Fahrbericht Mercedes Vito

Kostenbewusst und vielseitig

Mercedes Vito Foto: Daimler 13 Bilder

Der Vito soll aus dem Windschatten des T5 herausfahren. Jahrelang verkaufte VW in der Mittelklasse fünf-, sechsmal so viele Transporter und Kombis wie die Marke mit dem Stern. Jetzt aber wollen die Schwaben angreifen und den neuen Vito sogar erstmals nach Nord- und Lateinamerika exportieren.

Dazu hat Mercedes die Baureihe deutlich erweitert: Zwei Radstände, drei Längen, vier Gewichtsklassen, zusätzlich zum Frontantrieb Versionen mit Heck- und Allradantrieb – Mercedes will die neue Transporter-Familie bewusst breit aufstellen.

Seitenwindassistent serienmäßig

Stand der Vito bisher immer ein wenig im Schatten des Mercedes Sprinter so soll er nun vom größeren Bruder profitieren und bekommt ein Gros der dort verbauten Fahrerhilfen mit auf den Weg. Ein Seitenwind-Assistent etwa ist serienmäßig an Bord, ebenso der Müdigkeitswarner, der den Fahrer mit einer dampfenden Kaffeetasse im Display zu einer Pause animieren soll. Zusätzlich kann der Käufer seinen Vito mit bis zu acht Airbags, Parkautomatik radargestütztem Abstandswarner, Spurhaltehelfer und Totwinkelwarner aufrüsten, sofern es das Budget hergibt. "Bei der Sicherheit machen wir keine Kompromisse", sagt Produktionsleiter Frank Klein.

Damit arbeitet sich der Mercedes auf gutes Pkw-Niveau hoch, was angesichts der breiten Modellpalette nur logisch ist. Schließlich wird der Vito nicht nur als Kastenwagen, sondern auch als Kombi angeboten. Damit er möglichst für alle Anwendungen gewerblicher Käufer passt, wird er gleich in drei Versionen angeboten. Die pflegeleichte und spartanische Base-Ausstattung passt für harte Arbeitseinsätze, beispielsweise auf der Baustelle. Das Gegenstück bildet der Tourer Select. Mit verschiebbaren Einzelsitzen, Teppichboden und Klimaautomatik sieht Mercedes ihn als Hotel-Shuttlebus oder Taxi. Oder als kostengünstige Alternative für alle, die sich die teurere V-Klasse nicht leisten wollen.

Fahr- und Federungskomfort auf höchstem Niveau

Selbst wenn der Vito nicht ganz den Abroll- und Federungskomfort der mit einem aufwändigeren Fahrwerk ausgerüsteten V-Klasse erreicht: Wie der Mercedes Schlaglöcher oder Querrillen nimmt, hat für Transporter eine ganz neue Qualität. Nicht nur die polternden Achsen des Vorgängers sind nun passé, das neue Modell federt auch sehr viel weicher. In Verbindung mit den bequemen, vielfach verstellbaren Sitzen beschert das einen hohen Wohlfühleffekt an Bord. Dazu trägt auch die hörbar bessere Geräuschdämmung bei. Mercedes behauptet sogar, der neue Vito sei innen 50 Prozent leiser als der Vorgänger.

Viele sinnvoll in der Fahrerkabine verteilte Staufächer und Ablagen zeugen von den Bemühungen, es dem Fahrer so angenehm wie möglich zu machen. So ist die Trennwand leicht zum Laderaum hin ausgebeult, damit der Fahrer den Sitz weiter nach hinten schieben kann. Für den Tachograph haben die Ingenieure einen DIN-Schacht in der Mittelkonsole vorgesehen, USB- und Aux-Anschlüsse fürs Smartphone sitzen direkt neben der Handy-Ablage. Dass Mercedes einen Kleiderhaken vergessen hat, darf da als Petitesse durchgehen. Nur die umständlich zu bedienende und viel zu spät ansagende Becker-Navigation mit ihrem pixeligen Display passt nicht so recht ins Bild.

Motoren sind auf Euro 6 vorbereitet

Mit dem Modellwechsel bringt Mercedes Motorisierungen, die wesentlich wirtschaftlicher arbeiten sollen als bisher. Die Normverbräuche jedenfalls sind im Schnitt um 20 Prozent gesunken, während Mercedes die Wartungsintervalle von 30.000 auf 40.000 Kilometer verlängert hat. Noch ist Euro 5b+ Standard, doch alle Aggregate sind bereits auf Euro 6 vorbereitet.

Als neuer Einstiegsmotor für die Modelle mit Frontantrieb dient der von Renault gelieferte 1,6-Liter-Diesel mit 88 oder 114 PS. Weniger Hubraum bedeutet weniger Gewicht. Da auch der Vorderradantrieb abgespeckt hat, sinkt das Leergewicht des mittellangen Kastenwagens auf 1.761 Kilo. So kann der Fahrer bis zu 1.289 Kilo laden.

Für den Einsatz im Vito wurde der Motor neu abgestimmt. Er ist kein Dynamiker, aber laufruhig und leise. So passt er für die Kurz- und Mittelstrecke sowie für kostenbewusste Flottenbetreiber. Denn mit dem kleinen Vierzylinder sinkt der Einstiegspreis in die Vito-Welt auf 17.990 Euro. Allerdings gibt es dafür nur das zeitlich unbegrenzte und etwas abgespeckte Sondermodell Worker. Er ist erste Wahl für alle, die keine Gimmicks wollen. Denn Assistenzsysteme, Sonderlackierungen und viele andere Extras gibt es nur für den etwas besser ausgestatteten Standard-Transporter, der als 109 CDI bei 23.800 Euro startet. Der Tourer ist ab 25.310 Euro zu bekommen.

Beim 190-PS-Vito ist die Automatik Serie

Weiter im Programm bleibt der bekannte Vierzylinder mit 2,2 Liter Hubraum, der sich für schwere Lasten oder Fahrten mit Hänger empfiehlt. Auch er wird mit einem Sechsganggetriebe geliefert, das aber etwas präziser und leichter schaltet als das des 1,6-Liter-Motors. Noch komfortabler, speziell mit Hänger, fährt sich der Vito mit der unauffällig agierenden Siebengang-Automatik. Für die Version mit 136 oder 163 PS kostet sie 2.100 Euro, während sie beim 190 PS starken Vito 119 Bluetec zum Standardumfang gehört.

Was es nicht gibt Vito? Motoren mit sechs Zylindern. Vier Töpfe müssen künftig genügen. Auch auf Versionen mit Hochdach oder ein reines Fahrgestell werden Kunden vergebens warten. Interessenten verweist Mercedes an den Sprinter.

Daimler viel getan, um seinen Mittelklasse-Transporter breiter aufzustellen und ihn vor allem auch kostenbewussten Fuhrparkbetreibern schmackhaft zu machen. Die technische Basis stimmt. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Schon für 2015 hat VW den T6 angekündigt. Erst dann entscheidet sich, wer vorneweg fährt.

Technische Daten
Mercedes Kasten 111 CDI Mercedes Kasten 114 CDI Mercedes Kasten 116 CDI Mercedes Kasten 119 Bluetec Mercedes Kasten 109 CDI
Motor und Kraftübertragung
Zylinderzahl / Motorbauart 4-Zylinder 4-Zylinder 4-Zylinder 4-Zylinder 4-Zylinder
Hubraum 1598 cm³ 2143 cm³ 2143 cm³ 2143 cm³ 1598 cm³
Leistung 114 PS (84 kW) bei 3800 U/min. 136 PS (100 kW) bei 3800 U/min. 163 PS (120 kW) bei 3800 U/min. 190 PS (140 kW) bei 3800 U/min. 88 PS (65 kW) bei 3800 U/min.
max. Drehmoment 270 Nm bei 1500 U/min. 330 Nm bei 1200 U/min. 380 Nm bei 1400 U/min. 440 Nm bei 1400 U/min. 230 Nm bei 1500 U/min.
CO2-Ausstoß 163 g/km 170 g/km 159 g/km 153 g/km 163 g/km
Kraftstoff Diesel Diesel Diesel Diesel Diesel
Preis
Nettopreis 24.830,- € 26.970,- € 28.040,- € 32.820,- € 23.830,- €
Abmessungen und Gewichte
Radstand 3200 mm 3200 mm 3200 mm 3200 mm 3200 mm
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4895 × 1928 × 1910 mm 4895 × 1928 × 1910 mm 4895 × 1928 × 1910 mm 4895 × 1928 × 1910 mm 4895 × 1928 × 1910 mm
Kofferraumvolumen 5.800 l 5.800 l 5.800 l 5.800 l 5.800 l
Zuladung 163 kg 969 kg 969 kg 969 kg 1.039 kg
Verbrauch
Verbrauch l/100 km l/100 km l/100 km l/100 km l/100 km
Betriebskosten
Mercedes Kasten 111 CDI Mercedes Kasten 114 CDI Mercedes Kasten 116 CDI Mercedes Kasten 119 Bluetec Mercedes Kasten 109 CDI
Basisdaten
Preis ohne Mehrwertsteuer 24.830,- € 26.970,- € 28.040,- € 32.820,- € 23.830,- €
Betriebsnotwendiges Kapital 13.713,- € 19.819,- € 20.615,- € 23.987,- € 13.234,- €
Teuerung Fahrzeugpreis 2.986,- € 4.296,- € 4.466,- € 5.227,- € 2.865,- €
Feste Kosten (€/Jahr)
Kapitalverzinsung 1.152 1.665 1.732 2.015 1.112
Abschreibung 1.152 1.665 1.732 2.015 1.112
Kfz-Steuer 288 359 337 325 288
Typklasse HP/VK/TK 21/23/23 21/25/23 21/25/23 21/25/23 21/23/23
Haftpflichtversicherung 2.360 2.360 2.360 2.360 2.360
Kaskoversicherung 2.033 2.414 2.414 2.414 2.033
Unterstellung/Garage 548 548 548 548 548
Summe feste Kosten (€/Jahr) 9.209 11.319 11.493 12.451 9.030
Summe feste Kosten (ct/km) 46,0 56,6 57,5 62,3 45,1
Variable Kosten (ct/km)
Kraftstoff 8,6 9,3 9,0 9,7 8,5
Reifen 1,2 1,2 1,4 1,8 1,2
Wartung/Reparatur/Pflege 10,8 11,4 11,6 12,0 10,8
Summe variable Kosten 20,7 21,9 21,9 23,6 20,6
Gesamtkosten
Gesamtkosten (ct/km) 66,7 78,5 79,4 85,8 65,7
Quellenangabe Betriebskosten
Quellenangabe Dekra Dekra Dekra Dekra Dekra
Zeitpunkt der Datenberechnung 10/2014 10/2014 10/2014 10/2014 10/2014
Versicherungshinweis Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
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