Elektroauto als Stromspeicher

Mein Haus, mein Auto, mein Strom

Dendo Haus, Tokio, V2H, V2G, Vehicle to Grid, Vehicle to Home, Mitsubishi, Outlander Plug-in Hybrid, Kabel, Ladestation Foto: Ulrich Schaarschmidt 4 Bilder

Bei zu vielen E-Autos geht das Stromnetz in die Knie? Nicht unbedingt: Die Stromer können auch helfen, das Netz zu stabilisieren. Und nebenbei sparen ihre Besitzer Geld. In Japan zeigt Mitsubishi mit dem Dendo-Haus und einem Outlander Plug-in Hybrid, wie das geht.

Taifune, Überschwemmungen, Erdbeben: An Natur­katastrophen sind Japaner gewöhnt. Nach dem letzten schweren Erdbeben 2018 mussten Millionen Menschen tagelang ohne Strom ausharren. Etliche Besitzer von Elektroautos allerdings konnten sich selbst helfen. Sie legten einfach den Schalter um und ließen den Strom aus den Batterien ihrer Fahrzeuge zurück in die Häuser fließen. Während andere Familien in dunklen und kalten Häusern saßen, hatten sie heißes Wasser und konnten kochen.

Vehicle to home, kurz V2H, heißt das System, bei dem Autos den geladenen Strom auch abgeben können. Allerdings funktioniert das nur mit einem bidirektionalen Lader. Den haben derzeit aber nur E-Autos von Renault, Nissan und Mitsubishi an Bord. Auch der Outlander-Plug-in-Hybrid, der meistverkaufte Steckdosen-SUV weltweit.

An zwei 230-Volt-Steckdosen kann der Besitzer jedes Haushaltsgerät mit maximal 1.500 Watt Leistung anschließen, vom Elektrogrill beim Campen bis zur Motorsäge oder einem Kompressor beim gewerblichen Einsatz. Natürlich sind die Möglichkeiten der nur rund 13 kWh großen Bordbatterie im Notfall begrenzt. Aber im Leerlauf kann sie der Verbrennungsmotor laden beziehungsweise den Bordgenerator betreiben. So stelle ein Outlander mit vollem Tank 100 kWh Strom bereit. »Das reicht, um ein Einfamilienhaus rund zehn Tage lang mit Energie zu versorgen.«

Bis zu 10 kW fließen ins Netz zurück

Über den Chademo-Stecker fließt der Strom mit bis zu 10 kW Leistung aus der Autobatterie. So lassen sich auch große Maschinen betreiben. Und wird die Hilfe woanders gebraucht, wird der SUV zum schnell und flexibel einsetzbaren mobilen Notstromaggregat. Was in Japan überlebenswichtig ist und deshalb staatlich gefördert wird, könnte in Europa helfen, das Stromnetz zu stabilisieren oder die Energiekosten zu senken.

Wie das in der Praxis funktioniert, demonstriert die Mitsubishi Electric Corporation an einem sogenannten Dendo-Drive-Musterhaus in Tokio. »Den do« heißt zwar »elek­trisch fahren«, doch momentan parkt der weiße Outlander unterm Vordach, mit einem Kabel angeschlossen an eine Wallbox samt bidirektionalem Lader. Daneben ein weißer Kasten, in dem sich eine Pufferbatterie verbirgt. Noch verbaut Mitsubishi neue Akkus. Aber wenn irgendwann die ersten E-Autos ausgemustert werden, sollen ihre Akkus hier weitergenutzt werden. Wohnzimmer, Küche, Bad – nichts deutet auf die komplexe Elektronik hinter den Wänden hin, die den Stromfluss steuert.

»Der tagsüber von Sonnenkollektoren auf dem Dach produzierte Strom versorgt die elektrischen Geräte im Haus und lädt die statio­näre Batterie sowie den Akku des Autos«, erklärt Kimio Kano, einer der bei Mitsubishi Electric für Smarthome verantwortlichen Manager. »Überschüssigen Strom speisen die Besitzer ins öffentliche Stromnetz ein. Kommen sie abends nach Hause, wird die Wohnung vom Hausakku oder mit bis zu 10 kW direkt vom Auto versorgt. Ebenso bei einem der häufigen Stromausfälle.«

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Da Japans Kraftwerke nachts mehr Strom produzieren, als gebraucht wird, kostet Nachtstrom nur die Hälfte. Bei schlechtem Wetter, wenn die Solarmodule keinen Strom liefern, sollen Besitzer einer V2H-Anlage ihre Akkus eben einfach nachts füllen. Damit sparen sie Geld und helfen ganz nebenbei, das Stromnetz zu stabilisieren. »V2H entlastet das Netz und verteilt die Lastspitzen«, sagt Elektrostratege Hiromatsu und rechnet vor: 10.000 Outlander könnten 100 Megawatt einspeisen. »So viel wie ein kleines Kraftwerk.«

Denkt man das Konzept weiter und verwendet E-Autos mit großen Batterien, könnten auch Unternehmen ihre Energiekosten senken. Die Idee: Der Mitarbeiter kommt mit vollem Akku und gibt so viel Strom ab, dass er es gerade noch nach Hause schafft, wo er wieder billig lädt. Mitsubishi sieht in V2H ein riesiges Geschäfts­modell, zuerst für Japan, später auch für Europa. Kunden leasen bei ihrem Händler nicht nur das E-Auto, sondern die komplette Stromversorgung des Hauses. Sonnenpaneele, Lader, Akku – alles aus einer Hand, bis hin zum Einbau. Dazu will Mitsubishi auch die Energieversorger mit ins Boot holen, die den Besitzern eines Dendo-Hauses 15 Prozent Rabatt geben. So ließen sich die Energiekosten um bis zu 30 Prozent senken.

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Tests weltweit hätten bewiesen, dass V2H oder auch V2G, also die Einbindung des Autos ins Netz (Grid), funktioniert und sich rechnet. So etwa ein Projekt in Amsterdam. Dort setzte Mitsubishi zusammen mit The New Motion erfolgreich zehn Outlander als Strompuffer ein.Tatsächlich forschen fast alle Autohersteller weltweit an V2G-Projekten. Allerdings arbeitet niemand so intensiv daran wie die drei Marken Mitsubishi, Renault und Nissan, die sich erst kürzlich zum Trio zusammengeschlossen haben. Obwohl mit Abstand der kleinste Partner, spiele Mitsubishi in Sachen E-Technik eine wichtige Rolle, sagt Produktstratege Hiromatsu. Denn das Unternehmen kann umfangreiche Erfahrungen in Sachen Plug-in-Hybrid-Technik einbringen. Im Gegenzug profitiere man vom Elektro-Know-how bei Nissan. Denn der Nissan Leaf sei nicht nur das meistverkaufte Elektroauto weltweit, sondern nutze bereits die zweite Generation des E-Antriebs.

Mit einem Problem hat man sich in Tokio jedoch noch nicht beschäftigt: Wie lässt sich verhindern, dass Fahrer eines Firmenwagens den beim Arbeitgeber oder per Ladekarte kostenlos bezogenen Strom zu Hause einspeisen? Diese abstruse Vorstellung passt einfach nicht ins Weltbild der Japaner.

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