Kraftstoffkosten des Fuhrparks Den Schalter umlegen

Benzinkosten 2022 Foto: Adobe Stock/ Markus Dehlzeit

Fuhrparkmanager haben ein scharfes Auge auf den Verbrauch der Firmenwagen. Aber wie kriegen sie Mitarbeiter dazu, Energie zu sparen und zu günstigen Zeiten zu tanken?

Lindners Tankrabatt kommt nicht wirklich an. Nach einer leichten Delle Anfang Juni gehen die Preise an den Zapfsäulen bereits wieder nach oben. Wer viel fahrendes Personal hat, muss sich Sorgen um die laufenden Kosten machen. Ist der Kraftstoff-Etat einfach Schicksalssache oder lässt sich der Verbrauch aktiv beeinflussen? Viele Experten sind sich sicher: Ein Spritspartraining kann ohne viel Aufwand die Aus­gaben für Kraftstoff spürbar senken.

"Das kostet natürlich was, aber der Effekt ist leicht zu erreichen", sagt Fuhrparkberater Peter Hellwich. Nach seiner Erfahrung schaffen die Teilnehmer während des Trainings 25 Prozent weniger. "In der Praxis sind es dann zwar nur zehn Prozent, aber das ist dann von Dauer. Viele haben einfach keine Ahnung, wie ein Auto funktioniert." Hellwich nennt simple Beispiele: Ältere Mitarbeiter geben beim Anlassen oft noch Gas, weil sie es aus der Fahrschule kennen. Oder sie kuppeln vor der roten Ampel aus, weil sie Start-Stopp-Funktion und Schubabschaltung nicht kennen.

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Vorteil der bewussten Fahrweise nach einer Schulung: Die gesamte Abnutzung schwächt sich ab. Reifen und Bremsen halten deutlich länger. "Langzeitstudien registrieren einen Unfallrückgang um 30 Prozent", fügt Hellwich hinzu. Allerdings müsse man sich auch mit der Erkenntnis abfinden: Nicht alle Mitarbeiter sind zu erreichen. "Die einen stellen ihr Verhalten um, die anderen kapieren es nie."

Sind das dann die Problemfälle im Unternehmen, die eher Kosten verursachen und daher verzichtbar sind? Hellwich mit einem Lachen: "Wenn Sie alle Mitarbeiter rausschmeißen, die schnell unterwegs sind, ist das schlecht für den Umsatz." Hinzu kommt, dass Dienstwagen in vielen Unternehmen auch heute noch eine heilige Kuh sind. Gerade die Führungsetage identifiziert sich mit repräsentativen Fahrzeugen und dem dazugehörigen leistungsstarken Motor.

Hellwich erinnert sich an ein Projekt, bei dem er Kostentreiber im Dienstwagenmanagement identifizieren sollte. Sein Vorschlag: alle Fahrzeuge über 3,5 Liter Hubraum abschaffen. Das Papier wurde in der Sitzung der leitenden Angestellten vorgestellt – und nur kurz diskutiert. "Dann kann ich ja meine 3,9-Liter-Maschine nicht mehr fahren", soll ein Abteilungsleiter gemault haben.

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Anders lief es bei einer mittelständischen Firma, die erstmals in ihrer Geschichte eine Geschäftsführerin bekam. Die bestellte sich als Dienstwagen einen Audi A3. "Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer durchs Unternehmen", berichtet der Fuhrparkberater. Reaktion: Panik! Bekanntlich gilt es als No-Go, einen größeren Wagen als Chef oder Chefin zu fahren. Es habe Vorstandsmitglieder gegeben, die hastig noch einen 7er-BMW zu bestellen versucht hätten, damit ihr Neuer noch vor dem kleinen Kompakten der Geschäftsführerin eintreffe.

Hellwichs Geheimtipp für eine Dienstwagen-Policy, die den Verbrauch garantiert senkt: "Erlauben Sie alles an Zubehör und Motorisierung – aber es darf von außen nicht sichtbar sein!" Man könne mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass damit die meisten Auswüchse unterbleiben, weil es bei einer bestimmten Klientel eben um die Außenwirkung gehe. Nach der Erfahrung des Beraters fangen die Probleme – wie so oft – bereits im Management an. "60 Prozent der Fuhrparkchefs kennen ihren monatlichen Durchschnittsverbrauch nicht."

Aber mit dem steht und fällt eine effiziente Kontrolle, denn natürlich muss das fahrende Personal auch nach erfolgreich absolvierten Spritspartrainings im Auge behalten werden – möglichst ohne drohende Strafen. "Auch hier motivieren Sie die Menschen besser positiv." Nachteil beim Spritsparen: Es gibt keine Spritspar-Policy als Modul, das sich per Mausklick implementieren ließe. Doch mit einem einfachen Programm lässt sich ein Motivationsmodell einrichten, das sparsame Fahrer belohnt und die anderen anspornt, sich ebenso zu bemühen.

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Kennzahlen sind dabei neben dem Spritverbrauch auch die Unfallquote, die Reifenkosten und die Schadensquote der Leasingrückläufer. Wer zu einem bestimmten Prozentsatz unter dem Durchschnitt oder einem jährlich neu definierten Ziel bleibt, wird belohnt. Das kann auf zweierlei Weise erfolgen: Erstens könnten bestimmte begehrte Sonderausstattungen an die Erfüllung der Zielvorgaben gebunden werden, zweitens könnte ein Teil der eingesparten Spritkosten in einem "Jackpot« landen, der am Ende des Geschäftsjahrs an alle Mitarbeiter, die das Sparziel erreicht haben, abfließt. Oder es gibt pauschal einen Tankgutschein, der auch privat genutzt werden darf.

Hellwich warnt aber vor zu hohen Zielen. "Es hilft nichts, wenn die Hälfte der Mitarbeiter es nicht schafft." 80 bis 90 Prozent müssten den Bonus erreichen können, de facto schaffen es zumeist nur 50 bis 60. Hellwich kennt auch die Pervertierung solcher Systeme. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an ein Unternehmen, das als Prämie für den Sparfuchs im Fuhrpark eine Mallorcareise auslobte. "Am Ende tankte einer sogar den Lkw auf eigene Kosten auf, um die Quote zu drücken."

Übrigens löst nach den Erfahrungen des Fuhrparkberaters die Umstellung auf Elektroautos die Problematik nur marginal. "Das Problem der Reichweite führt zwar dazu, dass Mitarbeiter grundsätzlich vorsichtiger fahren, aber die Abhängigkeit von Verbrauchern wie der Klima­anlage verlangt wiederum mehr Verständnis für die Funktion." Ein weiteres Kostenproblem ist die Ladeinfrastruktur. Da es zu wenige Ladesäulen in Wohngebieten gibt, muss auf teure Schnelllader gewechselt werden. Das lässt die Energiekosten drastisch steigen.

Was macht man mit dem fahrenden Volk, das das Motivationsmodell partout nicht akzeptiert? Denkbar wäre eine Herabstufung als letzte Disziplinierung. Die sicherste Methode für niedrige Spritkosten dagegen hält Hellwich für nicht umsetzbar: "Geben Sie allen, die zu schnell fahren, ein Fahrrad."

Tanken: Auf den Zeitpunkt kommt es an

Der Gewinn liegt im Einkauf. Diese alte Handelsweisheit gilt auch für das Management der Kraftstoffkosten. Mit anderen Worten: Spritsparende Fahrweise ist gut, noch besser ist aber das Tanken zu Zeiten, in denen die Spritpreise niedrig liegen. Fuhrparkmanager sollten also ein Hauptaugenmerk darauf richten, wann ihre Mitarbeiter zur Zapfsäule fahren.

Foto: Matthias Rathmann
Wie lassen sich Mitarbeiter nun motivieren, erst nach Feierabend den Tank zu füllen?

Nach einer aktuellen Analyse des ADAC sind die Preise an der Tankstelle nur abends – relativ – günstig, frühmorgens dagegen am höchsten. Im Tagesverlauf sinkt die Preiskurve nach unten. Am günstigsten ist es zwischen 20 und 22 Uhr. Dazwischen gibt es immer wieder kleine Sprünge nach oben, und zwar meist gegen 10, 13, 16, 18 und 20 Uhr. So lässt sich viel Geld sparen: Bis zu zwölf Cent pro Liter schwankt der Preis im Tagesverlauf bei Diesel, bei Benzin maximal zehn Cent.

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Wie lassen sich Mitarbeiter nun motivieren, erst nach Feierabend den Tank zu füllen? Bisher werden Tankzeitpunkte in den Dienstwagen-Policys vieler Fuhrparks nicht berücksichtigt. Tankkarten machen ­offenbar gleichgültig, haben aber einen Vorteil: Über die Abrechnungen lässt sich ermitteln, wie hoch das Einsparpotenzial ist. Anschließend sollten Fuhrparkmanager das Personal für das Thema sensibili­sieren. Inklusive der Information, das Tanken an teuren Standorten wie etwa Autobahnraststätten möglichst zu vermeiden. Nächster Schritt ist die Einrichtung eines Bonussystems: Fahrer, die zu einem hohen Prozentsatz abends tanken, werden durch eine monatliche Prämie an der Einsparung beteiligt.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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