Renault Trafic dCi 145 (2020) Fahrbericht

Was bringt das Facelift

Renault Trafic dCi 145 2020 Foto: Thomas Rosenberger 19 Bilder

Der überarbeitete Renault Trafic bekam einen Diesel. Wie fährt er?

Richtig schick hat Renault den Bestseller gemacht. Die Modellpflege bringt einen chromverzierten Kühlergrill und optisch sehr gefällige Voll-LED-Scheinwerfer (Serienausstattung ab Ausstattungsniveau Komfort) mit C-förmigem Tagfahrlicht. Die Neuerungen verleihen dem Franzosen in der Menge der Transporter ein Gesicht, das in Erinnerung bleibt.

Doch bei Transportern zählen die Qualitäten als Arbeitsgerät mehr. Und auch hier muss sich der Trafic, der als Testwagen mit langem Radstand und Normaldach antrat, nicht vor der Konkurrenz verstecken. Die Anlagen der vorausgegangenen Generation waren schon gut und wurden daher im Zuge der Modellpflege nicht angepasst, was den Vorteil hat, dass bestehende Ausbauten auch im neuen Modell verwendet werden können.

Renault Trafic dCi 145 2020 Foto: Thomas Rosenberger
Der Renault Trafic verfügt über eine Ladelänge am Boden von 2,94 Meter.

In Zahlen bedeutet das im Falle des Testfahrzeugs beinahe 1,2 Tonnen Nutzlast und ein Ladevolumen von sechs Kubikmeter. Die Ladelänge am Boden von 2,94 Meter lässt sich durch eine clevere und leicht zu betätigende Klappe in der Trennwand vom Format 510 mal 222 Millimeter noch aufbohren. Weil sich auch am Fuß der Doppelbeifahrersitzbank eine weitere Klappe befindet, kann Langmaterial bis 4,15 Meter Länge sogar noch in den Beifahrerfußraum ragen. Die Beförderung von Europaletten ist uneingeschränkt möglich, dank eines Abstands von 1,27 Meter zwischen den Radkästen. Laden lassen sie sich sowohl durch das Heckportal wie auch von der Seite durch die Schiebetür, die eine Öffnung von 90 Zentimeter frei gibt.

Zurrösen gibt es in stattlicher Anzahl. Beim Trafic mit langem Radstand sind es bis zu 20 Stück, wovon sich acht an den Seitenwänden befinden. Die Bügel nehmen laut Zertifikat die geforderten Kräfte auf, könnten jedoch etwas größer dimensioniert sein, so dass sich Zurrhaken noch leichter einsetzen lassen. Ebenfalls verbesserungswürdig ist die Machart der Scharniere des Heckportals, die ausgehängt zwar einen Öffnungswinkel von 180 Grad freigeben, dann aber wie Spieße in den Raum ragen. Hier gibt es Lösungen, die weniger Möglichkeiten bieten, sich beim Beladen daran zu stoßen.

Renault Trafic dCi 145 2020 Foto: Thomas Rosenberger
Viel Neues findet sich im Cockpit.

Viel Neues findet sich dann im Cockpit. Ablagen in allen Größen, offen und geschlossen, für Dokumente ebenso wie fürs Handy sowie Becherhalter gibt es hier. Ein riesiges Staufach tut sich unter der Beifahrersitzbank auf. Hinzu kommt die kluge Lösung eines Tischchens für den Laptop im Mittelsitz.

Die Instrumente im Armaturenträger sind typisch Renault. Aufs Wesentliche reduzierte Uhren und Anzeigen lenken den Fahrer nicht von seiner Hauptaufgabe ab. Hinzu kommen Renault-typische Bedienelemente wie der Satellit hinterm Lenkrad für die Bedienung des Radios und ein Multifunktionslenkrad, das immer noch mit wenigen Tasten in den Speichen auskommt. Richtig schick ist das sieben Zoll große Touchdisplay für das kombinierte Multimedia-Navi-System namens Media Nav (als Teil des Klang-&-Klima-Pakets 1.750 Euro). Die Bedienung gelingt so intuitiv, wie man das heute erwarten darf und das Bild der Rückfahrkamera (500 Euro) ist gestochen scharf. Zudem bietet das System moderne Funktionen wie Apple Car Play sowie einen USB-Port, von denen es heutzutage nie zu viele geben kann, und eine Bluetooth-Schnittstelle.

Zusätzlich zur digitalen Sichthilfe bietet Renault schon seit einiger Zeit einen Weitwinkelspiegel in der Sonnenblende als Teil des „Mobiles-Büro-Paket 2“ (350 Euro, inklusive umklappbarer Beifahrerdoppelsitzbank und Laptop-Ablage, Durchladeklappe und Trennwand) auf der Beifahrerseite an. Der Einsatz des Spiegels, der eine Sicht in den ansonsten toten Winkel erlaubt, erfordert eine gewisse Gewöhnung an den extremen Weitwinkel und die eher niedrige Qualität des Spiegelglases.

Das Deluxe-Paket (unter anderem mit Chromeinfassungen am Armaturenträger, Lederlenkrad und Tempomat, 350 Euro) bringt einen Hauch von Noblesse ins ansonsten eher zweckmäßig und robust gestaltete Cockpit. Trotz schicker Teil-Carbon-Optik dominiert graues Hartplastik und vermittelt mehr Nutzfahrzeug als Pkw-Charme.

Die wohl wichtigsten Änderungen hat mit der Modellpflege der Antrieb erfahren. Dazu zählen die neuen, zwei Liter großen Turbodiesel, die mit Leistungen von 88 (120 PS), 107 (145 PS) und 125 kW (170 PS) die Spitze im Trafic-Angebot markieren. Das bedeutet bis zu 25 PS mehr Leistung und bis zu 40 Newtonmeter mehr Drehmoment als die Vorgängeraggregate mit 1,6 Liter Hubraum. Im Falle des Trafic Energy dCi 145 kommt die mittlere Leistungsstufe des 2,0-Liter-Motors mit 146 PS und 350 Nm an maximalem Drehmoment zum Einsatz. Der neue erweist sich als durchzugsstark und elastisch. Die vernünftige Wahl für Stadt und Autobahn, sofern nicht auch noch ein bis zu zwei Tonnen schwerer Anhänger am Haken hängt.

Renault Trafic dCi 145 2020 Foto: Thomas Rosenberger
Ins Auge sticht außerdem der schicke, neu gemachte Schalthebel des EDC-Doppelkupplungsgetriebes.

Ins Auge sticht außerdem der schicke, neu gemachte Schalthebel des EDC-Doppelkupplungsgetriebes (Efficient Dual Clutch). Das steht für die beiden stärksten Leistungsstufen des Trafic als Option zur Wahl, Standard ist indes der Sechsgang-Handschalter. Das EDC macht seine Sache gut, hangelt sich unaufgeregt und butterweich durch die Gänge, so wie es sich für ein Doppelkupplungsgetriebe gehört. Nur ein wenig Fingerspitzengefühl ist nötig, um nicht den Widerstand zwischen Rückfahrgang und Parkstellung zu verpassen und unversehens im Parkmodus zu landen, statt rückwärts in die Parkbucht zu setzen. Insgesamt ist das EDC eine prima Sache für all jene, die häufig schalten müssen, aber andererseits auch ein Stück weit Luxus.

Das Zusammenspiel von EDC und dem neuen Motor ermöglicht in Kombination mit dem ausgewogenen Fahrwerk komfortables Fahren, wäre da nur nicht das vergleichsweise hohe Geräuschniveau. Wind- und Abrollgeräusche dringen bei Autobahngeschwindigkeit doch recht deutlich in die Kabine. Hinzu kommt, dass die Trennwand unangenehm knistert. Auch eine etwas differenziertes Lenkgefühl wäre wünschenswert.

Alles in allem gibt es für den neuen Trafic aber keinen anderen Grund als Bescheidenheit, um sich in tristes Grau zu hüllen. Noch dazu, weil er schon für 30.690 Euro (Preis netto für Ausstattungslinie Komfort und EDC) zu haben ist. Die Trafic-Welt beginnt indes bei knapp 23.000 Euro netto. Für den reichhaltig ausgestatten Testwagen sind laut Liste 35.770 Euro fällig – ein angemessenes Angebot auf Höhe der direkten Wettbewerber, aber deutlich günstiger als das Premiumsegment.

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