Firmenwagen mit Brennstoffzellenantrieb Maximator Hydrogen fährt mit Wasserstoff

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Neben der gewaltigen Elektro-Offensive gehen die anderen alternativen Antriebsarten fast unter. Dass auch Brennstoffzellenautos als Geschäftswagen funktionieren, zeigt Maximator Hydrogen in Thüringen.

Die Verhältnisse zwischen Elektro- und Wasserstoffmobilität scheinen klar. Allein fast 60.000 öffentliche E-Ladesäulen in Deutschland sprechen gegenüber den rund 100 Wasserstofftankstellen eine überdeutliche Sprache. Doch Experten und Bundesregierung versprechen sich von der Brennstoffzellentechnologie viel für die Zukunft. Darauf setzt auch Maximator Hydrogen. Das junge Unternehmen in Thüringen baut Wasserstofftankstellen und hofft auf einen kräftigen Absatzschub bei Brennstoffzellenautos. Selbst wenn es momentan mit Toyota Mirai und Hyundai Nexo gerade mal zwei Modelle auf dem Markt gibt.

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Die finden sich beide auch im Fuhrpark von Maximator Hydrogen. Aktuell, so Geschäftsführer Mathias Kurras, besteht der gesamte Fuhrpark aus rund 190 Fahrzeugen. Gut 25 Prozent davon haben einen alternativen Antrieb. Die teilen sich auf 10 E-Autos, 20 Hybride sowie 21 Fahrzeuge mit einer Brennstoffzelle auf. Letztere verteilen sich derzeit auf zehn Hyundai Nexo und seit Kurzem elf Toyota Mirai. Der Anteil der Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor soll weiter gesteigert werden: In zwei Jahren soll schon jedes zweite Auto im Fuhrpark einen alternativen Antrieb haben, in drei bis vier Jahren soll die Quote bei 75 Prozent liegen.

Foto: Maximotor Hydrogen
"Ich fahre 4.000 Kilometer pro Monat. Wenn das nicht funktioniert, würde ich kein Brennstoffzellenauto nehmen.": Mathias Kurras, Geschäftsführer Maximator Hydrogen

Ein Brennstoffzellenantrieb passt nicht für jeden Einsatz

»Wir wollen den Anteil an Wasserstofffahrzeugen in Zukunft natürlich noch weiter ausbauen. Vorerst werden wir aber auch auf E-Fahrzeuge setzen. Schließlich müssen die individuellen Bedürfnisse im Fuhrpark berücksichtigt werden«, sagt Kurras. Themen wie Reichweite und Lademöglichkeiten könne man im Alltag nicht einfach unter den Tisch kehren. Der Fokus aber liegt auf Brennstoffzellenautos. Schließlich sind die es, die den Absatz der Wasserstofftankstellen ankurbeln.

Das junge Unternehmen ist zwar erst drei Jahre alt, hat aber schon 25 Stationen fa­briziert und ausgeliefert, zwölf davon in den derzeitigen Kernmarkt Schweiz. Aber das Unternehmen will noch mehr Gas geben. Allein am Standort Nordhausen sind über 100 Mitarbeiter beschäftigt. Gerade wird ein neues Bürogebäude gebaut, um in drei Jahren 200 Mitarbeiter unterzubringen.

Die Produktion des Unternehmens sei für bis zu 250 Tankstellen pro Jahr ausgelegt. Abnehmer und Interessenten gebe es in ganz Europa. Als Nächstes sollen die USA als Markt erschlossen werden. Bis 2030 will Maximotor rund 4.000 Wasserstofftankstellen betreiben. Mit der aktuellen Technik kann jede Station täglich bis zu 100 Brennstoffzellenautos versorgen.

Foto: Toyota
"In Sachen Reichweite, Gewicht und Tankgeschwindigkeit hat die Brennstoffzelle Vorteile gegenüber dem E-Antrieb": Franz Ferry, Director Hydrogen Affairs bei Toyota

Mit dem bestehenden Tankstellennnetz kann man schon gut leben

Diese Kapazität soll laut Kurras aber schon bald um das Fünffache wachsen. Und wo wie in der Schweiz höhere Speicherdrücke erlaubt sind, können schon jetzt täglich 700 Autos Wasserstoff tanken. Das schnelle Tanken sieht Kurras als größten Vorteil gegenüber E-Autos. Fünf Kilogramm Wasserstoff – genug für gut 500 Kilometer – in die Hochdrucktanks eines Brennstoffzellenautos zu pressen, dauert nur rund drei bis vier Minuten. Für die Tankanlagen könne die bereits vorhandene Tankinfrastruktur verwendet werden. »Es müssen nicht Tausende neuer Ladeparks und Ladestationen aus dem Boden gestampft werden.

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«Ob Elektro- oder Wasserstoffantrieb die richtige Lösung ist, kommt natürlich auf den Anwendungsbereich an. Entscheidend, so der Maximator-Chef, sei nicht nur die Reichweite, sondern die gesamte Fahrleistung. Ist ein Außendienstler täglich 125 Kilometer unterwegs, sei die Brennstoffzellentechnik gegenüber den reinen Stromern schon heute im Vorteil. Kurras selbst spult mit seinem Firmenwagen geschäftlich rund 4.000 Kilometer pro Monat ab. »Das würde ich nicht mit einem Brennstoffzellen­fahrzeug machen, wenn es nicht schon jetzt gut funktionieren würde. Natürlich muss ich meine Routen etwas planen.

Brennstoffzellenauto Toyota (Mirai)
In der Zukunft angekommen

Aber wenn ich zwischen Start- und Zielort mindestens eine Tankstelle habe, dann ist das Fahren mit Wasserstoff schon heute völlig entspannt und problemlos. Und schon in naher Zukunft wird es mehr Stationen geben.« Natürlich sei er von der Technik überzeugt. Aber den Hyundai Nexo und den Toyota Mirai fährt Kurras auch, um die Anforderungen der Technik besser zu verstehen und aus den Erfahrungen zu lernen.

Hyundai Nexo mit Brennstoffzelle
Wasser marsch

Ein Thema, mit dem sich auch Franz Ferry, europäischer Director Hydrogen Affairs von Toyota, beschäftigt. Toyota forscht seit Langem an der Brennstoffzelle. Der Mirai ist bereits in zweiter Generation auf der Straße unterwegs. Laut Ferry hat die Technologie in den letzten Jahren einen riesigen Sprung gemacht.

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»Die Motoren des neuen Mirai sind 20 Prozent kleiner, bringen aber mehr Leistung und verbrauchen weniger.« Das könnte der Technik weiteren Auftrieb geben. Die Entwicklung sei noch lange nicht am Ende. »In Zukunft werden wir die Leistung noch weiter erhöhen und den Verbrauch senken.«

E-Auto oder Brennstoffzelle? Diese Frage stellt sich nicht

Dass die Brennstoffzelle den Elektroantrieb verdrängen wird, daran glaubt aber sowohl Kurras als auch Ferry nicht. Aber beide sind sich einig, dass der Wasserstoff in Zukunft eine sinnvolle Ergänzung ist, die je nach Anwendungsprofil ihre Vorzüge hat. Für Kleinwagen zum Beispiel eignen sich Wasserstoffantriebe laut Ferry nicht, schon wegen der großen Tanks. »Aber in fast allen anderen Bereichen hat die Brennstoffzelle Vorteile. Sowohl in Sachen Reichweite und Gewicht als auch bei der Tankgeschwindigkeit.«Darüber hinaus werde Strom in Europa auch in absehbarer Zeit nicht zu 100 Prozent grün sein.

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Auch Deutschland muss grünen Strom teilweise importieren. Damit relativiere sich der vermeintliche Vorteil der Stromer gegenüber dem Wasserstoff schon deutlich, glaubt Ferry. Das sieht man auch bei Maximator Hydrogen so. Und deshalb sollen künftig nicht nur die Kollegen des Außendiensts ihre Kunden im Brennstoffzellen-Pkw besuchen. Als nächstes Projekt will Kurras nämlich auch die Nutzfahrzeuge der Firma auf Wasserstoff umstellen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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