Slow Food Genussführer 2017/2018

Lecker essen unterwegs

Slow Food Genussführer 2019 Foto: ETM

Ihnen fehlt noch ein Gastro-Tipp für die nächste Dienstreise? Ein Blick in den neuen Slow-Food-Führer lohnt sich. Dort erfahren Sie, wo gut und regional gekocht wird.

Essen hält Leib und Seele zusammen, und besonders in der kalten Jahreszeit lässt uns die Vorfreude auf ein gutes Mahl gerne zum Restaurantführer greifen. Seit 2014 bereichert der  „Genussführer Deutschland“ den Buchmarkt, herausgegeben vom deutschen Ableger der Slow-Food-Bewegung. Im Gegensatz zu vielen anderen Führern handelt der mittlerweile 750 Seiten starke Ratgeber empfehlenswerte Restaurants und Gasthöfe nicht einfach stichwortartig ab oder listet sie gar nur alphabetisch auf. Vielmehr widmet der Genussführer jedem Betrieb eine ganze Seite.

Fast 550 Betriebe werden ausführlich beschrieben. Mittlerweile deckt der Führer auch einigermaßen die ganze Republik ab. Obwohl es hier und da noch immer weiße Flecken gibt und wir uns bei der Lektüre fragen: Ist dort gastronomisches Niemandsland? erfreulicherweise finden sich gleichzeitig immer mehr Tipps in den neuen Bundesländern.

Auch ein belegtes Brot kann super schmecken

Noch immer fällt auf, dass die Zahl der Tipps von Nord nach Süd und von Ost nach West wächst. Das allerdings kann jeder kulinarisch Interessierte bestätigen, der viel in Deutschland reist. Trotzdem finden die Kritiker von Slow Food immer wieder neue Perlen der Gastronomie, die den strengen Prinzipien der weltweiten Bewegung genügen. Wirtschaften wie den urige Dorfwirt in Unterammergau, der auf hohem Niveau und ohne Schnickschnack kocht. Empfohlen wird dort beispielsweise Leber vom Mangalitza-Schwein mit Karamelläpfeln. Oder die historische Reetdachkate Wilhelm Andresen in Tönning an der Nordsee. Spezialität: belegte Schwarzbrote, mit Krabben, Lammsalami oder Schafskäse.

Alle gelisteten Betriebe verarbeiten vorwiegend heimische Produkte und schonen damit Ressourcen. Sie passen ihre Speisekarten den Jahreszeiten an, verzichten auf Chemie und Geschmacksverstärker. Klingt nach fader Ökoküche? Von wegen: Wenn Brigitte Idler vom Lamm in Stuttgart-Feuerbach im November mehrere Wochen lang Gänsebraten auf die Karte setzt, reservieren die Fans des knusprigen Federviehs Monate im voraus. Der Schwanen in Neckartailfingen etwa serviert für 23,90 Euro einen saftigen Zwiebelrostbraten vom Hohenloher Weiderind. Wer den genießen durfte, lässt die vielen zähen Lederlappen zu kurz abgehängter Rinder zurückgehen, die uns so häufig zum Schnäppchenpreis serviert werden.

Qualität hat ihren Preis. Trotzdem finden sich in diesem Führer viele preiswerte Restaurants. Selten in der Stadt, oft etwas abgelegen auf dem Land. Weil dort häufig mit mehr Liebe, mit frischen Kräutern und mit Rücksicht auf die Natur gekocht wird. Weil dort Fleisch noch langsam geschmort anstatt platt geklopft und zu schnellen Schnitzeln verarbeitet wird.

Hier eine kleine Auswahl empfehlenswerter Resatuarnts in den größeren Städten:

München: Klinglwirt, Der Pschorr, Sir Tobi
Stuttgart: Lamm (Feuerbach), Speisekammer West
Nürnberg: Steichele
Frankfurt: Laube, Liebe, Hoffnung
Wiesbaden: Domäne Mechtildshausen
Köln: Johann Schäfer Brauhaus, Restaurant Willomitzer
Düsseldorf: Meuser 1853 im alten Bierhause
Essen: Lecker werden
Hannover: 11A - Küche mit Garten, Schönemann
Dresden: Genuss-Atelier, Restaurant Hierschönessen
Berlin: Braugasthaus Doldenmädel, Herz & Niere, Speisewirtschaft (Kreuzberg)
Hamburg: Restaurant Fuh, Kleinhuis

Dieses Buch leitet zu Betrieben, die wir so auf unseren vielen Geschäftsreisen quer durch die Republik wohl nie angesteuert hätten. Oft nur wenige Kilometer weg von der Autobahn mit ihrer austauschbaren Fertiggastronomie. Genau das macht dieses Buch so unverzichtbar: Vielfalt bereichert unseren Alltag. Schade nur, dass es den Führer noch nicht als App gibt.

Slow Food Genussführer Deutschland 2019/20
752 Seiten, gebunden
erschienen im Oekom Verlag
Preis: 28,00 Euro

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