Telematik im Firmenwagen

Blackbox bremst Fahrer

Mercedes Foto: Hersteller

Ein ökologischer Fahrstil schont die Ressourcen des Flottenbetreibers. Moderne Telematiktechnik ermöglicht Einblicke in das Fahrverhalten. Auch für kleine Flotten kann sich eine Investition lohnen.

Wer ein Telematiksystem einsetzt, nutzt in rund 63 Prozent aller Fälle auch ein GPS. Das hat der Marktbeobachter Dataforce 2018 in einer Befragung von fast 24.000 Fuhrparkleitern festgestellt. Mit dem genauen aktuellen Standort können Dienstwagennutzer etwa ein elektronisches Fahrtenbuch führen. Die Telematiksysteme können aber noch viel mehr. Sie dokumentieren zu jeder Zeit den Spritverbrauch und erkennen, wann der Fahrer das vorgeschriebene Tempolimit überschritten hat. Die Systeme erfassen also den Fahrstil der einzelnen Mitarbeiter.

42 Prozent aller Unternehmen mit mittleren Flotten von 50 bis 99 Fahrzeugen nutzen bereits Telematik­systeme, so Dataforce. Der Anteil steigt stetig. Gleichzeitig zeigt die Studie: Nur zehn Prozent der kleinen Flotten setzen auf Telematik. "Perspektivisch erscheint eine Kopplung von Telematiksystemen an Versicherungstarife besonders attraktiv. Über 42 Prozent der Unternehmen, die bislang keine Telematik nutzen, könnten sich vorstellen, dies für günstigere Versicherungstarife zukünftig zu tun", so Dataforce-Analyst Nils Wehner. Doch wer als Flottenbetreiber auf die Assekuranzen setzt, der dürfte lange warten: Denn für gewerbliche Fahrzeuge bietet derzeit kein Versicherer in Deutschland einen Telematiktarif an. Zwar nutzen die Versicherer gerne die Daten für ihre Schaden- und Risikoanalyse, doch Nachlässe für den Einsatz der neuen Kontrolltechnik gibt es für Fuhrparks derzeit nicht. "Jede Flotte besteht aus einem überschaubaren Kreis von Fahrzeugen, für den wir die Prämie individuell kalkulieren. Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, in den Telematik natürlich integriert ist. Die Gegenfinanzierung von Telematik über verringerte Versicherungsbeiträge wird hingegen nicht funktionieren", erläutert Stefan Beckmeyer, Experte für Flottenversicherung bei der HDI Globale, die Versicherungspraxis. Wer bei der Versicherung sparen will, indem er seinen Fahrstil kontrollieren lässt, der kann das bisher nur für sein privat versichertes Fahrzeug machen.

Telematik im Dienstwagen ist bei Fahrern verpönt. Dabei kann sie zu mehr Sicherheit im Fuhrpark beitragen

Eine umfassende Kontrolle des Fahrstils ist aber über fest im Fahrzeug installierte Geräte möglich – auch ohne Versicherung. "Wenn Ihr Mitarbeiter immer volle Pulle fährt, dann können Sie das sehr schön über unsere RAG-Grafik sehen. Extrem steigender Verbrauch wird dann rot angezeigt", erläutert Bastian Schössow von GPS-Watch aus Kisdorf in Schleswig-Holstein. Bei ­Verizon Connect werden zum Beispiel die Geschwindigkeit, das Fahren ohne Sicherheitsgurt oder der Kraftstoffverbrauch dokumentiert und in einer Scorecard ausgewertet. "Unterstützend gibt es bei uns den Eco-Buzzer. Er gibt zusätzlich Warnsignale ab, sollte beispielsweise die Geschwindigkeit stark überschritten werden", erläutert Product Marketing Manager Stephan Hotz. Bei Masternaut werden beispielsweise harsches Anfahren und Abbremsen oder Kurvenfahrten mit zu hoher Geschwindigkeit festgehalten. Die Daten werden hier direkt aus dem Fahrzeug ausgelesen. So können Fahrer ihren Score ermitteln und ihr Fahrverhalten ändern, anpassen und verbessern. Die Kosten für Nachrüstlösungen sind überschaubar. Der Einbau kostet zwischen 60 und 150 Euro je Fahrzeug, und der Betriebsaufwand liegt je Monat und Auto zwischen 8 und 20 Euro. Auch Leasingmodelle sind möglich.

Ganz wichtig: In der Regel gibt es eine Umschaltfunktion für den Fahrer, mit der er per Knopfdruck auf Privatfahrt umstellen kann. Dann werden die Daten anonymisiert und nicht detailliert aufgezeichnet. Eine solche "Privattaste" dürfte die Akzeptanz von Telematiksystemen deutlich erhöhen. "Trotzdem muss der Mitarbeiter darüber informiert werden, dass GPS-fähige Telematik-Software in den Fahrzeugen installiert ist und genutzt wird", sagt Verizon-Manager Hotz. Es sei deshalb gängige Praxis, dass Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter eine Vereinbarung aufsetzen, die den Einsatzzweck des Systems definiert und transparent darüber informiert, welche Daten erfasst werden. Denn die moderne Technik ist für Datenschützer hochbrisant. "Kann das Unternehmen über den Spritverbrauch, das Beschleunigungs- und Bremsverhalten Rückschlüsse auf das Fahrverhalten ziehen oder gar ein Bewegungsprofil erstellen, gilt es den Datenschutz zu wahren", warnt Rechtsanwalt Lutz Fischer von der Kanzlei Fischer.Legal aus St. Augustin.

Unternehmen können oft Telematiksysteme wie etwa das Fleet.Tech Beacon von Lostnfound kostenlos und unverbindlich testen. "Unsere Fahrstilberechnungen berücksichtigen sogar externe Faktoren wie Wetterbedingungen oder Fahrten zu unterschiedlichen Tageszeiten", erläutert Daniel Thommen, Chef bei Lostn­found in München. Telematik kann sogar die Vergesslichkeit ausgleichen. So können bei Bormann die Werkzeuge per RFID-Sensorik überwacht werden. Alle Werkzeuge können mit einem Transponder ausgestattet werden. Fehlt eines beim Fahrtantritt, schlägt das System Alarm.

Zusätzlich können Unternehmen mithilfe der Telematik effektive Bonussysteme für ihre Fahrer einführen. "Das ist besonders erfolgreich, wenn man positive Reize einsetzt", sagt Winfried Nibus, Kfz-Versicherungs-Experte beim Versicherungsmakler Aktiv Assekuranz. So kann für jeden Mitarbeiter, der einen Firmenwagen steuert, ein jährlicher Bonus ausgelobt werden. Wird ein selbst verschuldeter Unfall verursacht, könnte die Hälfte dieser Summe gestrichen werden – beim zweiten Unfall die gesamte Vergütung. "Solche Aktionen erhöhen in der Regel die Sensibilität der Fahrer", meint Experte Nibus.

Fallen weniger Schäden an, hat der Unternehmer gute Karten beim Versicherungsprämienpoker am Ende des Jahres. Zudem gilt: Wird mit dem vielfach mit Firmenbeschriftung versehenen Dienstwagen nicht mehr gerast, kann das Image des Betriebes auf der Straße keinen Schaden mehr nehmen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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