Alles über Elektroautos im Praxistest
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Fahrbericht BMW i3: BMW stellt Elektromobilität auf den Kopf

BMW geht in die Elektro-Offensive: Konsequenter Leichtbau drückt beim BMW i3 das Gewicht und sorgt für eine höhere Reichweite.

Gleichzeitig geht der kompakte Stromer in Sachen Sportlichkeit wenig Kompromisse ein. Taugt der elektrifizierte Bayer für den Fuhrpark? FIRMENAUTO konnte sich schon einmal vorab von der Agilität des i3 ausgiebig überzeugen.

Zum Herbst dieses Jahres werden sich wohl eine Menge Hersteller von Elektroautos richtig warm anziehen müssen. Nicht nur, weil die Temperaturen turnusgemäß wieder in den Keller sinken, sondern besonders weil BMW mit dem i3 ein neues Elektro-Zeitalter einläutet. Das erste E-Serienmodell der Münchener kommt im November mit völlig neuen Raffinessen in den Handel und bleibt mit einem Netto-Einstiegspreis von nur 29.370 Euro erschwinglich. Damit dürfte auch so manch energiebewusster Fuhrparkleiter ein Auge auf den bayerischen Stromer werfen. Es könnte sich lohnen.

Kohlefaser und Aluminium drücken massiv das Gewicht

Dass der nur vier Meter kurze i3 völlig neue Ansätze verfolgt, beweist schon ein detaillierter Blick auf seine tropfenförmige Karosserie. Um die Effizienz des von Grund auf als Elektrofahrzeug konzipierten Viersitzers zu steigern besteht sie aus besonders leichtem Karbon (CFK). Damit ist er der das erste Großserienfahrzeug welches aus dem hochfesten Kohlefaserverbund-Werksstoff gefertigt ist. während das Chassis weitgehend aus Aluminium besteht.

Gegenüber anderen kompakten Elektroautos mit Stahlkarosse spart das rund 300 Kilogramm an Gewicht und kompensiert die Last der immerhin 230 Kilo schweren Lithium-Ionen Akkus. Das aus 96 Zellen bestehende Speicher-Depot verfügt über eine Kapazität von 22 kWh und ist im Fahrzeugboden glattflächig verteilt. Das schafft trotz geringer Abmessungen viel Platz für die Passagiere, zum anderen senkt die Bauweise den Schwerpunkt des Fahrzeugs erheblich. Was letztendlich der Agilität dient.

Der BMW i3 steht in Saft und Kraft

Davon hat der i3 mehr als genug. Unser noch leicht getarnte Stromer sprintet los als gäbe es kein Morgen. Der 170 PS starke Elektromotor auf der Hinterachse surrt leise im Heck, macht aber mit Nachdruck klar, dass jederzeit kraftvolle 250 Newtonmeter abrufbar sind. Und das schon ab der ersten Umdrehung der E-Maschine. Beim flotten Ampelstart zeigt er so manch regulär betriebenen Kompakt-Sportler locker seine (noch abgeklebten) Rücklichter, sprintet innerhalb von 3,7 Sekunden auf Tempo 60 und knackt die 100er Marke bei durchaus glaubhaften 7,2 Sekunden. Eindrucksvoll. Bei 150 km/h ist hingegen schon Schluss mit der Beschleunigungsorgie. Dann schiebt die Elektronik zu Gunsten von Reichweite und zum Schutz der Antriebskomponenten einen Riegel vor.

Elektroauto und Fahrspaß bilden eine homogene Einheit

Was aber neben seinen Spurttalenten erheblich mehr besticht, ist seine Handlichkeit. Nicht nur, dass er sich mit einem Wendekreis von unter zehn Metern als ideales Stadtfahrzeug anpreist, der i3 legt für ein Elektroauto ein sehr dynamisches Fahrverhalten an den Tag. Wir haben es auf einem eigens hierfür abgesteckten Testgelände in der Nähe von München ausprobiert. Mit dem Ergebnis: Egal ob beim beherzten Ritt über den Slalom-Parcours oder beim Wedeln durch die Ausweichgassen, gibt sich der fahrfertig nur 1.270 Kilo schwere i3 unbeeindruckt, folgt überaus leichtfüßig seinem auferlegten Kurs. Zugleich definiert er die E-Messlatte in Sachen Agilität und legt sie für die Zukunft noch ein gewaltiges Stück nach oben. Das wird nur noch von dem ultrasportlichen Elektro-Roadster von Tesla getoppt.

Ungewöhnlich starke Energierückgewinnung

Natürlich geht eine forsche Gangart ziemlich gründlich zu Lasten einer hohen Reichweite. Die gibt BMW bei schonender Fahrweise mit durchschnittlich 190 Kilometern an. Deshalb rekuperiert der i3 bereits schon im normalen Fahrbetrieb übermäßig frühzeitig und stark, um möglichst viel Energie wieder zurückzugewinnen.

So stark, dass der Stromer schon bei der geringsten Gaswegnahme heftig verzögert. Aus diesem Grund flackern auch zur Sicherheit prophylaktisch die i3-Bremsleuchten auf, um dicht auffahrende Hintermänner zu warnen. Hat man sich aber an diese Eigenart erst einmal gewöhnt, funktioniert das in der Praxis prima. Bei vorausschauender Fahrweise hat das reguläre Bremspedal sogar die meiste Zeit Pause und wird fast ausschließlich nur noch benötigt, um mit dem i3 beispielsweise an einer roten Ampel bis zum Stillstand zu stoppen.

Recht flottes Schnelladen

Apropos Stillstand: Sollte die Kapazität der Akkus erschöpft sein, ist der i3 nach eineinhalb Stunden an der Schnell-Ladestation wieder bis zur Halskrause befüllt, 80 Prozent stehen schon nach 30 Minuten zur Verfügung. Reguläres Laden an der heimischen Haushaltssteckdose dauert dagegen wesentlich länger, fast acht Stunden. Wieder an Fahrt aufgenommen, kann der Fahrer neben einer schonenden Fahrweise über drei zusätzlich einstellbare Modi Comfort, Eco Pro und Eco Pro+ zusätzlich beeinflussen, wie weit er kommt. Wird Eco Pro+ gewählt, sollen es bis zu 200 Kilometer sein. Dann sind aber alle elektrischen Komfort-Features, wie Sitzheizung oder Klimasteuerung abgeschaltet.

Mobiler Elektro-Reservekanister über BMW Assistance Services

Besitzt der i3 zudem das optionale BMW-Navi, informiert es den Fahrer ob das geplante Ziel innerhalb der Reichweite liegt, schlägt den bestmöglichen Fahrmodus vor und zeigt öffentliche Ladestationen in der Umgebung an. Sollten dennoch die Kapazitäten erschöpft sein, kann ein BMW-Techniker gerufen werden, der mit seiner ins rollende Servicemobil integrierten Aufladeeinrichtung Strom für eine Weiterfahrt liefert. Überhaupt scheint das von den Bayern geschnürte Mobilitätspaket ziemlich durchdacht. So kann für die Langstrecke oder den Urlaub kostengünstig einen Leihwagen besorgt werden oder bietet ihren i-Kunden das Carsharing-Programm DriveNow an. Über den genauen Paket-Preis schweigt sich BMW jedoch noch aus.

Der ideale Dienstwagen ist der i3 mit Range Extender

Das alles sind nützliche und nette Hilfen in der Not, aber Flottenkunden werden wohl dann doch eher zum BMW i3 mit optional lieferbarem Range Extender greifen Sollten die Ressourcen einmal zur Neige gehen, springt ein wassergekühlter Benziner mit 650 ccm3 als Generator ein und speist die Akkus mit Strom. Zusammen mit dem auf 34 PS gedrosseltem Zweizylinder aus dem BMW-Motorroller C 650 schafft es der i3 dann auf bis zu 300 Kilometer ohne Nachladen. Das gibt wesentlich mehr Unabhängigkeit und Flexibilität und nimmt einem beim alltäglichen Termindruck die Angst mit leeren Batterien irgendwo einfach stehen zu bleiben.

Gegenläufige Türen und viel Raum auf knapp vier Metern

Wie bei einem Opel Meriva öffnen die Türen gegenläufig, allerdings ohne feststehende B-Säule. Während das Pforten-Prinzip das Entern nach vorn wesentlich erleichtern, kann der schmale Einstieg nach hinten nur mit Verrenkungen erklommen werden – selbst wenn hierfür die Vordersitze nach vorne geklappt werden. Dafür präsentiert sich das Raumangebot als insgesamt ordentlich und selbst im Fond thront man mit einer Größe von 1,85 Metern noch ausreichend bequem.

Vom restlichen Innenraum unseres Versuchsträgers wollte sich BMW noch nicht all zu viel in die Karten schauen lassen und hatte noch viele Details im Innenraum blickdicht abgedeckt. Rechts neben dem Lenkrad baut sich der dicke Wählhebel auf, der mit weiteren Bedienelementen fast schon etwas zu klobig erscheint. Hinter dem Zweispeichen-Volant sind alle relevanten Informationen, wie Tacho und Fahrzustände auf einem großen, rechteckigen Digitaldisplay zusammengefasst.

Oberhalb der Mittelkonsole steht ein weiterer, fast doppelt so großer Monitor für unter anderem für das Navi zuständig ist. Auffällig: Viele Materialien, wie etwa an den Türverkleidungen bestehen aus nachwachsenden Pflanzenfasern. Damit will BMW das Thema Nachhaltigkeit stärker hervorheben. Das neue verwendete Material wirkt allerdings gewöhnungsbedürftig und fühlt sich – einem Premium-Fahrzeug nicht würdig – ziemlich einfach an.

Die Steuerung übernimmt das iPhone, weitere Infos über die serienmäßige SIM-Karte

Über eine eigens für den i3 entwickelten App erhält der Fahrer alle aktuellen Informationen, kann schon vom Büro oder Zuhause über sein Smartphone den aktuellen Batteriezustand checken, sich freie sowie besetzte Ladestationen anzeigen lassen oder vor Fahrtantritt die Klimaanlage herunterkühlen. Genauso, wie es inzwischen bei Hybriden oder anderen Elektroautos üblich ist. Völlig neu ist hingegen die Möglichkeit, über eine fest ins Fahrzeug installierte SIM-Karte Stauwarnungen in Echtzeit abzurufen oder sogar selbst öffentliche Verkehrsmittel bei der Routenplanung mit einzubeziehen, falls diese schneller sein sollten. Auch in dieser Hinsicht geht der i3 in punkto emissionsfreie Mobilität einen weiteren Schritt voran.

Autor

Foto

BMW

Datum

22. Juli 2013
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