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Abgasskandal

Deutsche See verklagt VW

Der erste Flottenbetreiber zieht vor Gericht. Deutsche See verlangt knapp zwölf Millionen Euro Schadenersatz. Und das EU-Parlament kommt zum Schluss, dass die Politik versagt hat.

Erstmals zieht ein Flottenbetreiber wegen des Abgasskandals gegen den Volkswagen-Konzern vor Gericht. Der Großkunde Deutsche See mit einem Fahrzeugbestand von knapp 500 Autos will einen Schadenersatz in Höhe von knapp zwölf Millionen Euro erstreiten. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Nachdem Gespräche über eine gütliche Einigung mit VW gescheitert waren, hatte der größte deutsche Fischverarbeiter am Landgericht Braunschweig Klage wegen arglistiger Täuschung eingereicht. Volkswagen hat sich zu dem Verfahren bislang nicht geäußert. "Die Klage liegt uns noch nicht vor. Zu konkreten Inhalten können wir deshalb keine Aussage machen", sagt VW-Sprecher Nicolai Laude.


Deutsche See sei die Partnerschaft mit dem Volkswagen Konzern nur eingegangen, weil der Autokonzern das umweltfreundlichste, nachhaltigste Mobilitätskonzept versprochen habe, argumentiert das Unternehmen. Wir sind tief enttäuscht über VW und fühlen uns hingehalten und betrogen, sagte Egbert Miebach, Geschäftsführender Gesellschafter von Deutsche See. Nach Anfechtung der Verträge mit VW sei man jetzt entschlossen, Ansprüche auf Rückzahlung gerichtlich geltend zu machen.

VW erfülle nicht die hohen Öko-Ansprüche von Deutsche See

Deutsche See bekenne sich in allen Unternehmensbereichen zur Nachhaltigkeit. Als Marktführer mit mehr als 35.000 Kunden sei man sich der ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung zum Schutz der natürlichen Ressourcen bewusst. Einem Sprecher zufolge sucht Deutsche See nun einen Autohersteller, der diese hohen Ansprüche erfüllen und den VW-Konzern ersetzen könne.

Anders als in den USA lehnt VW es ab, Kunden in Europa finanziell zu entschädigen. Daran haben auch die Bemühungen der Politik nichts geändert. EU-Justiz- und Verbraucherkommissarin Věra Jourová hat bei einem Treffen mit VW-Konzernchef Matthias Müller gestern (Montag) in Brüssel erneut eine faire Behandlung aller vom VW-Abgasskandal betroffenen europäischer Verbraucher gefordert.

„Volkswagen hat erste Schritte unternommen, um seine Kunden besser zu informieren und dafür zu sorgen, dass betroffene Autos schnellstmöglich repariert werden. Herr Müller hat versprochen, die Kommission regelmäßig über die Fortschritte dieser Reparaturbemühungen zu unterrichten, damit diese den Prozess genau überwachen kann“, sagt Kommissarin Jourová. „Ich habe aber auch erneut darauf bestanden, dass Volkswagen den europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Sachleistung anbieten sollte. Die europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher verdienen eine faire Behandlung, und Volkswagen sollte sich bald mit dieser Frage beschäftigen. Wir haben beschlossen, unsere Gespräche in Kürze fortzusetzen.“

Inzwischen ist der Abgas-Untersuchungsausschuss des Europäischen Parlaments nach einem Jahr zu dem Ergebnis gekommen, dass die Politik komplett versagt hat. „Der Betrug hätte verhindert werden können“, sagte der niederländische Abgeordnete Gerben-Jan Gerbrandy bei der Vorstellung des Abschlussberichts. EU-Mitgliedstaaten und die EU-Kommission hätten von den Manipulationen gewusst und ihre Kontrollpflicht nicht wahrgenommen. Weder hätten sie die Hersteller gezwungen, die Betrugssoftware direkt zu entfernen noch hätten sie wirksame Strafen festgelegt.

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Datum

2. März 2017
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