Ausweichen. Außerdem parkt sie völlig allein ein, in manchen Parkhäusern findet sie sogar ihren Parkplatz selbst.

Mercedes S-Klasse (W223) 2020 Foto: Daimler

Infotainment

Volles Programm auch auf den hinteren Plätzen: Das Infotainment der S-Klasse ist nicht nur auf den Fahrer ausgerichtet. Es hört aufs Wort, reagiert auf Fingerdruck und informiert auf vielen Ebenen. Das Kombiinstrument hinter dem Lenkrad zeigt 3D-Karten mit Tiefenwirkung – eine nette Spielerei, mehr nicht. Wirklich hilfreich sind die Fahrempfehlungen, die das Head-Up-Display direkt auf die Straße vor dem Auto projiziert. So verpasst man keine Kreisverkehrs-Ausfahrt mehr. Außerdem lassen sich personalisierte Profile erstellen. Bei häufiger wechselnden Fahrern ändert das Auto dann Sitzposition, Ambientebeleuchtung und Co. anhand von Pin, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung.

Mercedes S-Klasse (W223) 2020 Foto: Daimler

Technik

Bei knapp 5,30 Metern Außenlänge kann es im Parkhaus schon mal eng werden. Deshalb lenken die Hinterräder der S-Klasse jetzt bis zu zehn Grad gegenläufig ein – der Wendekreis schrumpft um fast zwei Meter und liegt auf Kleinwagen-Niveau. Der V8 im S580 kommt später im Jahr mit 48-Volt Bordnetz und integriertem Startergenerator für bis zu 22 Extra-PS. Außerdem liefert das System Strom für das aktive Fahrwerk, das mittels Kamera Unebenheiten entdeckt und die Dämpfer 1.000-mal in der Sekunde justiert. Noch elektrischer wird nächstes Jahr der Plug-in Hybride, der den Sechszylinder-Benzinert mit einem 150-PS-E-Motor kombiniert. Dank 28,6-Kilowattstunden-Akku schafft er 100 Kilometer elektrisch und kann mit 60 Kilowatt in einer halben Stunde wieder vollgeladen werden.

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