Test Transporter-Reifen

Die besten für die Sprinter-Klasse

VW Crafter, MAN TGE Foto: Ingolf Pompe 7 Bilder

Mercedes Sprinter, VW Crafter und MAN TGE rollen auf Rädern der Größe 235/60 R 17 C. Der Vergleichstest sagt, mit welchem Reifen die Transporter am besten fahren.

Größer, schwerer, träger. Dieses Naturgesetz gilt auch bei Transportern, speziell, wenn sie voll beladen sind. Trainierte Fahrer beherrschen die schwere Fuhre, doch die Grenzen der Physik können auch sie nicht aushebeln. Mit richtig guten ­Reifen lässt sich der Grenzbereich aber um ein paar km/h weiter herausschieben.

Denn wir wissen: Gegen Massenträgheit in Längsrichtung helfen Motorleistung und Drehmoment. Um die beschleunigten Massen wieder einzufangen, sind leistungsstarke und zuverlässige Bremsen Pflicht. Wer die dynamischen Massen hingegen flott und sicher um die Kurve bringen will, um sich etwa durch Ausweichen schnell auf die freie Spur zu retten, braucht Reifen, die da mitspielen. Hier sind bei gleichem Abrollumfang breite und größere Räder im Vorteil. Nicht umsonst werden die neuen Mercedes-Sprinter-Modelle wie auch VW Crafter und der nahezu baugleiche MAN TGE gerne mit solchen Größen angeboten.

MAN TGE Foto: Ingolf Pompe
MAN TGE

Zusammen mit einem ausgeklügelten Fahrwerk, einer präzise unterstützenden Lenkung und einer individuell anpassbaren Ergonomie lassen sich diese 3,5-Tonnen-Schwergewichte beinahe so leicht und so entspannt fahren wie ein kompakter Personenwagen. Und damit das so bleibt, soll auch der Reifen diesen hohen Ansprüchen genügen.

Foto: Firmenauto

Doch welcher kann’s am besten? Um das herauszufinden, lassen wir alle zum Testzeitpunkt verfügbaren Sommermodelle gegeneinander antreten. Alle? Ja! Das Angebot in dieser Größe ist tatsächlich recht überschaubar. Als Sommerreifen waren zum Testzeitpunkt lediglich passende Reifen von Continental, Michelin, Nankang, Nokian, Pirelli und Toyo verfügbar, vom Letzteren der brandneue Nano Energy Van.

Neben diesen reinen Sommerreifen ist noch der Ganzjahresreifen Conti Van-Contact 4Season verfügbar. Er kann, wenn auch mit gewissen Nachteilen, uneingeschränkt im Sommer gefahren werden. Und natürlich ebenso im Winter, dafür steht das Schneeflockensymbol. Wegen dieser Allroundfähigkeiten sind Ganzjahresreifen bei Transportunternehmen oder Kurieren sehr beliebt. Sie alle wollen sich Umrüst- und Lagergebühren sparen.

Zum Vergleich fährt ein Ganzjahresreifen mit

Oder sind die echten Sommerreifen möglicherweise doch besser? Und falls ja, welcher ist erste Wahl für Fuhrparkbetreiber? Der preisgünstige Nankang jedenfalls definitiv nicht: Während er sich auf trockener Straße zwar mit recht trägem Ansprechverhalten auf Lenkbefehle, aber überzeugenden Komforteigenschaften noch behaupten kann, mag sich sein Gummi mit nassem Asphalt so gar nicht verzahnen. Beim Bremsen und in Kurven rutscht der TGE fröhlich über die Vorderachse dahin. Während die besten Reifen den Wagen aus Tempo 80 schon nach kurzen 40 Metern stoppen, kommt der Nankang-bereifte Wagen erst nach rund 60 Metern zum Stehen. 20 Meter später, die im Zweifel einen schweren Auffahrunfall bedeuten. So vergeben wir dem chinesischen Billigreifen also "mangelhaft" wegen massiver Sicherheitsdefizite.

Oder kann sich der neue Toyo Nano Energy Van die Kaufempfehlung schnappen? Den konnten wir wegen der hohen Nachfrage für diesen Test nur mit dem kleineren Lastindex von 109 bekommen. Das entspricht einer möglichen Achslast von 2.060 kg. Auch eher nicht. An der geringeren Tragfähigkeit liegt es aber nicht. Zwar kann der Rest des Feldes bis Lastindex 117 – das entspricht einer Achslast von bis zu 2.570 Kilogramm – belastet werden, im Test kam jedoch ein 3,5-Tonner zum Einsatz. Da ist die leichtere Reifenvariante allemal ausreichend. Nässe meistert der Toyo homogen mit zufriedenstellenden Ergebnissen, beim Bremsen auf nasser Straße kommt er aber wie der Michelin rund acht Meter hinter den Spitzenprodukten zum Stehen. Das ist schwach.

Auf trockenem Asphalt lenkt der Crafter auf Toyo-Reifen zwar etwas behäbig an, Sicherheitsbedenken gibt es hier aber keine. Zumal sich der Toyo durch gute Verzögerungswerte den dritten Platz in der Bremsdisziplin sichert und nur einen Meter schwächer bremst als das Spitzenprodukt: Platz fünf.

VW Crafter Foto: Ingolf Pompe
Vollbremsung aus 80 km/h auf nasser Piste: Die Unterschiede sind riesig. Mit den Reifen von Nankang steht der Wagen 20 Meter später als mit den Conti-Reifen.

Platz vier in der Gesamtwertung gehört dem Michelin: Bei adäquaten Leistungen auf trockener Piste und sicheren Handlingeigenschaften auf nasser Bahn patzt der nun doch etwas betagte Agilis Plus bei Nassbremsen und Seitenführung. Das reicht mit einer Endnote von 7,7 nur für ein "befriedigend".

Uneingeschränkt empfehlenswert hingegen: der Pirelli Carrier. Mit kurzen Bremswegen, nass wie trocken, überragender Aquaplaningsicherheit und gutem Abrollkomfort sichert er sich den dritten Platz. Als Malus vermerken wir den vergleichsweise hohen Rollwiderstand.

Der Nokian gilt als Nässespezialist, überrascht aber auf trockener Straße

Überragend und ungeschlagen auf trockener Strecke: der Nokian C-Line Cargo. Kürzeste Bremswege, die zweitschnellste Handlingzeit, direkte, fast sportive Lenkreaktionen und eine sehr hohe Fahrstabilität beim Spurwechselversuch lassen keine Wünsche offen. Kleiner Makel auf Nässe: das Längsaquaplaning. Hinzu kommt der vergleichsweise hohe Rollwiderstand. Platz zwei.

Und Platz eins? Den sichert sich der ­Continental Van-Contact 200. Er kommt zwar nicht an die Trockendynamik des Nokian heran. Dafür ist er in den Bremswegen trocken wie nass auf demselben Niveau und glänzt mit sehr sicherem Nasshandling und ordentlicher Aquaplaningprophylaxe. Und: Conti schafft es, diese Leistung mit minimalem Rollwiderstand zu kombinieren.Und was kann der Allwetterreifen? Erwartungsgemäß bietet er insgesamt sehr gute Leistungen. Dazu zählen kurze Bremswege bei Nässe und ordentliche Kurvendynamik auch im Trockenen. So sollte der Van-Contact 4Season von Conti für budgetbewusste

Unternehmen eine Überlegung wert sein, sofern ihre Transporter nicht in schnee­reichen Regionen unterwegs sind. Unter sommerlichen Bedingungen kann er sich mit den Sommerreifen messen. Mit einer Ausnahme: Bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 auf trockenem Asphalt kann er nicht mithalten. Bedingt durch die für akzeptable Winter­eigenschaften notwendigen feinen Einschnitte in den Profilblöcken zeigt sich der Unterschied. Die so fehlende Längssteifigkeit des Profils kostet Grip beim Bremsen, der Bremsweg wird zu lang für einen Sommerreifen und zu lang für die Pkw-artige Fahrdynamik moderner Transporter. Gemittelt fünf bis sechs Meter mehr Bremsweg – fast eine Fahrzeuglänge – sind ein hoher Preis für die Bequemlichkeit, auf den Reifenwechsel zu verzichten.

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