Fahrbericht

Mia Electric

Mia Foto: Gugu Mannschatz 12 Bilder

Darf ich auch mal? Mia-Besitzer werden diese Frage künftig öfter hören. Die Neugierde auf den kleinen Franzosen unter deutschen Fittichen ist groß. Wir wollten nicht mehr warten und haben die Mia schon mal ausprobiert.

Viele Wege führen zum Ziel. Ob über links oder rechts, spielt bei der Mia keine Rolle. Beide Schiebetüren führen ins Innere. Das Cockpit scheint frei hinter einem griffigen Lenkrad zu schweben. Drei Knöpfe gibt es links. Rechts sitzt die Heizungs- und Lüftungsbedienung, daneben ein Radio. Blinker- und Scheibenwischerhebel sind wie gewohnt am Lenkrad angebracht. Das war's auch schon, Zukunftsmobilität kann einfach sein.

Die mittige Sitzposition eröffnet eine einzigartige Sicht auf die Straße. Allerdings erinnert die steil abfallende Frontscheibe daran, dass hier keine Knautschzone das Leben retten wird. Das ist Aufgabe des Stahl-Monocoques, wie in der Formel 1. So laut wie dort geht es in der Mia zwar nicht zu, ein Meer der Stille offenbart sie aber auch nicht. Die kubische Karosserie bietet den Abrollgeräuschen der Reifen einen Resonanzkörper und der Asynchronmotor macht mit ordentlichem Gesumme auf sich aufmerksam. Links im Display leuchtet der Ladezustand der Batterien. 90 Kilometer weit soll man mit der 8-kWh-Version (130 mit der 12-kWh-Batterie) bei entsprechender Fahrdisziplin kommen.

Disziplin fällt schwer, das Fahren macht einfach Spaß

Die einzuhalten fällt schwer. Mia fahren macht Spaß, selbst wenn unterm Strich gerade mal 16 kW Leistung stehen. Die Älteren werden sich erinnern: Das ist Entenniveau. Das Drehmoment von 58 Nm ist ebenfalls bescheiden, seine Übertragung an die Vorderräder aber herrlich direkt. Wo die Mia also schon 50 Meter weggesprintet ist, hätte die Ente gerade mal aus dem Auspuff gehüstelt. Das Bremssteuergerät aus deutscher Fertigung ist ordentlich programmiert, die Scheiben hinter den 14-Zoll-Felgen greifen beherzt zu. Die Gewichtsverteilung mit hinten liegendem Motor und mittig unterm Sitz angebrachter Batterie wirkt ebenfalls stimmig. Überhänge fehlen fast gänzlich, der Radstand erreicht somit fast Fahrzeuglänge. Die Stoßdämpfer schlucken kurze Unebenheiten zuverlässig, aber durchaus robust.

Range Extender à la Mia: Ein Tastendruck begrenzt das Tempo

Eine etwas sanftere Abstimmung wäre jedoch angenehmer, denn dieser City-Flitzer wird häufig über Kopfsteinpflaster, Bordsteinkanten oder Straßenbahnschienen müssen. Dafür ist der Wendekreis von 8,50 Meter altstadttauglich. Wo er dennoch mal nicht reicht, wird auf Knopfdruck rangiert. Ein leises Piepen nach Drücken der D/R-Taste deutet an, dass der Wagen beim nächsten Tritt aufs Fahrpedal nun rückwärts fährt. Die Sicht nach hinten allerdings ist mäßig. Die EU-genormten Riesenrückspiegel machen hier Sinn. Platz für den Einkauf bleibt hinter den Sitzen. Mit 300 Litern sogar erstaunlich viel. Außergewöhnlich auch der Aufenthalt im Fond. Heckpassagiere genießen die Fahrt bei bester Sicht nach vorne auch noch mit ausgestreckten Beinen. Irgendwann aber ist Schluss mit lustig. Geht der Batterievorrat zur Neige, spartanisiert der Druck auf den Eco-Knopf die Mia. Radio und Lüftung bleiben dann aus, ebenso ist die Geschwindigkeit auf 60 km/h begrenzt. Aus vielen Wegen wird dann nur einer: der zur nächsten Steckdose.

Mia Electric

Karosserie Dreitüriger Microbus mit drei Sitzplätzen
Länge/Breite/Höhe 2.870/1.639/1.550 mm
Gewicht 840 kg
Zuladung 355 kg
Kofferraumvolumen 300 l
Motor/Batterie/Antrieb Asynchronmotor
Leistung 16 kW (21 PS)
Maximales Drehmoment 58 Nm
Batterie Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit 8 kWh Kapazität
Ladezeit 3 Stunden bei 220 Volt
Getriebe Stufenloses Automatikgetriebe, Heckantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h k. A.
Höchstgeschwindigkeit 110 km/h
Reichweite max. 90 km
Langstrecke ■□□□□
Stadt ■■■■■
Preis 16.387 Euro
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