Ladeinfrastruktur Warum die Förderung nicht reicht

Foto: LIGHTPOET@viaCanva

Die staatliche Unterstützung für E-Dienstwagen läuft aus, während Ladeinfrastruktur in Wohngebäuden gefördert wird. Wie E-Mobilität in Deutschland wirklich vorankommen kann, erklärt der Experte Florian Lüft von Envision Digital.

Die Politik sendet widersprüchliche Signale: Um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen, müssten 90 Prozent aller Neuzulassungen reine E-Autos sein – derzeit sind es rund 20 Prozent, laut Handelsblatt.

Mehr als die Hälfte sind gewerbliche Zulassungen

Gerade Unternehmen haben in einem „Dienstwagen-Markt“ wie Deutschland, wo immer noch deutlich mehr als die Hälfte der Neuzulassungen Dienstwagen sind, einen signifikanten Einfluss darauf, dieses Ziel zu erreichen. Doch anstatt für einen gewissen Zeitraum weiterhin mit den bestehenden Förderungen für eine Beschleunigung der Absatzzahlen zu sorgen, wird im September die staatliche Förderung für den Kauf von E-Dienstwagen auslaufen. Für Unternehmen wird es damit auf den ersten Blick unattraktiver, auf E-Dienstwagen umzusteigen. Aktuell kurbelt das nahende Ende der Förderung zwar noch die Bestellungen an, aber ein abruptes Ende droht. Und die Frage drängt sich auf – ergibt das Sinn?

Keine Förderung für E-Dienstwagen, dafür in Ladeinfrastruktur

Fast im selben Atemzug wie das Auslaufen der Förderung verkündete nun aber Verkehrsminister Volker Wissing, die Ladeinfrastruktur in Deutschland wieder verstärkt unterstützen zu wollen. Der Plan: In privaten Wohngebäuden sollen mit 500 Millionen Euro Gesamtvolumen drei wichtige Aspekte der Ladeinfrastruktur gefördert werden: Ladestation, Photovoltaikanlagen sowie Speicher. Grundsätzlich ist es natürlich schön, dass Privatleute wieder beim Kauf von Ladestationen unterstützt werden. Erfreulich ist auch, dass auch Anreize gesetzt werden, das E-Auto auch mit erneuerbarem eigenen PV-Strom zu laden und diesen vor Ort zu speichern. Doch wäre es da nicht konsequenter, auch gezielt die Ladeinfrastruktur an Unternehmensstandorten weiter zu fördern? Und das Förderprogramm für Dienstwagen mit Elektroantrieb zumindest noch ein bis zwei Jahre weiterzuführen?

Das fehlt im Förderpaket von Wissing

Mit Blick auf die Erfahrungen, die wir bei Envision Digital als Spezialist für E-Ladestationen im privaten und gewerblichen Umfeld sammeln, sollten darüber hinaus im Förderpaket weitere wesentliche Punkte berücksichtigt werden:

  1. Missbrauch der Förderungen ausschließen: Nicht ausschließlich der Kauf von Ladestation, Photovoltaikanlage sowie Speicher sollte gefördert werden, sondern nur in Verbindung mit der nachweislichen Installation und Inbetriebnahme der Geräte. Hier gilt es, ein kontrollierbares System zu entwickeln und den Nutzern verlässliche Installationsbetriebe an die Hand zu geben, die schnell und zuverlässig agieren.
  2. Digitalisierung mitdenken: Im Zusammenhang mit der geförderten Hardware sollte auch die Installation von Smart Metern als Grundvoraussetzung für intelligentes Energie- und Peak-Management festgelegt werden. So kann sichergestellt werden, dass Stromangebot- und Nachfrage intelligent gemanagt und die E-Autos so kostengünstig wie möglich geladen werden können.
  3. Home Energy Management Systeme fördern: Neben Ladestationen, PV-Anlagen und Speichern werden auch Wärmepumpen für die Energieversorgung in Deutschland immer relevanter. Diese sollten von Beginn an mit bedacht werden. Auch gilt es, die intelligente Vernetzung aller Anlagen direkt anzudenken, um eine bestmögliche Steuerung und Optimierung aller Systeme zu erreichen, ähnlich wie bei einem Smart Home System.
  4. E-Pkw werden am meisten dort geladen, wo die Fahrzeuge die meiste Zeit stehen. Und das ist neben dem privaten Stellplatz eben auch der Firmenstandort. Demnach sollte die Förderung über den Tellerrand hinausgehen und Anreize dafür setzen, dass die Mitarbeiter auch an Firmenstandorten laden können. Es sollten anbieteragnostische Systeme gefördert werden, sodass die Infrastruktur zukunftssicher gestaltet werden kann und Ladevorgänge transparent eingesehen werden können.
  5. E-Mobilität und Energiewende sind untrennbar. Ein ressortübergreifender Fahrplan für die Modernisierung und den Ausbau des Stromnetzes ist unabdingbar, wenn in Zukunft die Nachfrage nach E-Ladestrom und Wärmepumpen steigt.

Henne-Ei-Problem? Ganzheitlich denken!

Die Förderung der Ladeinfrastruktur ist nur ein Bestandteil eines ganzheitlichen Turbo-Programms für die Mobilitätswende. Konsequenter wäre es, nicht nur die Infrastruktur zu fördern, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Nachfrage nach eben jenen Ladelösungen durch mehr E-Pkw auf den Straßen steigt. Denn wir brauchen beides und das gleichzeitig: Mehr E-Autos auf den Straßen sowie die passende Ladeinfrastruktur. Wichtig zu bedenken ist dabei, dass es vor allem eines Dreiklangs bedarf: Da die meisten Ladevorgänge zu Hause und am Firmenstandort stattfinden, sollten hier gerade auch Anreize für Unternehmen geschaffen werden, E-Fahrzeuge anzuschaffen und entsprechende Lademöglichkeiten am Firmenstandort zu installieren. In diesem Sinne bleibt es zu hoffen, dass das Verkehrsministerium die Verkehrswende ganzheitlicher denkt und damit in eine lebenswerte Zukunft investiert, in der wir die Mobilitätswende konsequent umsetzen.

Florian Lüft - Envision Foto: Flo Hagena / Envision
Florian Lüft ist seit 2020 Director Business Development der deutschen Niederlassung von Envision Digital, einem der führenden Greentech-Unternehmen der Welt mit Fokus auf die digitale Transformation der Energie-Branche. In dieser Position verantwortet er die strategische und operative Weiterentwicklung des Unternehmens durch das Erschließen neuer Geschäftsfelder, vor allem in den Bereichen Elektromobilität und Energiemanagement.
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