Dekra-Vorstoß zu Daten

Mehr Sicherheit beim vernetzten Fahren

Foto: Dekra

Dekra will garantieren, dass die Systeme an Bord der Fahrzeuge einwandfrei funktionieren. Dafür fordert die Prüforganisation Zugriff auf die Daten.

Fahrzeuge werden zu Robotern, gesteuert durch eine Vielzahl an Systemen. Die Sicherheit solcher automatisierten Pkw und Lkw ist aber nur garantiert, wenn neutrale Dritte diese Systeme regelmäßig überprüfen können, so die Überzeugung der Prüforganisation Dekra. Dafür brauchen die neutralen Instanzen aber Zugang zu den jeweiligen Daten, den sie bisher nicht haben. Dekra hat deshalb gemeinsam mit den anderen Prüforganisationen eine Initiative auf den Weg gebracht, die das Ziel hat, Zugriff auf die sicherheits- und umweltrelevanten Daten der Fahrzeuge zu bekommen – über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg.

Kölbl: Jahrhundertchance bei der Sicherheit im Straßenverkehr

„Das vernetzte und automatisierte Fahren ist eine Jahrhundertchance bei der Sicherheit im Straßenverkehr“, erklärte Dekra-Vorstandschef Stefan Kölbl am Montag vor Journalisten in Stuttgart. Die Technik dahinter müsse jedoch einwandfrei funktionieren. Genau das müssten die unabhängigen Prüfungen sicherstellen. Die Prüforganisationen regen nun eine herstellerunabhängige Plattform an, auf der die Fahrzeugdaten treuhänderisch gespeichert und nach klar definierten Kriterien den Prüforganisationen zur Verfügung gestellt werden.

Foto: Thomas Küppers
Dekra auf Wachstumskurs: die Vorstandsmitglieder Wolfgang Linsenmaier, Stefan Kölbl, Clemens Klinke und Ivo Rauh (von links).

Der Zugriff auf solche Daten sei auch für die Unfallanalyse essenziell, verdeutlichte Dekra-Vorstandsmitglied Clemens Klinke. Er führte Fälle an, bei denen Elektrofahrzeuge in Brand geraten seien und bei denen die Minuten davor aufgrund fehlender Daten nicht rekonstruiert werden konnten – für die Dekra-Verantwortlichen ein untragbarer Zustand. „Es muss eine unabhängige Stelle geben, die entscheidet, ob das Fahrzeug oder der Fahrer den Fehler gemacht hat“, betont Klinke.

Kölbl: Hersteller und Zulieferer haben Thema erkannt

Vorstandschef Kölbl zeigt sich zuversichtlich, dass eine solche Plattform in zwei bis drei Jahren Formen annehmen kann. „Die Hersteller und Zulieferer haben das Thema erkannt“, sagt er und spricht dennoch von einer anspruchsvollen Aufgabe. Denn erst, wenn die Prüforganisationen mit der Industrie einen Schulterschluss erzielt haben, könne man konkret auf die Politik zugehen, die dann den Rahmen für eine Datenverwaltung in einer Art Trust Center schaffen kann.

Während es bei der digitalen Sicherheit also noch generelle Weichenstellungen braucht, meldet Dekra bei der analogen Sicherheit erhebliche Fortschritte. So ist das Unternehmen im klassischen Fahrzeuggeschäft im vergangenen Jahr um 5,2 Prozent gewachsen und hat beim Umsatz mit Fahrzeugprüfungen erstmals die Marke von einer Milliarde Euro geknackt. Insgesamt wies die Sparte Automotive im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro aus.

Dekra baut in China weltweit größte Prüfstelle auf

Highlights waren für Dekra hier der Einstieg ins Prüfwesen in Dänemark und Luxemburg sowie die Vorbereitungen für den Betrieb eigener Prüfstellen in China. Der Stützpunkt in Shenzhen ging nun im März in Betrieb, Peking soll im Lauf des Jahres folgen. Durch eine höhere Automatisierung können die Ingenieure 20 Fahrzeuge pro Stunde prüfen, in Deutschland sind es drei bis vier. Die Prüfstelle in Peking – die für Pkw, Lkw und Busse ausgelegt hat – hat eine Kapazität von rund 180.000 Fahrzeugen. „Dort errichten wir die größte Dekra-Station weltweit“, kündigte Kölbl an. Die Standorte betreibt Dekra als Joint-ventures, hält daran aber die Mehrheit.

Die zweitgrößte Sparte Industrial steuerte 940 Millionen Euro zum Gesamtumsatz von 3,3 Milliarden Euro bei, zugrunde liegt eine Steigerung um 4,9 Prozent. Die dritte Säule Personnel, in der Qualifizierung und Zeitarbeit gebündelt sind, setzte 735 Millionen Euro um, ein Plus von 13,1 Prozent gegenüber 2017. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist Dekra 2018 vor allem aus eigener Kraft gewachsen.

Mehr als 100 Übernahmen in 15 Jahren

Betrachtet man die vergangenen 15 Jahre, wird das hohe Tempo deutlich, das Dekra beim Wachstum an den Tag gelegt hat: Der Umsatz verdreifachte sich, das Unternehmen fasste Fuß in 30 neuen Ländern und mehr als 100 Akquisitionen wurden getätigt. Aktuell beschäftigt das Unternehmen mehr als 45.000 Mitarbeiter in rund 60 Ländern. Und im laufenden Jahr sollen noch mal 1.200 Mitarbeiter hinzukommen, kündigte Finanz- und Personalvorstand Wolfgang Linsenmaier an. „Damit wollen wir die Basis für weiteres Wachstum schaffen“, sagte er.

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