E-Auto MG ZS im Test

So fährt der Billigstromer aus China

MG ZS 2021 Foto: MG 11 Bilder

Lockvogel oder ausgereiftes Elektroauto? MG bietet einen toll ausgestatten SUV für nur 27.500 Euro netto an. firmenauto klärt, was das Fernost-Mobil kann.

Computer, Smartphones, Kleidung: Kein Bereich, den China nicht mit billigen Produkten flutet. Nur mit Autos hat’s trotz diverser Anläufe bisher bei keiner Marke geklappt. Nun aber kommen sie geballt: Aiways, BYD, Byton, Lynk & Co oder Polestar drängen auf den Markt. Und auch MG ist wieder zurück. Schon 2007 sicherte sich der größte chinesische Autokonzern und VW-Partner SAIC die Markenrechte des ehemals britischen Traditionsunternehmens und bietet in China etliche Modelle unter dem Label an. 2021 will MG in Europa durchstarten, unter anderem mit dem kompakten, 148 PS starken Elektro-SUV ZS – zum Schlagerpreis von nur 27.500 Euro netto. Und darauf gibt’s dann noch 9.000 Euro E-Auto-Prämie.

Gut sieht er jedenfalls aus. In Sachen Design haben die Chinesen viel gelernt und der ZS würde im Parkhaus zwischen Modellen wie Volvo XC40 oder Opel Grandland X nicht negativ auffallen. Auch innen wirkt er modern. Klare, konventionelle Rundinstrumente mit einem kleinem Info-Display dazwischen lassen sich gut ablesen, in der Mittelkonsole sitzt ein klassenüblicher Touchscreen. Hübsch anzusehen und anzufassen ist der runde Drehknopf für die Automatik, wie man ihn von Jaguar und Land Rover kennt. Das alles ist eingebettet in eine vernünftig verarbeitete Cockpitarchitektur aus etwas Kunstleder und viel Hartplastik, die aber keineswegs billig wirkt.

Das Raumangebot geht ebenfalls in Ordnung, vor allem auf der Rückbank. Selbst große Zeitgenossen sind dort vernünftig untergebracht. Für den Fahrer gilt das aber nicht, denn das Lenkrad lässt sich nur in der Höhe, nicht aber in der Reichweite verstellen. Ob mit langen oder kurzen Beinen, irgendwie findet niemand im ZS eine entspannte Sitzposition. Der Fahrer klebt entweder dicht hinterm Volant, oder die Beinposition passt und er muss die Arme lang machen.

MG ZS 2021, Reise Foto: MG
Großer Kofferraum, aber eingeschränkter Radius: Der ZS eignet sich eher für Kurz- und Mittelstrecke als für die lange Reise.

Dafür lässt sich der Kofferraum des Autos vernünftig beladen. 448 Liter reichen locker für einen großen Wocheneinkauf. Die Kabel sind dabei nicht im Weg, sie werden in einem Staufach unterm Zwischenboden verstaut.

Bei der Ausstattung sind die Chinesen großzügig. Sie geben ihrem Stromer ein Rundum-Sorglos-Paket mit schlüssellosem Zugang, Infotainment, Navigation, Radartempomat, Smartphone-Integration und etlichen Fahrassistenten mit auf den Weg. Nette Extras wie das große Panorama-Schiebedach, beheizbare Kunstledersitze oder Spurhalter gibt’s in der 1.700 Euro teureren Luxury-Version (29.200 Euro). Der Preis des MG ist also heiß, ähnlich große, aber schlechter ausstaffierte Elektro-Crossover wie Mazda MX-30 oder Peugeot 2008 kosten mindestens 3.000 Euro mehr.

Auch die Bedienung des Autos passt, niemand muss eine Betriebsanleitung lesen. Das Handy ist mit zwei, drei Klicks verbunden, Apple Car Play und Android Auto funktionieren auf Anhieb. Nur damit funktioniert die Sprachsteuerung, und auch nur für die Handy-Navigation. Der bordeigene Lotse lässt sich per Sprache nicht ansteuern, ebenso wenig andere Fahrzeugfunktionen. Mit der Navigation kommt man auf Anhieb klar, solange der Wagen steht. Sonst tippt man ständig daneben, da der Touchscreen extrem empfindlich reagiert.

Also alles gut? Eher nicht. Der Teufel steckt im Detail. So haben wir es auch nach intensiver Lektüre der nur englischsprachigen Bedienungsanleitung nicht geschafft, den nervigen Verkehrsfunk abzuschalten. Dass sich die Chinesen eine Klimaautomatik gespart haben, ginge in Ordnung, ließe sich die Heizung vernünftig regulieren. Wer braucht eine nur einstufige Sitzheizung, die einem nach wenigen Minuten Feuer unterm Hintern macht, während der Rücken lauwarm bleibt? Und nachts ärgert sich der Fahrer über funzlige Scheinwerfer oder die Rückfahrkamera, deren schwaches Bild kaum zu erkennen ist.

MG ZS 2021 Foto: MG
Modernes Cockpit und einfache Bedienung

Wenigstens fährt sich der MG angenehm. Mit den moderaten 1,5 Tonnen hat der 148 PS starke E-Motor leichtes Spiel und schiebt kraftvoll an. Fürs sportliche Fahren eignet sich der SUV jedoch nicht, schon wegen seiner leichtgängigen Lenkung. Das relativ schwach gedämpfte Fahrwerk macht es zudem schwierig, in flotten Kurven die Ideallinie zu halten. Schnell gefahrene Landstraßen gehören also weniger zum bevorzugten Revier des MG. Gemächliches Cruisen klappt besser. Dann verbraucht der ZS nur rund 20 kWh/100 km und ist für rund 220 Kilometer Reichweite gut.

MG setzt also auf häufiges Laden. Wogegen nichts spricht, wenn das so einfach klappen würde wie bei anderen Modellen. Dass der Wagen Wechselstrom nur mit 6,6 kW zapft, genügt für die heimische Wallbox oder die Steckdose in der Firma. Unterwegs an öffentlichen Ladesäulen hätte man aber doch gerne mehr Power. Deshalb kann der Chinese zum fixen Zwischenladen zusätzlich an DC-Power-Säulen andocken, wo der Strom mit bis zu 100 kW in die Akkus fließt. Theoretisch: Bei unseren Versuchen an mehreren Ladern kam der MG nie über 30 kW hinaus. Allerdings bei winterlichen Temperaturen, die Batterien bekanntlich nicht mögen.

Aiways U5 2021 Neue Automarken 2021 Unterwegs nach Deutschland

Wirklich ärgerlich ist die Fummelei mit dem Kabel. Die unbeleuchtete Steckdose sitzt ganz vorne, tief unten hinter einer labbrigen Plastikklappe im Kühlergrill. Dort, wo Fahrtwind und Regen ihre Spuren hinterlassen. Im Dunkeln ein Kabel anzuschließen klappt ohne Taschenlampe kaum. Blöd auch, dass der Wagen nur mit verriegelten Türen lädt. Wer etwas im Auto vergessen hat, muss den Ladevorgang wieder neu starten. Außerdem zeigt der Wagen nicht in Prozent an, wie voll die Akkus sind. Da muss sich der Fahrer auf ein paar Leuchtdioden sowie die ungenaue, immer hin und her springende Anzeige der Restreichweite verlassen.

Unser Fazit: Nur billig genügt nicht, dazu gibt es bereits zu viele ausgereiftere Modelle. Der MG punktet zwar mit sieben Jahren Garantie. Doch wie Kauf, Wartung und Reparatur in der Praxis funktionieren, muss man sehen. Die Chinesen sind gerade erst dabei, Vertrieb und Service aufzubauen. Für private Käufer kann der Billigstromer eine Alternative sein. Flottenbetreiber dürften bei etablierten Marken vorerst besser aufgehoben sein.

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