Best Practice E-Mobilität

So hält der Stromanschluss durch

Foto: www.maks-richter.com

Der Stuttgarter Flughafen setzt schon lange auf Elektromobilität. Jetzt hilft ein neuartiges und preisgünstiges Lastmanagement von Mahle Charge Big dabei, dass das Stromnetz nicht einknickt.

Ein Flughafen ist ein Schaufenster multimodaler Mobilität: Personen reisen mit dem eigenen Auto, einem Taxi, dem Zug oder mit einem Flugzeug an, um einen anderen Ort in der Welt durch die Lüfte zu erreichen. Und auch der Flughafenbetrieb selbst erfordert zahlreiche Fahrzeuge: Passagiere werden mit dem Bus vom Terminal zum Flugzeug gebracht, das Gepäck muss denselben Weg auf Transportwagen überbrücken, und nicht zuletzt müssen Schlepper die großen Flugzeuge auf ihre Parkposition bringen.

Hier hat der Stuttgarter Flughafen schon vor Jahren eine Pionierrolle eingenommen und auf Elektrofahrzeuge gesetzt. Seit vergangenem Jahr sind alle Busse und Schlepper auf dem Rollfeld elektrisch angetrieben. Ihr Profil mit hoher Auslastung und kurzen Strecken sei dafür ideal, sagt Elias Siehler vom Flughafen Stuttgart.

60 elektrische Poolautos, eigenes Stromnetz

Er ist auf der anderen Seite des Terminals für die Ladeinfrastruktur zuständig. Etwa 60 Poolautos sind im Pkw-Fuhrpark schon elektrisch, mit den Plug-in Hybriden der Abteilungsleiter sind es einige mehr. Da sind genügend Ladepunkte die Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Betrieb. »Unsere Energietochter stellt unser eigenes Stromnetz, darin haben wir etwa 190 Ladepunkte. Davon betreiben wir 140 selbst, und davon wiederum sind 37 im öffentlichen Bereich«, sagt Siehler. Künftig sollen noch einmal gut 60 Stück für den internen Bedarf dazukommen. Trotzdem soll das eigene Stromnetz dafür nicht ausgebaut werden.

Schon jetzt produzieren großflächige Fotovoltaikanlagen regenerativen Strom, ein Blockheizkraftwerk mit Gas stemmt die Grundlast, die Emissionen gleicht das Unternehmen mittels Zertifikaten aus. Die Netzlast liegt derzeit bei ungefähr sieben Megawatt. Schon heute ist aber eine Ladeleistung von 3,5 Megawatt installiert. Wenn alle Ladesäulen gleichzeitig mit maximaler Leistung genutzt werden, könnte es zu Problemen in der Netzauslastung kommen. Zwar gibt es ein Lastmanagement, das Kältemaschinen zu Spitzenzeiten drosselt, auch gibt es Notstromdiesel­aggregate, doch sind bisher circa 90 Prozent der Lade­infrastruktur nicht von diesem System geregelt.

Mahle Charge Big: Ein Schaltschrank steuert 36 Ladepunkte

Jetzt will der Flughafen noch mehr Ladepunkte schaffen. Bei der derzeitigen Ausbaugeschwindigkeit werde in ein paar Jahren die Ladeleistung ebenso hoch sein wie der maximale Strombezug der übrigen Verbraucher, so Siehler. Damit das Stromnetz unter der neuen Belastung nicht zusammenbricht, musste ein Lastmanagement her. "Wir haben uns auf dem Markt umgeschaut, und zu dem Zeitpunkt war das dynamische Lademanagement von Charge Big einzigartig", sagt Siehler. Charge Big ist ein noch junges Angebot des Automobilzulieferers Mahle, der ebenfalls aus Stuttgart kommt. Das System regelt die Ladepunkte so, dass das Stromnetz nicht überlastet wird. Ein Schaltschrank kann bis zu 36 Ladepunkte ansteuern, die jeweils bis zu 7,2 kW an die eingesteckten Autos liefern. So können während einer längeren Standzeit sehr viele Autos gleichzeitig geladen werden, ohne dass die Stromversorgung unter zu hoher Leistungsanforderung kollabiert. Optimal für Kunden und Poolfahrzeuge, die häufig länger am selben Ort stehen.

Elias Siehler, Nicole Heinrich Foto: Thomas Küppers
Elias Siehler (Flughafen Stuttgart) und Nicole Heinrich (Charge Big).

Am Flughafen sind mit dieser Technik gut 60 weitere Ladepunkte geplant, die ersten sind schon im Einsatz. Dabei eignet sich Charge Big nicht nur für der­artige Sonderfälle mit eigenem Stromnetz. "Hat beispielsweise ein Logistikdienstleister nur einen begrenzten Hausanschluss und kann er diesen nicht ausbauen, da er seine Immobilien mietet, so ist ein Lastmanagement notwendig", sagt Nicole Heinrich aus dem Vertrieb von Charge Big. Kommen jeden Tag 20 Elektroautos nach Dienstschluss in den Betrieb und verlassen ihn erst am nächsten Morgen wieder, bleibt genug Zeit zum Nachladen.

Anschlussleistung soll gleich bleiben

Das Lastmanagement sorgt dabei für eine geringere Stromnetzbelastung. Außerdem lässt es sich in die bestehende Gebäudeleittechnik oder das Gebäude­management integrieren. "Durch das dynamische System können wir unseren Trafo sehr gut auslasten und kommen trotz der begrenzten Leistung auf eine hohe Anzahl von Ladepunkten", fasst Elias Siehler vom Stuttgarter Flughafen die Vorteile für sich zusammen.

Denn die hohe Anzahl von Ladepunkten braucht der Flughafen auch in seinen Parkhäusern. Schon heute kommen überdurchschnittlich viele Fluggäste mit dem Elektroauto. Angst, dass die dann einen Ladepunkt lange blockieren, hat Siehler nicht. "Wir haben uns die Parkvorgänge angeschaut. Das Höchste waren mal neun Tage, aber durchschnittlich stehen die Autos eher einen Tag, an den Schnellladestationen etwa eine halbe Stunde." Das wiederum reicht aus, um einen Akku vollzubekommen. Und für die, die es besonders eilig haben, weil sie nur für einen Stundentermin nach Hamburg und zurück fliegen, gibt es auch einige Schnellladesäulen im Angebot.

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