Alles über Elektroautos im Praxistest
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Fahrbericht: Nissan Leaf: Unterwegs im neuen Nissan Leaf

Neuauflage des ersten Großserien-Elektroautos: Der Nissan Leaf bietet jetzt mehr Platz, mehr Reichweite und wurde etwas billiger.

Wer Elektromobilität in der Praxis erleben möchte, muss nach Norwegen reisen. Die Skandinavier fördern E-Autos mit Steuersubventionen, freier Fahrt auf Busspuren und kostenlosem Strom. Stromer gehören in Oslo zum Straßenbild, Ladestationen gibt es an jeder Ecke. Renault Fluence Z.E., Citroen C-Zero, Peugeot iOn – dort fahren sie nicht im Dutzend, sondern gleich in Hundertschaften. Und natürlich auch der Nissan Leaf, von dem die Japaner über 4.000 Stück nach Norwegen geliefert haben. Im ersten Quartal 2013 stellte der Nissan dort sogar jeden sechsten Neuwagen.

Jedes Navisystem liefert Fahrzeugdaten an die Nissan-Zentrale

Insgesamt hat Nissan in zweieinhalb über 60.000 Leaf weltweit verkauft, 10.000 davon in Europa. Dabei trug jeder Fahrer dazu bei, dass die jetzt vorgestellte zweite Generation ein Stück besser wurde. Denn über das bordeigene Navigations- und Telematiksystem sendet jedes Auto anonymisierte Daten über Nutzung, Ladegewohnheiten und Batteriezustand an Nissan. Daten aus 288 Millionen Fahrkilometer, die in der Zentrale ausgewertet werden.
Außerdem haben die Techniker bei der Modellpflege Wünsche der Fahrer umgesetzt. So erleichtert beispielsweise eine helle LED-Leuchte am Steckdosenanschluss das Nachladen im Dunkeln. Die meisten der rund 100 Änderungen verstecken sich allerdings unter dem Blech. „Man könnte es mit der Einführung des iPad vergleichen“, sagt Marken-Manager Gareth Dean. „Die erste Generation war eine Revolution, die zweite eine kaum noch sichtbare Evolution.“

Der Nissan Leaf unterwegs in den Straßen von Oslo.


So entsteht ein neuer Nissan Leaf.

Der Kofferraum fasst 370 Liter – das reicht für den Alltag

Dazu gehört auch, dass der Inverter – ein aktentaschengroßer Kasten, der den Gleichstrom der Akkus in Wechselstrom für den E-Motor wandelt – aus dem Kofferraum auszog und vorne am E-Motor andockte. Mit der Folge, dass der Kofferraum um fast 15 Prozent größer wurde und sich mit 370 Litern durchaus mit konventionellen Autos der Kompaktklasse messen kann. Außerdem ergibt sich jetzt bei umgelegter Rückbank ein ebener Ladeboden.
Genügend Platz also, um unser Gepäck zu verstauen, bevor wir uns in Oslo lautlos unter die anderen Stromer mischen. Am Antrieb selbst hat sich wenig geändert. Herzstück ist ein 109 PS starker Synchronmotor, der den 4,44 Meter langen Leaf in gut elf Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. In der Praxis bedeutet dies: Zugkraft in allen Lebenslagen, selbst auf der Autobahn, wo sich der 144 km/h schnelle Leaf durchaus auf der Überholspur tummeln kann.

Eco-Knopf drosselt den Nissan Leaf

Wir wollen es aber gemächlich angehen lassen, drücken den Eco-Knopf auf dem Lenkrad, der den Vorwärtsdrang spürbar dämpft und die Heizung drosselt, dafür aber Reichweite bringt. Schon die ersten Kurven in Richtung Olympiaschanze auf dem Holmenkollen nimmt der Nissan richtig schwungvoll. War der erste Leaf noch ein echt japanisches Auto, wird die zweite Generation nun in Sunderland gebaut und auf europäische Straßen und höheres Kurventempo hin abgestimmt. Im Vergleich zum Vorgänger liegt Nummer 2 spürbar satter auf der Straße, fährt sich direkter.

Ausstattung und Fahrwerk für den europäischen Geschmack

Auch der Innenraum soll den europäischen Geschmack besser treffen. So gibt es statt cremefarbener wahlweise schwarze Sitze. Was nichts daran ändert, dass sie immer noch zu kurz sind und zu wenig Seitenhalt bieten. Damit kann man aber leben, ebenso mit der etwas synthetischen Lenkung. Wichtiger ist, dass Nissan statt des Einheitsprogramms nun mehrere Ausstattungsversionen einführt. Unter anderem ein Basismodell, das den Einstiegspreis um 3.360 Euro auf 24.950 Euro senkt. Wer auf Nummer sicher gehen will, bezahlt nur 20.000 Euro und least die Batterie für 66 Euro pro Monat.
Wir aber sind mit der besseren Acenta-Ausstattung (27.470 Euro) unterwegs. Das serienmäßige Navigerät mit Rückfahrkamera lotst uns zielstrebig aus  Oslo hinaus und zeigt uns die vielen Ladestationen an. Kommen neue hinzu, werden die Standorte europaweit online ins System übertragen. Überhaupt ist das Telematiksystem Dreh- und Angelpunkt des Leaf. Per App auf dem Smartphone kann der Fahrer sein Auto programmieren, es vorheizen, den Ladezeitpunkt einstellen oder sich auf der Karte den Radius der Restreichweite darstellen lassen.

Die starke Motorbremse schont Bremsbeläge

Kalt ist es Ende April in Oslo. Doch im Auto ist davon nichts zu spüren. Die Klimaanlage heizt nicht schlechter als in einem Auto mit Verbrennungsmotor und die Lenkradheizung sorgt für warme Hände. Obwohl der Motor auf der steilen Straße zum Holmenkollen hoch also kräftig Strom zieht, nimmt die angezeigte Restreichweite kaum ab. Theoretisch soll der neue Stromer dank Feinschliff am Motor und der bis zu 70 Prozent sparsameren Heizung 199 anstatt 175 Kilometer weit kommen. Das haben wir zwar nicht geschafft, aber mit jedem Kilometer, den wir im neuen Bremsmodus „B“ anschließend wieder hinunter in die City rollen, steigt die prognostizierte Restreichweite sogar. Die Motorbremse spricht stark an und lädt dabei die Batterie. So müssen wir auch bei starkem Gefälle kaum das Bremspedal bemühen – das ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus effektiv und schont die Bremsbeläge. Nach 60 Kilometern rund um Oslo haben wir trotz der frostigen Temperaturen noch Saft für weitere 80 Kilometer.
Entspannt rollen wir auf der Busspur am Stau vorbei gen Innenstadt, genießen Musik aus dem Soundsystem von Bose und lassen uns zur nächsten freien Schnellzapfsäule lotsen. 15 Minuten dauert es, um das Auto mit Starkstrom auf 80 Prozent zu laden. Das reicht für einen schnellen Kaffee. Den können wir uns selbst in der teuersten Stadt der Welt leisten. Denn E-Autos tanken hier kostenlos.

Teuer? Schon, aber…

25.000 Euro kostet der Leaf, in der empfehlenswerten Acenta-Ausstattung sogar rund 27.500 Euro. Doch der hohe Anschaffungspreis relativiert sich auf den zweiten Blick. Denn der Käufer bekommt ein Auto samt Klimaautomatik, Automatikgetriebe, Navigation und Sitz- sowie Standheizung. Ein vergleichbar ausgestatteter fünftüriger VW Golf 1.2 TSI mit 122 PS kostet  ebenfalls etwa 25.000 Euro. Der Leaf jedenfalls ist ein vollwertiger Fünfsitzer mit allen Funktionen, die ein Firmenwagen benötigt. Und gut 150 Kilometer Reichweite reichen für Fahrten im urbanen Umfeld völlig aus.

Autor

Foto

Nissan

Datum

2. Mai 2013
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