Alles über Leasing-Rückgabe
Dekra-Gutachterin erfasst Fahrzeugdaten 11 Bilder Zoom

Fahrzeugrückgabe: Rückläufer: Abgerechnet wird am Schluss

Objektiv und fair sollte die Rücknahme von Leasingfahrzeugen ablaufen. Doch erst am Ende der Vertragslaufzeit zeigt sich, wie gut die Leasinggesellschaft wirklich ist.

Kratzer am Stoßfänger, Dellen an der Tür oder verschrammte Alufelgen lassen sich in der Praxis bei geleasten Dienstwagen kaum vermeiden. Das wissen auch Leasinggesellschaften und Fuhrparkmanager. Das Problem ist nur, dass diese Mängel vom Leasingkunden meist anders beurteilt werden als vom Leasinggeber. So will der Flottenchef, dass bei seinen Fahrzeugen möglichst wenig Schäden bemängelt und berechnet werden. Dem Dienstleister dagegen liegt an einer tendenziell höheren Bewertung. Ein Grund hierfür sind die teilweise zu hoch kalkulierten Restwerte. Die schmeicheln zwar der Leasingrate, doch wenn der Kunde am Ende wegen Schäden draufzahlen muss, kommt das böse Erwachen.

"In den letzten Wochen sind die Gebrauchtwagenmärkte unter Druck geraten. Umso wichtiger, dass die Leasinggesellschaft realistisch kalkuliert hat. Sonst bleibt für Kulanz kein Spielraum", sagt Michael Velte, Geschäftsführer der Deutschen Leasing Fleet und Vorsitzender des Verbands markenunabhängiger Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF). Manche Leasinggeber wollen durch Nachforderungen ihre Verluste teilweise auffangen. Doch was sind normale Abnutzungsspuren, was echte Schäden?

Zertifizierte Richtlinien gehören zum Standard

Vor allem bei Lackierung, Karosserie und Verglasung gehen die Meinungen weit auseinander. Hier hilft größtmögliche Transparenz. Deshalb legen die meisten Leasinggesellschaften bei Vertragsbeginn offen, welche Schäden am Schluss als hinnehmbare Gebrauchsspuren durchgehen und für welche Schäden der Kunde zur Kasse gebeten wird. Definierte und zertifizierte Richtlinien gehören mittlerweile zum Standard.

Schadenkataloge sorgen für Transparenz

Sei es nach Vorgaben der Dekra oder den Richtlinien des VMF. Bei beiden bildet ein definierter Schadenkatalog das Herzstück. Er legt fest, wie bestimmte Mängel am Dienstwagen einzustufen sind. In der Regel unterscheiden die Schadenkataloge zwischen Laufleistung sowie dem Alter entsprechenden Gebrauchsspuren, die somit nicht gesondert berechnet werden. Dazu werden kleinere Macken aufgelistet, die sich anteilig wertmindernd auswirken, sowie Schäden, die dem Leasinggeber zu hundert Prozent angerechnet werden. Oberflächige Kratzer am Stoßfänger etwa kosten nichts extra, verschlissene Bremsbeläge fallen anteilig ins Gewicht. Für eine verschrammte Alufelge muss der Kunde dagegen aufkommen.

Internetbasierter Rücknahmeprozess

Beim eigentlichen Rückgabeprozess geht Branchenprimus VW Leasing einen Schritt weiter. Das Unternehmen hat einen komplett internetbasierten Rücknahmeprozess eingeführt. Das System steht allen Händlern über ein Serviceportal zur Verfügung. Auf Basis des Schadenkatalogs nimmt der Händler gemeinsam mit dem Kunden per iPad den Fahrzeugzustand auf – einschließlich Fotoaufnahmen. Das Gutachten geht dann ohne Zeitverlust online an die Leasinggesellschaft. Doch trotz maximaler Transparenz kommt es vielerorts zu Problemen. Zwar sind Mängel und Schäden fein säuberlich aufgelistet, doch in welcher Höhe sie letztlich zu Buche schlagen, ist nicht immer festgelegt.


Trotz detailliertem Schadenkatalog bleibt genügend Spielraum bei der Schlussabrechnung

Die eigentliche Nachbelastung ergibt sich aus drei Schritten: Zuerst legt der Gutachter laut Schadenkatalog den Mangel und die Reparaturkosten des Schadens fest. Im zweiten Schritt ermittelt die Leasinggesellschaft den sogenannten Minderwert, also die Schadenhöhe, die angesetzt wird, wenn Laufleistung und Alter des Autos berücksichtigt werden. Grund: Der Leasingnehmer muss nicht die Kosten erstatten, die für die Reparatur des Schadens anfallen, sondern lediglich den Betrag, um den der Wert des Fahrzeugs sinkt. Im letzten Schritt entscheidet die Leasinggesellschaft dann, in welcher Höhe der Minderwert dem Kunden in Rechnung gestellt wird.

"Um Schäden und Mängel an Leasingrückläufern sowie den entsprechenden Reparaturbedarf richtig einschätzen zu können, ist eine solide Ausbildung der Gutachter zwingend", sagt Rainer Schwer von Dekra Automobil. Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter die kostengünstigste fachgerechte Reparaturform empfehlen. Für die Mitarbeiter der Sachverständigenorganisation gilt der Meistertitel in einem fahrzeugtechnischen Beruf als Voraussetzung. "Darüber hinaus stehen jedes Jahr mehrere spezielle Fortbildungstage auf dem Programm", erläutert Schwer.

Was bringt die Rücknahmepauschale?

Damit die Rücknahme nicht zum kostspieligen Nachspiel mutiert, haben einige Leasinggesellschaften eine Rücknahmepauschale im Portfolio. Hier bezahlen Flottenbetreiber zusätzlich zur Leasingrate eine fixe Gebühr. Mit dieser sind dann vorher definierte Schäden bei Vertragsende abgedeckt. Allerdings drängt sich hier die Frage auf, wie sinnvoll dieser Schutz ist. Letztlich ist es lediglich eine Umverteilung der ohnehin entstehenden Kosten. Vor teuren Nachzahlungen schützt diese Möglichkeit nur bedingt. In den meisten Fällen sind ohnehin nur typische Rücknahmeschäden abgedeckt. Nur was hilft wirklich, um am Vertragsende nicht als Verlierer dazustehen? Vor allem gilt: Flottenchefs sollten vor der Vertragsunterzeichnung die AGB und das Rücknahmeprozedere genau unter die Lupe nehmen.

Bei überzogenen Nachzahlungen Gutachter beauftragen

Wer die Nachzahlungen für überzogen hält, sollte nicht zögern, einen weiteren Gutachter zu beauftragen. Die Kosten dafür muss zwar der Leasingnehmer bezahlen, doch unterm Strich kann sich das oft lohnen. Eine weitere Möglichkeit ist, die festgestellten Schäden nach dem Gutachten in Eigenregie beheben zu lassen. Dekra-Experte Schwer sieht das jedoch kritisch: "Hier kann es Probleme geben. Entweder erlaubt die Leasinggesellschaft eine Reparatur im Nachhinein nicht oder die Autos werden an zentralen Sammelstellen untersucht und gehen sofort im Anschluss in den Verkauf", sagt Schwer. Besser ist es vor der Rückgabe einen Zustandsbericht vom Sachverständigen anfertigen zu lassen und dann zu entscheiden, ob das Fahrzeug im Vorfeld repariert werden soll.

Doch egal wie fair, kulant oder transparent die Rückgabe verläuft – Flottenbetreiber fahren immer noch am besten, wenn sie ihre Fahrer anhalten, pfleglich mit ihren Dienstwagen umzugehen. Wer keinen Schaden verursacht, zahlt auch nicht. "Schlüssel oder Navi-DVDs verlieren muss und darf nicht sein. Alles, was fehlt, wird dem Kunden belastet", sagt Schwer. Auch nicht gereinigte Fahrzeuge bei der Rückgabe vorzufahren ist tabu. Hier könnten Bonus-Malus-Systeme sehr nützlich sein.

Worauf man achten sollte, damit es bei der Rückgabe keinen Ärger gibt

  • Zertifizierter Rückgabeprozess: Wählen Sie bei Vertragsabschluss eine Leasinggesellschaft, die bei der Rückgabe auf zertifizierte Prozesse setzt.

  • Rückgabepauschale: Prüfen Sie, ob für einzelne Dienstwagen eine Rückgabeversicherung/-pauschale infrage kommt. Das hängt wesentlich von der Einsatzart des Fahrzeugs ab.

  • Zubehör: Verlorenes Zubehör wie fehlende Ersatzschlüssel, Navigations-DVDs, Radiocodes oder gar mobile Anhängekupplungen kosten bei der Rückgabe richtig viel Geld.
  • Reinigung/Aufbereitung: Es lohnt sich auf jeden Fall, das Fahrzeug gründlich gereinigt zurückzugeben. Zusätzlich ist der Dienstwagen vor dem Gutachten genau unter die Lupe zu nehmen. Ein Zustandsbericht (Kosten: ca. 60 Euro) vom Sachverständigen hilft bei der Entscheidung, ob und welche Schäden vor der Rückgabe behoben werden sollen. Häufig lohnt es sich, kleinere Schäden per Smart Repair entfernen zu lassen.

  • Dokumentation: Achten Sie darauf, den Fahrzeugzustand bei der Übergabe genau zu dokumentieren. Sonst laufen Sie Gefahr, auf eventuell später entstandenen Schäden sitzen zu bleiben. Dazu gehören neben kilometerstand, Datum und Zeit auch der Zustand des Fahrzeugs bei der Übergabe.

  • Übergabe: Der Dienstwagenfahrer sollte bei der Übergabe auf jeden Fall dabei sein und das Übergabeprotokoll sorgfältig prüfen, bevor er seine Unterschrift darunter setzt.

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

22. Februar 2012
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