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Treten für die Arbeit

Dienstrad Foto: Jobrad

Leasing, Überlassungsvertrag und Versicherung: Was muss der Chef bei Diensträdern beachten?

Das Fahrrad ist längst zum normalen Verkehrsmittel für den Arbeitsweg geworden. Im alle zwei Jahre erstellten Fahrradmonitor des Verkehrsministeriums vom letzten Jahr gaben 36 Prozent der Befragten an, das Rad zum Pendeln zu nutzen. Rund zwei Drittel davon wiederum kommen sogar regelmäßig und bei jeder Jahreszeit mit dem Fahrrad zur Arbeit. Da liegt es nahe, dass diese Mitarbeiter schon privat ein gutes Fahrrad besitzen und auch für den Arbeitsweg nutzen. Unter jenen, die das Fahrrad nicht zum Pendeln nutzen, kann sich aber immerhin fast jeder Zweite vorstellen, das zukünftig zu tun. Und hier hat bestimmt nicht jeder schon ein passendes Fahrrad in der Garage.

Jetzt meinen Sie, dass der Arbeitsweg doch Privatsache sei? Das stimmt natürlich, aber radelnde Mitarbeiter sind seltener krank und generell fitter, bringen dem Unternehmen durch weniger Ausfallzeiten also Vorteile. Vor allem Jüngere und formal Höhergebildete lassen sich eher auf das Fahrrad ein. Durch die breite Verfügbarkeit von Elektrofahrrädern schwingen sich jedoch inzwischen alle Altersschichten in den Sattel. Hier bieten sich den Unternehmen also Motivationsmöglichkeiten, die in Zeiten von steigendem Fachkräftemangel von Personalabteilungen gern genutzt werden.

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Auch der Gesetzgeber tut das Seine, um es Arbeitgebern zu erleichtern, dem Mitarbeiter ein Fahrrad zu überlassen. Dabei gibt es unterschiedliche Regeln für verschiedene Szenarien. Übernimmt der Arbeitgeber die Finanzierungskosten zusätzlich zum vereinbarten Arbeitslohn, muss der Mitarbeiter keinen geldwerten Vorteil versteuern. Diese Lösung ist also für den Mitarbeiter am attraktivsten, verursacht allerdings zusätzliche Kosten im Fuhrpark. Am beliebtesten ist daher die Finanzierung über eine Bruttogehaltsumwandlung. Alle Anbieter (Übersicht siehe rechts) bieten dieses Modell an. Hierbei entscheidet sich der Mitarbeiter dafür, einen Teil seines Gehalts in einen Sachbezug umzuwandeln. Die Leasingrate oder ein Teil davon wird also vom Bruttogehalt einbehalten, der Dienstradler muss zudem 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern. Diese Regelung gilt ebenso erst seit diesem Jahr und ist vorerst ähnlich wie bei E-Autos und Plug-in Hybriden bis Ende 2021 begrenzt.

Kein geldwerter Vorteil

Anders als bei Autos muss aber der Arbeitsweg nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden. Einzige Ausnahme sind hier die bis 45 km/h zugelassenen S-Pedelecs, die mit ihrer Zulassung als Kleinkraftrad aber noch einige andere Besonderheiten mit sich bringen. Sie dürfen nicht auf Radwegen fahren, müssen eine Haftpflichtversicherung haben, und einen Führerschein braucht der Mitarbeiter auch dafür. Viele Unternehmen lassen diese Räder daher in ihrer Dienstradregelung nicht zu.

Doch auch bei normalen Fahrrädern und 25-km/h-E-Bikes gibt es bei der Überlassung einiges zu beachten. Unternehmen sollten mit den radelnden Mitarbeitern immer einen schriftlichen Überlassungsvertrag schließen. Darin sollten auch so selbstverständliche Dinge stehen wie, dass sich die Kollegen an die geltende Straßenverkehrsordnung halten und das Rad mit einem hochwertigen Schloss sichern sollten und wie sie haften, wenn sie das nicht tun. Außerdem sollte der Mitarbeiter alle sechs Monate die technische Sicherheit gemäß den UVV prüfen lassen und die Prüfberichte dem Fuhrparkmanager vorlegen. Einige Dienstradgesellschaften bieten diesen Service bereits als Teil ihrer Serviceleistung an, teilweise mit Vor-Ort-Betreuung für das gesamte Unternehmen. Auch eine private Haftpflichtversicherung sollten Dienstradler vorweisen können, denn das Rad selbst ist meist nur gegen Schäden am Objekt versichert.

Bikes müssen versichert werden

Ist die Fahrradversicherung Vertragsbestandteil des Leasings, lohnt sich ein genauer Blick auf die Kostenverteilung. Oft beträgt der Versicherungsanteil über 15 Prozent an der Gesamtrate. Hier kann sich eine Anfrage bei der unternehmenseigenen Pkw-Versicherung lohnen. Darüber lässt sich auch ein anderes Manko der Dienstradversicherer beheben: Fast alle schützen nicht bei grob fahrlässigen Schäden. Dazu zählen auch Unfälle nach einem Rotlichtverstoß. Gute Kfz-Versicherer zahlen auch in einem solchen Schadensfall.

Wer sich über diese Themen keine Gedanken machen will, kann ein Full-Service-Paket buchen. Der noch junge Anbieter Bicicli hat sich auf die Rundumversorgung inklusive Fuhrparkmanagement und Mobilitätsberatung spezialisiert. Allerdings kann auch so eine Lösung den Arbeitgeber nicht seiner Unterweisungspflicht bei Dienstfahrten entheben. Da hilft nur ein Überlassungsvertrag, der diese untersagt. Das könnte klappen, zählt doch der Arbeitsweg nicht als Dienstweg – und für Geschäftstermine ist ein Fahrrad je nach Entfernung eh nicht die erste Wahl.

Anbieter von Dienstradleasing:

Bicicli
Bicicli sieht sich als Anbieter von Komplettlösungen. Als Mobilitätsberater hilft das junge Berliner Unternehmen beim Aufbau einer Fahrradinfrastruktur im Unternehmen und bei der Fuhrparkverwaltung – kurz: bietet Full-Service-Fahrradleasing an.

Bikeleasing
Dieser Anbieter ist schon seit einigen Jahren im Geschäft. Er hat Standardleasingverträge mit 36 Monaten Laufzeit im Programm; der Vertrag kann in einer App ein­gesehen werden. Am Ende der Leasingzeit soll das Fahrrad für 18 Prozent des UVP übernommen werden können.

Business Bike
Business Bike wirbt damit, den kompletten Leasingvorgang digital abschließen zu können. Auch die Abwicklung von Service und Schäden läuft per App. Mit 10.000 Unternehmen im Kundenstamm ist der Anbieter recht groß. Mobilitätsgarantie und Vollkasko gibt es auch.

Company Bike
Company Bike Solutions hat sich auf größere Unternehmen ab 500 Mitarbeitern spezialisiert. Die Fahrrad­auswahl funktioniert über einen eigenen Onlineshop, der auch in Kundenfarben gebrandet wird. Die Münchner bieten dabei individuelle Beratung und stabile Prozesse.

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Eurorad
Eurorad bietet Dienstradleasing als Partner der ZEG. In ihr organisieren sich zahlreiche Fahrradhändler für bessere Einkaufskonditionen. Dadurch kann Eurorad auf ein recht großes Händlernetz für Wartung und Einkauf zugreifen, allerdings ist die Markenauswahl begrenzt.

Jobrad
Der Platzhirsch aus Freiburg ist seit 2008 im Fahrradleasing aktiv. Die lange Erfahrung spiegelt sich in übersichtlichen Onlinebeispielrechnern und transparenten Angeboten wider. Die Palette reicht vom einfachen Leasing bis zum Rundum-sorglos-Paket.

Lease a Bike
Lease a Bike richtet sich an Unternehmen jeglicher Größe, vom Selbstständigen bis zu Großunternehmen. Der Anbieter stellt ein Onlineportal zur Verfügung, über das die Mitarbeiter ihr Fahrrad selbst auswählen können. Die Verwaltung kann so komplett digital erfolgen.

Mein-Dienstrad.de
Auch Mein-dienstrad.de richtet sich an alle Unternehmensgrößen. Der Oldenburger Anbieter arbeitet mit 2.500 Händlern in Deutschland zusammen und ist schon seit 2012 aktiv. Die Abwicklung läuft auch hier überwiegend online.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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