Firmenwagen teilen

Geld sparen, Umwelt schonen

Mercedes Me Foto: Daimler AG - Global Communicatio

­Autohersteller ermöglichen Carsharing. Dienstwagenfahrer können ihre Firmenwagen Freunden oder Kollegen leihen – via App und ohne Schlüssel. Wir haben die Angebote für Sie im Überblick.

Der klassische Autoschlüssel wird zunehmend zum Auslaufmodell. Funkschlüssel für die Zentralverriegelung oder Keyless-Systeme, bei denen der Schlüssel gleich in der Jackentasche bleiben kann, sind auf dem Vormarsch – und zunehmend auch Connected-Dienste, bei denen eine App auf dem Smartphone die Aufgabe des Türöffners übernimmt.

Das eröffnet zudem ganz neue Optionen – nämlich, das Auto an ein anderes Familienmitglied oder einen Kollegen weiterzugeben, ohne dass man ihm den Schlüssel überreichen muss. Ein klassischer Fall: Das Auto steht am Bahnhofsparkplatz, weil der Hauptnutzer des Fahrzeugs zu einer Dienstreise aufgebrochen ist. Jetzt wäre es schön, wenn ein anderes Mitglied der Familie den Wagen übernehmen könnte, um damit nach Hause zu kommen und nebenbei auch noch Parkgebühren zu sparen.

Mercedes Me

Aber auch den Firmenwagen kann man teilen – mit Kollegen beispielsweise, die ihn für eine kurze Dienstfahrt nutzen. So lassen sich Poolfahrzeuge einsparen und Ressourcen schonen. Und mit ein wenig Planung ist das natürlich auch ohne digitalen Schlüssel machbar. Weitaus flexibler klappt das jedoch mit einer Carsharing-App, wie sie beispielsweise Daimler im Connectivity-Dienst Mercedes Me integriert hat. Wer seinen Mercedes teilen möchte, deponiert einen Zweit­schlüssel im Fahrzeug und aktiviert ihn per App für einen bestimmten Zeitraum. Der temporäre Fahrzeugnutzer öffnet den Wagen ebenfalls per App, startet ihn mit dem hinterlegten Schlüssel und sperrt ihn nach der Fahrt auch wieder ab. Ohne Freigabe öffnet das Auto nicht. Damit behält der Fahrzeugbesitzer die volle Kontrolle da­rüber, wer wann das Auto nutzen darf.

Noch richtet sich die Sharing-App vor allem an private Besitzer, die ihr Auto innerhalb der Familie unkompliziert weitergeben möchten, ohne viele Fragen, wer denn gerade den Zweitschlüssel fürs Auto hat. Auch im Business­bereich beschränkt sich das Angebot aktuell auf diesen schlüssel- und counterlosen Prozess.

Smart Ready to share

Einen Schritt weiter geht Smart mit Ready to share. In dem Stadtflitzer ist das gleiche Zugangssystem installiert, das in den Autos von Share Now (ehemals Car2go) eingesetzt wird. Auch hier wird ein Zweitschlüssel versteckt hinterlegt. Hat der Fahrzeugbesitzer die Buchung eines Interessenten freigegeben, kann dieser das Auto per App öffnen, die Wegfahrsperre abschalten und losfahren. In die App sind aber weitere Funktionen integriert. So kann der Besitzer des Fahrzeugs beispielsweise einen Preis pro Minute festlegen und es damit kostenpflichtig verleihen. Die Bezahlung wird ebenfalls über die App abgewickelt. Und damit es keine Probleme mit der eigenen Versicherung gibt, ist im System eine kostenlose Zusatzversicherung der HDI für die Zeiten der Fremdnutzung hinterlegt. Außerdem legt der Fahrzeugbesitzer fest, ob er seinen Wagen kostenlos oder gegen Gebühr verleihen will. Ready to share ist in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien verfügbar.

Leasys der FCA-Bank

Einen ähnlichen Weg geht Leasys, die Flotten- und Leasingtochter der FCA-Bank. Für die 2020er-Modelle von Alfa Giulia und Stelvio hat sie I-Link entwickelt. Mit diesem Sharing-Modell reagieren die Italiener auf den globalen Trend, Produkte und Dienstleistungen zu teilen oder sich in Communitys zusammenzuschließen. I-Link funktioniert wie eine Whatsapp-Gruppe: Der Alfa-Besitzer lädt bis zu zehn Freunde oder Kollegen in seine Gruppe ein, um mit ihnen seinen Geschäftswagen zu teilen, ohne dass sie eigene Schlüssel brauchen. Die App lokalisiert das Auto, öffnet und schließt es und startet den Motor.

Aufgrund der Nutzungsdaten – Dauer und zurückgelegte Strecke – kalkuliert die App automatisch einen Mietpreis. ­Leasys will I-Link im Frühjahr in Italien einführen, im Laufe des Jahres soll es auch in den anderen Märkten verfügbar sein. Wann dies in der Bundesrepublik der Fall sein wird, ist allerdings nach Angaben von FCA Deutschland noch nicht entschieden.

Share now Foto: Share Now
Marktführer in Deutschland ist Share Now mit mehr als 1,5 Millionen Kunden. Das durch die Fusion von Drive Now (BMW) und Car2go (Daimler) entstandene Unternehmen hat mehr als 7.000 Autos.

Fleetster

Sharing-Lösungen bieten Unternehmen die Möglichkeit, ihre Poolfahrzeuge ab­teilungsübergreifend besser auszulasten und damit die Zahl der Fahrzeuge um 20 bis 30 Prozent zu reduzieren. Allerdings verursache ein Poolfahrzeug im Monat bis zu fünf Stunden Administra­tionsarbeit, sagt Tim Ruhoff, Geschäftsführer des Münchner Dienstleisters Fleetster. Fahrzeugreservierung, Führerscheinkontrolle oder die Zuordnung von Strafzetteln sorgen für hohen Aufwand „für denjenigen, der sich darum kümmern muss, zumindest, wenn er keine Software und Technologie hat“, erläutert Ruhoff. Mit dem eigenen Car­sharing-Kit mache Fleetster rund 95 Prozent der aktuellen Firmen­flottenmodelle technisch fit für eine App-gesteuerte Carsharing-Lösung. Zwischen 500 und 800 Euro kostet die Technik, die sich in ihrer höchsten Ausbaustufe auch für öffentliches Carsharing eignet. Für die Verwaltung per Software berechnet der Anbieter ab zehn Euro pro Monat und ­Fahrzeug.

Start-ups gehen bekanntlich oft neue Wege und teilen auch gern. Manchmal sogar das Auto des Chefs. Geschäftswagen einfach als Poolfahrzeuge zu nutzen, um sie so besser auszulasten, hält auch Ruhoff für eine gute Sache. Aber der Ansatz führe häufig auch zu Frust, so die Erfahrung des Sharing-Profis. Weil der Kollege nicht rechtzeitig zurückkommt und der Chef warten muss. Oder weil er seinen Wagen schmutzig zurückbekommt oder erst einmal tanken muss. Deshalb läuft es auch bei solchen Unternehmen über kurz oder lang auf richtige Poolfahrzeuge hinaus.

Eine schöne Idee, aber aufgrund des Aufwands kaum praktikabel findet es Ruhoff auch, Dienst­wagen während des Urlaubs dem Pool zu leihen. Die Erfahrungen verschiedener Unternehmen seien eher ernüchternd gewesen. Zum einen darf der Dienstwagennutzer mit seinem Auto keine Einkünfte erzielen, weil die steuerpflichtig wären. Er spart also nur die Versteuerung des geldwerten Vorteils für den Zeitraum, in dem er auf sein Auto verzichtet. Und das nur, wenn er mindestens 16 Tage eines Monats aufs Auto verzichtet. Zum anderen verursacht das Ganze immensen administrativen Aufwand, etwa in der Lohnbuchhaltung. Außerdem, so Ruhoff, müsse der Wagen auch noch vor der Aufnahme in den Pool genau gecheckt werden. Nicht, dass der Fahrer eigene Schäden auf die Poolnutzung schiebe.

Mobilitätsplattform Moqo

Eine Softwarelösung für die Verwaltung von Sharing-Fahrzeugen bietet seit Ende vergangenen Jahres die Aachener Mobilitätsplattform Moqo an. Sie richtet sich vor allem an Sharing-Anbieter im ländlichen Raum – neben Vereinen oder Kommunen auch Unternehmen, die ihre Poolfahrzeuge für die öffentliche Nutzung freigeben, etwa an Wochenenden. Die Software deckt die gesamte digitale Nutzererfahrung ab: alle Miet- und Abrechnungsprozesse sowie weiter gehende Services wie die Aufnahme von Unfallschäden oder die Dokumentation des Fahrzeug­zustands. Auch Personal- oder Buchhaltungssysteme sollen sich in die App integrieren lassen. Ein wesentlicher Faktor: Die Lösung ist skalierbar. Man kann also mit einem Fahrzeug anfangen und später weitere in die Plattform integrieren. Der Kunde kann über die App Fahrzeuge reservieren und mieten und sieht auf einer Karte, wo Autos bereitstehen – und bei Elektroautos auch online den Ladestand. Für die Nutzung der App verlangt Moqo 39 Euro pro Monat. Darin sind Software und eine 24-Stunden-Hotline für Sharing-Kunden enthalten. Muss in dem Fahrzeug noch eine Telematikeinheit verbaut werden, liegt der Preis bei rund 80 Euro monatlich.

Hohe Zuwachsraten beim Carsharing

Öffentliches Carsharing hatte in den vergangenen Jahren in Deutschland hohe Zuwachsraten. Rund 2,3 Millionen Kunden sind aktuell bei einem oder auch bei mehreren Anbietern angemeldet. Nach der aktuellen Statistik des Bundes­verbands Carsharing (BCS) entfällt auf stationsbasiertes Carsharing zwar nur ein Drittel der Kunden, dafür ist aber die Verbreitung mit Stationen in 840 Gemeinden und Städten im vergangenen Jahr noch einmal deutlich gewachsen. Free Floating wird hingegen nur in 17 Großstädten angeboten.

Privatfahrten mit Poolfahrzeugen So wird der geldwerte Vorteil berechnet

Marktführer in Deutschland ist Share Now mit mehr als 1,5 Millionen Kunden. Das durch die Fusion von Drive Now (BMW) und Car2go (Daimler) entstandene Unternehmen hat eine Flotte von mehr als 7.000 Autos. Flinkster, das Angebot der Deutschen Bahn, umfasst etwa 4.000 Autos. Mit Sixt ist 2019 ein weiterer großer Player im Sharing-Markt angetreten. Carsharing lohnt sich für die ­großen Anbieter aber nur in Ballungsgebieten. Auf dem Land entstehen deshalb zunehmend privat oder kommunal getragene Sharing-Angebote.

Beim Peer-to-Peer-Sharing verleihen Privatbesitzer ihre Autos – zu deutlich günstigeren Konditionen. Laut einer Studie der ZHAW School of Engineering werden in Paris rund 7.400 Autos privat geteilt, in Berlin dagegen nur 1.400. Vermittelt werden die Autos App-basiert über Anbieter wie Drivy oder Snapp Car.

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