Wacker Chemie

Mit dem Rad zur Kantine

Foto_1_WAcker_Chemie_AG Foto: Georg Willmerdinger

Im Werk Burghausen der Wacker Chemie erhalten Mitarbeiter bereits seit 1948 ihr eigenes Werksfahrrad. Mittlerweile gehören aber auch geleaste E-Bikes und Flurförderfahrzeuge mit Elektroantrieb zum Mobilitätskonzept des Unternehmens.

Der Standort Burghausen der Wacker Chemie ist 2,3 Quadratkilometer groß. Das entspricht in etwa der Fläche der Altstadt von München. Daher ist es bei dem Chemiekonzern bereits seit 1948 Usus, dass die Mitarbeiter die langen Strecken mit Dienstfahr­rädern zurücklegen. "Wer im Norden des Geländes arbeitet und zu einer Besprechung oder mittags in die Kantine im Süden will, muss seine Arbeitszeit nicht mit langen Fußmärschen verbringen", sagt Silvia Pfeifer, PR-Managerin bei der Wacker Chemie AG. Ihr Rad hat die Erkennungsnummer 2012.

Gut 70 Jahre nach dem Start des Zweirad-Engagements in der innerbetrieblichen Mobilität fahren 6.000 der mehr als 8.000 im bayerischen Burghausen beschäftigten Wacker-Mitarbeiter mit ihrem Werksrad übers Betriebsgelände. Die übrigen nutzen ihr Privatrad oder arbeiten nahe an einem Werkstor, sodass sie keinen Bedarf haben. Je nach Zustand – einige Stellplätze sind überdacht, andere unter freiem Himmel – werden die Räder regelmäßig gewartet. Für alle Belange ist die zentrale Ser­vicestelle für Diensträder zuständig, die der 76 Mann starken Wacker-Werksfeuerwehr angegliedert ist. Zwei Mitarbeiter sind eigens für die Räder abgestellt. Sie kümmern sich um Beschaffung, Organisation, jährliche Wartung und Reparatur in der eigenen Fahrradwerkstatt. Und sie sorgen dafür, dass die Fahr­räder immer verkehrstauglich sind.

Die organisatorische Abwicklung läuft dabei vollständig über ein elektronisches Verwaltungssystem, inklusive automatischer E-Mail-Erinnerung, sobald ein repariertes Fahrrad fertig ist. In der Zeit, in der das eigene Rad in der Werkstatt ist, etwa für den Frühjahrscheck, erhält der Mitarbeiter ein Leihrad.

"Das komplette Mobilitätskonzept ist uns in Sachen Nachhaltigkeit sehr wichtig. Der Klimaschutz spielt nicht nur in der Produktion eine Rolle, sondern auch bei der Verkehrslast am Standort", begründet Pfeifer das Engagement von Wacker, die Zahl der Pkw um und auf dem Firmengelände zu reduzieren. Dazu gehöre beispielsweise auch, dass alle Mitarbeiter über Jobrad hochwertige Fahrräder oder Pedelecs zu günstigen Konditionen für den Privatgebrauch leasen ­könnten. Die Raten bezahlen sie über eine Gehaltsumwandlung, üblicherweise 36 Monate lang. Mittlerweile sind bei dem Chemieunternehmen fast 900 geleaste Räder im Einsatz.

Fahrrad Werkstatt Foto: Achim Zeller
Fahrradwerkstatt der Wacker Chemie.

Mit elektrifizierten Fahrzeugen will Wacker den CO2-Ausstoß reduzieren

Ein geleastes Privat-Pedelec kann motivieren, zur Arbeit zu radeln – ganz im Sinne der bundesweiten Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit", die die AOK seit vielen Jahren organisiert. Registrierte Teilnehmer, die zwischen Mai und August an mindestens 20 Tagen zur Arbeitsstelle radeln, können dabei Preise gewinnen. Wacker hat durch zusätzliche Preise wie etwa Mountainbikes weitere Anreize für seine Mitarbeiter geschaffen, möglichst oft das Auto gegen das Fahrrad zu tauschen. "Rund 700 Mitarbeiter haben im letzten Jahr an der AOK-Aktion teilgenommen", bilanziert Pfeifer, die davon ausgeht, dass auch in dieser Fahrradsaison wieder viele Mitarbeiter mit dem Rad zur Arbeit kommen werden, mit oder ohne Registrierung bei der AOK.

Fast genauso alt wie die Werksräder ist die Tradition des Busverkehrs. Mehr als 3.500 Mitarbeiter besitzen Jahreskarten und nutzen eine der 56 Pendlerlinien, die im Umkreis von 50 Kilometern Mitarbeiter aufpicken und das Werk Tag und Nacht ansteuern. Gerade für Schichtmitarbeiter bedeutet der Busservice nicht nur eine umweltfreundliche, sondern auch eine sichere Art, zur Arbeit zu kommen.

"Bei allen Mobilitätsthemen achten wir sehr auf den Aspekt Verkehrssicherheit", berichtet Pfeifer und zählt diverse Informationsver­anstaltungen und Sicherheitsaktionen auf. Wacker-Mitarbeiter können etwa aktionsbezogen mit ihrem Werksausweis bei regionalen Händlern günstig Fahrradhelme kaufen. Oder mit einem Fahrsimulator im Rahmen der bundesweiten Aktion "Be Smart" testen, wie sehr das Handy am Ohr die Reaktionsfähigkeit beim Autofahren beeinträchtigt.

"Außerdem setzen wir im innerbetrieblichen Werkstransport verstärkt auf E-Mobilität und Hybridfahrzeuge, um die Verkehrslast und den CO2-Ausstoß zu reduzieren", sagt Pfeifer. Schon jetzt fahren zwei Drittel der Flurförderfahrzeuge wie Hubwagen, Stapler und Zugmaschinen mit Elektroantrieb. Wacker prüfe zudem laufend neue Optionen, etwa kleinere Elektrofahrzeuge für den Lastentransport auf dem Werksgelände einzusetzen. Weitere Neue­rungen würden derzeit in einem Mobilitätskonzept entwickelt.

Anleitung Fahrrad-Transport
So geht´s mit dem Fahrradträger

Alternativ mobil auf dem Werksgelände

Man braucht nicht unbedingt ein Fahrrad, um auf einem großen Werksgelände und in Hallen schnell unterwegs zu sein.

Segway
Elektrisch angetriebenes, selbst balancierendes Zweirad, das der Fahrer über Gewichtsverlagerung steuert.
Vorteile: Wendig; vielseitig einsetzbar, auch in Gebäuden; mit Aufsätzen zum Warentransport geeignet
Nachteile: Lediglich kleinere Ladungen können transportiert werden; hoher Anschaffungspreis

Segway Foto: fouquin
Segway.

E-Scooter
Elektrisch angetriebener Roller.
Vorteile: Wendig; handlich zu transportieren (meist klappbar); ab circa 20 Kilometer Reichweite, Tendenz steigend
Nachteile: Vergleichsweise schwer; Konfliktpotenzial bezüglich anderer Verkehrsteilnehmer

E-Scooter Fahrer Foto: Vladimir Poplavskis
E-Scooter.

Lastenrad
Ein- oder zweispurige Räder mit Transportkiste vorn oder hinten; auch mit Elektromotor erhältlich.
Vorteile: Für schweres/großes Transportgut geeignet; mit zwei Spuren/drei Rädern hohe Stabilität; leicht zu beladen
Nachteile: Schwer manövrierbar; erfordert geübte Fahrer

Lastenrad UPS Foto: UPS
Lastenrad.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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