Test Ford Transit Connect 1.5 Ecoblue

Frischer Kölner Kasten

Foto: Thomas Küppers 14 Bilder

Ohne viel Tamtam hat Ford seine kompakten Lieferwagen überarbeitet. Wir sind den aktualisierten Transit Connect mit neuem Dieselmotor und Automatikgetriebe schon gefahren.

Die Klasse der kleinen und kompakten Transporter ist besonders hart umkämpft. Der PSA-Konzern hat jüngst auf der IAA seine neuen Modelle Citroën Berlingo und Peugeot Partner vorgestellt, und auch Opel präsentierte auf der gleichen Basis den neuen Combo. VW hält seit Jahren seinen Caddy aktuell und damit oben in der deutschen Zulassungsstatistik. Nur Renault Kangoo und Mercedes Citan wirken da schon etwas in die Jahre gekommen. Für ein Nutzfahrzeug sind die fünf Jahre, die es den Ford Transit Connect der zweiten Generation inzwischen gibt, gerade einmal Halbzeit.

Die Umstellung auf die aktuelle Verbrauchsnorm WLTP nutzte Ford für eine umfassende Überarbeitung. Von außen fällt das erst einmal kaum auf. Die Bugpartie greift nun mit Kühlergrill und Tagfahrleuchten das Design von Fiesta und Focus auf, am Blech hat sich allerdings nichts geändert. Folglich bleiben auch die Abmessungen gleich. Nach wie vor bietet Ford zwei verschiedene Karosserien. Die kürzere misst 4,42 Meter, die von uns getestete Version L2 ist 40 Zentimeter länger. Damit bewegt sich der Transit Connect mitten im Konkurrenzumfeld von Caddy und Co und kommt bis auf 15 Zentimeter an den kurzen Transit Custom heran.

Foto: Thomas Küppers

Alle Motoren erfüllen Euro 6d-Temp

Größter Unterschied zu jenem ist die technische Basis. Nach wie vor basiert der Transit Connect auf der Plattform des letzten Ford Focus. Einzig hinten spart eine einfache Verbundlenkerachse Platz und Gewicht. Und da die bisherigen Motoren nicht mehr für die aktuellste Abgasnorm Euro 6d-Temp taugten, gibt es neue Aggregate. Der Einliter-Dreizylinder-Benziner schafft die neue Norm dank einem Ottopartikelfilter gegen Feinstaub. Falls der kleine 100-PS-Motor mal nur im Teillastbereich läuft, schaltet er zudem einen Zylinder ab. Das soll Sprit sparen.

Noch besser kann Letzteres naturgemäß ein Diesel. Ford bringt den aus den Pkw bekannten 1,5-Liter-Motor mit der Bezeichnung Ecoblue in den Kastenwagen. Er reinigt seine Abgase mittels SCR-Katalysator, der Adblue-Nachfüllstutzen liegt leicht zugänglich hinter der Tankklappe. Der Kunde hat die Wahl zwischen 100 und 120 PS Leistung. Beide Varianten kommen serienmäßig mit Sechsgang-Schaltung. Während der Vorgänger als Alternative noch ein Doppelkupplungsgetriebe bot, ist künftig eine Achtstufen-Automatik im Programm. Eine ähnlich komfortable Lösung bietet in diesem Segment sonst nur PSA an.

Leiser Diesel, flinke Automatik

Unser Testwagen war mit dem schwächeren Diesel samt Automatikgetriebe ausgerüstet. Dem Motor ist seine Pkw-Herkunft deutlich anzumerken, er läuft kultiviert und recht leise. Die Automatik findet stets den passenden und sparsamsten Gang und reagiert zügig, wenn es mal schneller voran gehen soll. Daran hindert am Ende nur der Motor, der mit dem beladen knapp 2,3-Tonnen schweren Kasten gut zu tun hat. Wahrscheinlich auch deshalb bietet Ford diese Kombination nicht in einer Variante mit mehr Nutzlast an. Aller Ehren wert ist dagegen das Sparpotenzial des kleinen Diesels. Auf unserer Testrunde unterbot er seinen nach neuer Norm ermittelten Verbrauch von 6,8 Litern um beinahe einen halben Liter. Im gesamten Test mit beladenem Laderaum und auf anspruchsvollen Strecken über die schwäbische Alb waren es am Ende immer noch unter sieben Liter im Schnitt.

Auf kurvigen Strecken ist die Pkw-Abstammung klar zu spüren. Die Lenkung ist Transporter-typisch leichtgängig und dabei erstaunlich präzise, das Fahrwerk komfortabel. Die weiche Dämpfung lässt den Transit Connect auf langen Wellen nachschwingen. Geht man eine Kurve mal zu schnell an, ist gleich das vorsichtige ESP zur Stelle. Ford legt beim Transporter eher auf Sicherheit denn auf Fahrspaß wert.

Ford Transit Connect 2019 Foto: Thomas Küppers
Angenehm für den Fahrer ist das auf Wunsch lieferbare topaktuelle Infotainmentsystem.

Auf Wunsch viele Assistenzsysteme

Daher auch das reichhaltige Angebot an Assistenzsystemen. Serienmäßig ist allerdings nicht einmal der empfehlenswerte Notbremsassistent, der auch Fußgänger erkennt. Er steht mit mindestens 200 Euro in der Preisliste (alle Preise Netto). Für 750 Euro gibt es einen harmonisch regelnden Abstandstempomaten, der den Fahrern manches Bußgeld ersparen kann. Das selbst ein Beifahrerairbag 200 Euro Aufpreis kostet, ist in dieser Klasse zwar üblich, bei serienmäßigen zwei Sitzen aber nicht nachvollziehbar. Überhaupt zeigt sich Ford in der Basis Transporter-typisch knausrig: Eine Schiebetür kostet grundsätzlich 270 Euro Aufpreis, erst die bessere Ausstattung Trend kommt serienmäßig mit rechter Öffnungsmöglichkeit, auf Wunsch werden zwei daraus. Überhaupt sind die 2.000 Euro in die Trend-Ausstattung gut investiert. So gehören dann Klimaanlage, Radio, ein Laderaumschutzboden aus Kunststoff, eine beheizbare Windschutzscheibe zum Lieferumfang.

So wird aus dem Ford ein komfortabler Lieferwagen, der mit dem immer verbauten elektrischen Zuheizer auch an kalten Tagen schon nach zwei Minuten den Innenraum wärmt. Die Passagiere nehmen dabei auf bequemen Sitzen Platz und haben genug Bewegungsfreiheit. Zumindest solange nicht ein dritter Sitz in der Mitte an Bord ist, doch das Problem teilen sich in dieser Klasse alle Transporter. Endlich zeitgemäß ist die Navigation für 1.220 Euro mit der aktuellsten Gerätegeneration Sync 3, die auf Fingerdruck reagiert und Ziele auch per Freitexteingabe findet. Für den Fuhrparkleiter bietet Ford gegen 220 Euro Aufpreis die Möglichkeit, aktuelle Fahrzeugdaten abzurufen.

Ford Transit Connect 2018 Foto: Thomas Küppers
Im Laderaum gibt’s nichts Neues, der Kunststoffboden ist erst ab Trend Serie.

Hinter den Vordersitzen tut sich eine große Ladefläche auf, die über die serienmäßig geteilte Heck- und eine breite Schiebetüre erreichbar ist. Durch sie passen sogar Europaletten. Insgesamt packt die Langversion so unverändert 3.600 Liter unters Dach. Für besonders lange Gegenstände gibt es eine Durchladeeinrichtung unter dem Beifahrersitz. Gegenüber den Langversionen der Konkurrenz ist das etwas wenig, ein Caddy Maxi schluckt bei etwa gleicher Außenlänge 600 Liter mehr. Zumindest mit Automatikgetriebe ist auch die Nutzlast beschränkt, maximal 618 Kilogramm sind erlaubt. Mit Schaltgetriebe oder dem stärkeren Diesel werden daraus dann fast 800 Kilogramm.

Citroën Berlingo im Fahrbericht
Watteweich und wohnlich

Lange Wartungsintervalle beim Diesel

Der Laderaum ist immerhin gut nutzbar, und auch sonst will es Ford Gewerbetreibenden Recht machen. Der Benziner muss nur noch alle zwei Jahre zur Wartung, unverändert blieb die Distanz von 30.000 Kilometern. Beim Diesel stieg das Intervall hingegen auf 40.000 Kilometer, ein ungewöhnlich guter Wert. Allerdings gilt der nur in Verbindung mit Schaltgetriebe, Automatikmodelle müssen jährlich oder alle 20.000 Kilometer zum Ölwechsel. Auch in der Anschaffung ist das moderne Getriebe kostspieliger, 1.400 Euro verlangt Ford für das Mehr an Fahrkomfort.

Mit der Modellpflege wurde der Transit Custom minimal teurer, die Preise starten jetzt bei 15.710 Euro für den Benziner mit kurzem Radstand. Die Langversion kostet knapp 1.500 Euro mehr. Unser Testwagenpreis samt umfangreicher Ausstattung und Automatik lag bei 27.750 Euro. Bei den ausgewiesenen Betriebskosten kann ein Schaltgetriebe dank der besseren Wartungsintervalle noch den ein oder anderen Cent sparen.

Technische Daten
Ford Transit Connect 210 L2 1.5 Ecoblue
Motor und Kraftübertragung
Leistung 100 PS (74 kW) bei 3600 U/min.
max. Drehmoment 270 Nm bei 1750 U/min.
Antriebsart Vorderrad
Getriebe 8-Gang Automatik
Schadstoffeinstufung Euro 6d-Temp
CO2-Ausstoß 180 WLTP g/km
Kraftstoff Diesel
Preis
Nettopreis 22.570,- €
Abmessungen und Gewichte
Radstand 2662 mm
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4418 × 1835 × 1854 mm
Zuladung 618 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 2295 kg
Testwagenbereifung
Reifen (vorne/hinten) 205/60 R 16 / 205/60 R 16
Verbrauch
Verbrauch 6.80 l/100 km
VerbrauchWLTP 6.80 l/100 km
Betriebskosten
15.000 km/96 Monate 30.000 km/60 Monate
Basisdaten
Preis ohne Mehrwertsteuer 22.570,- € 22.570,- €
Betriebsnotwendiges Kapital 15.079,- € 15.536,- €
Teuerung Fahrzeugpreis 6.021,- € 3.595,- €
Feste Kosten (€/Jahr)
Kapitalverzinsung 1.267 1.305
Abschreibung 1.267 1.305
Kfz-Steuer 138 138
Haftpflichtversicherung 983 983
Kaskoversicherung 532 532
Unterstellung/Garage 564 564
Summe feste Kosten (€/Jahr) 6.162 7.199
Summe feste Kosten (ct/km) 41,1 24,0
Variable Kosten (ct/km)
Kraftstoff 6,2 6,2
Reifen 1,4 1,4
Wartung/Reparatur/Pflege 18,4 9,6
Summe variable Kosten 26,0 17,2
Gesamtkosten
Gesamtkosten (ct/km) 67,0 41,2
Quellenangabe Betriebskosten
Quellenangabe Dekra Dekra
Zeitpunkt der Datenberechnung 10/2018 10/2018
Versicherungshinweis Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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