Dienstwagenordnung bei Faurecia

Diesel ade

Elektrischer Fuhrpark Foto: Alphabet

Faurecia liefert Komponenten für die E-Mobilität. Da ist es nur konsequent, wenn die Mitarbeiter elektrifizierte Firmenwagen fahren. Dazu musste die Car Policy geändert werden.

Michael Oberhansberg hat seit Anfang März einen neuen Dienstwagen. "Vorher bin ich einen Mercedes GLC gefahren, jetzt einen Volvo XC 90 T8", sagt der 50-jährige Manager des französischen Automobilzulieferers
Faurecia. Für den Plug-in Hybriden entschied er sich aus zwei Gründen: "Ich wollte einen SUV wegen der hohen Sitzposition und dem bequemen Einsteigen. Außerdem bin ich als Jäger gelegentlich im Gelände unterwegs – das geht nur mit einem geländegängigen Fahrzeug."

Dass sein neuer Firmenwagen von einem Plug-in Hybridmotor angetrieben wird, hat ebenfalls zwei Gründe. Zum einen absolvierte Oberhansberg als Diplom-Ingenieur an der RWTH Aachen ein betriebswirtschaftliches Zusatzstudium und beschäftigte sich in seiner Abschlussarbeit mit alternativen Antriebstechnologien im Verkehr. "Seitdem habe ich das Thema stets verfolgt und wollte nun selbst ein Elektroauto erfahren." Die Gelegenheit war günstig: Sein Arbeitgeber Faurecia fördert die Elektromobilität mit einer neuen Dienstwagenrichtlinie. Von der profitiert Oberhansberg mit seinem Volvo finanziell. Das ist sein zweiter Grund.

Konsequent: E-Autos in der Flotte eines Elektrozulieferes

Andreas Marti Foto: Faurecia
"Um als Firma glaubwürdig zu sein, sollten wir in unserem eigenen Fuhrpark elektrische Fahrzeuge nutzen." Andreas Marti, Arbeitsdirektor Faurecia Deutschland.

Faurecia ist ein international tätiger Automobilzulieferer mit Zentrale nahe Paris und weltweit 122.000 Beschäftigten. 7.000 davon arbeiten an rund 30 Standorten in Deutschland. Ein Geschäftsbereich heißt Clean Mobility und entwickelt unter anderem Batterie-Thermomanagement für Elektroautos. "Wenn wir unseren Kunden künftig mehr und mehr Lösungen für die Elektromobilität anbieten, sollten wir in unserem eigenen Fuhrpark ebenfalls elektrische Fahrzeuge nutzen. Um Emissionen zu reduzieren, aber auch, um als Firma glaubwürdig zu sein", sagt Andreas Marti, Arbeitsdirektor von Faurecia Deutschland.

Um die 500 Autos hat das Unternehmen im Fuhrpark. Ein paar wenige Poolfahrzeuge für Werksfahrten, die allermeisten fest zugeteilte Firmenwagen. Bis Ende 2018 fuhr Faurecia fast ausschließlich Diesel. "Dann haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir unseren Fuhrpark elektrifizieren und damit einen Beitrag für saubere Luft leisten können", blickt Marti zurück. Daraus entstand die neue Dienstwagenrichtlinie, die Anfang dieses Jahres in Kraft trat.

"Sie fördert Plug-in Hybriden, E-Autos und alles, was damit zusammenhängt, etwa die Ladeinfrastruktur", fasst Gabriel Hackel zusammen. Der Manager Compensation & Benefits ist auch zuständig für die Dienstwagenregelung. Das Unternehmen erhöhte die Leasingbudgets der Mitarbeiter, weil Elektroautos teurer sind als Verbrenner und die Ladeinfrastruktur beim Mitarbeiter in die Leasingrate einfließt. Die Höhe der Rate hängt von dem Verantwortungsbereich des Mitarbeiters ab und beträgt durchschnittlich 800 Euro. "Wer ein Auto mit zu hohem CO2-Ausstoß fährt, dessen Rate wird um bis zu 100 Euro gekürzt. Für Autos mit niedrigen Emissionen gibt es bis zu 150 Euro Bonus", so Hackel. Der Mitarbeiter könne das Geld für eine bessere Ausstattung nutzen.

Für Umsteiger gibt's einen Bonus

Die höhere Rate war nötig, damit die Mitarbeiter überhaupt auf Elektrofahrzeuge umsteigen. Der Bonus ist ein weiterer Anreiz, ebenso die Halbierung der Dienstwagensteuer. Seit Jahresbeginn müssen Fahrer von elektrifizierten Firmenwagen nur noch den halben Bruttolistenpreis versteuern. Das allein spart bei einem Elektroauto monatlich schnell 300 bis 400 Euro.

Die neue Richtlinie regelt auch das Laden der Stromer. "Wir wollen zunächst unsere drei Standorte Stadthagen, Augsburg und Hagenbach mit Ladestationen ausstatten. Erste Aufträge wurden bereits erteilt", kündigt Hackel an. Dort seien die meisten Dienstwagen stationiert.
Dann sollen die nächstgrößeren Niederlassungen folgen. Faurecia prüft bei jedem Fahrer, ob eine Wallbox installiert werden kann. Wenn ja, übernimmt das Unternehmen die Kosten und bezahlt auch den zu Hause und am Arbeitsplatz geladenen Strom.

Gabriel Hackel Foto: Faurecia
"Wir bezahlen Mitarbeitern bis zu 150 Euro Bonus, wenn sie ein Auto mit niedrigen Emissionen wählen." Gabriel Hackel, Manager Compensation & Benefits, Faurecia.

Bei Oberhansberg war die Installation einer Wallbox im Carport möglich. "Die Box ist schon da, demnächst wird sie der Elektriker anschließen." Der Manager bekommt ein intelligentes Ladekabel, das sein Auto erkennt und den geladenen Strom exakt erfasst. So wird sichergestellt, dass kein anderes Auto auf Kosten von Faurecia lädt.

An den Ladestationen auf dem Firmengelände fließt ausschließlich Ökostrom. Dass die Mitarbeiter zu Hause auch regenerativ erzeugten Strom nutzen, kann Faurecia nicht bestimmen. Aber wenigstens speist das Unternehmen dann als Kompensation dieselbe Menge an grünem Strom ins Netz ein.

"Wir suchen gemeinsam mit unseren Partnern bei jedem Mitarbeiter eine geeignete Lösung. Müssen aber beispielsweise 100 Meter Kabel gelegt oder dicke Wände durchbrochen werden, kann man eben keine Wallbox installieren", sagt Hackel. Schwierig wird es auch bei Immobilien im Gemeinschaftseigentum. Dort müssen derzeit noch alle Miteigentümer zustimmen. Allerdings plant der Gesetzgeber, diese strikte Regelung zu lockern. Die Ankündigung von Verkehrsminister Andreas Scheuer, eigene Ladestationen bei allen Bürgern zur Hälfte zu fördern, begrüßt Faurecia deshalb. "Auch für uns als Unternehmen wäre es von Vorteil, wenn der Staat einen Teil der Kosten für die Wallbox übernehmen würde", meint Hackel.

Was Faurecia die neue Car Policy kostet, will er nicht verraten. Um sie umzusetzen, nutzt Faurecia die Dienste von Alphabet als langjährigem Leasingpartner und dessen Kooperationspartner Digital Energy Solutions. Seit Einführung der Dienstwagenrichtlinie hat sich der Fuhrpark gewandelt, wenngleich langsam. "Bei Leasinglaufzeiten von 36 Monaten kann die Umstellung nur peu à peu erfolgen", sagt Hackel. Innerhalb des ersten Quartals bestellten bereits zehn Mitarbeiter elektrische Autos, neun Plug-in Hybriden und einen echten Stromer. Zehn bis 15 weitere Anträge liegen vor.

Mit ihrer Maßnahme ist die deutsche Sparte von Faurecia Vorreiter im Konzern. Andere Länder zögern, beispielsweise weil sich der Ausbau der Ladeinfrastruktur länger hinzieht. "Andere wollen unsere Richtlinie bei sich nutzen", sagt Hackel. Arbeitsdirektor Marti glaubt, dass die neue Car Policy hilft, neue Mitarbeiter zu finden. "Weil sie unseren Einsatz für nachhaltige Mobilität glaubwürdig transportiert."

PFV S-Klasse Zuerich Juli 2017//PTD S-Class Zurich July 2017 Car Policy Warum Ihr Unternehmen eine Dienstwagenordnung haben sollte

Allerdings richtet sich die Regelung nur an etwa 500 Dienstwagenfahrer des gehobenen Managements. Aber auch Manager wechseln den Job und mitunter machen Kleinigkeiten den Unterschied aus bei der Entscheidung für den einen oder anderen Arbeitgeber.

Plug-in Hybriden empfehlen sich jedenfalls nur, wenn sie möglichst häufig elektrisch gefahren werden. Michael Oberhansberg fährt pro Jahr zwischen 35.000 und 40.000 Kilometer mit seinen Dienstwagen. Mit den Lademöglichkeiten zu Hause und in der Firma bleibt er viel im Elektromodus. "Aufgrund der höheren Reichweite habe ich mich für einen Hybriden und gegen einen reinen Stromer entschieden", begründet er seine Wahl. Am liebsten würde er ein Brennstoffzellenfahrzeug fahren, was wiederum an seiner beruflichen Historie liegt: Parallel zu seiner Abschlussarbeit in Aachen hat er bei Aral gearbeitet und war dort am Aufbau der ersten öffentlichen Wasserstofftankstelle am Flughafen München beteiligt. So hofft der Ingenieur, dass sowohl die Tankinfrastruktur als auch das Produktangebot seitens der Hersteller möglichst bald ausgebaut werden.

Drei Fragen an Kevin Soliman

Kevin Soliman Foto: Alphabet
Kevin Soliman, Alphabet.

Leiter der Geschäftsstelle ­Hannover von Alphabet Fuhrparkmanagement

Kennen Sie Dienstwagenrichtlinien, welche Elektromobilität ähnlich fördern wie die von Faurecia?

Es herrscht Aufbruchstimmung. Immer mehr Unternehmen richten ihre Car-Policy verstärkt auf die Elektromobilität aus. So schaffen sie es, Flottenverbrauch und CO2-Emissionen kosteneffizient zu optimieren. Hinzu kommt, dass staatliche Förderprogramme derzeit für Unternehmen attraktive Rahmenbedingungen schaffen.

Kann die Dienstwagenregelung von Faurecia Blaupause für andere Unternehmen sein?

Jedes Unternehmen hat andere Anforderungen. Daher sind maßgeschneiderte Lösungen erforderlich. Unsere Expertise basiert da­rauf, Unternehmen Vorteile zu verschaffen, indem wir markenübergreifende Lösungen entwickeln. Sie stellen ein optimales Zusammenspiel aller Business-Mobility-­Formen sicher: von Leasingkonzepten über Corporate-Car-Sharing, Kurz- und Langzeitmieten, Digitalisierung des Flottenmanagements bis zur Elektrifizierung.

Plug-in Hybriden mögen noch gehen, aber ergeben E-Autos in einem Fuhrpark Sinn, in dem viel und weit gefahren wird?

Beide Möglichkeiten sind relevant. Zudem schreiten Fahrzeugtechnologien und die Vernetzung verschiedenster Mobilitätsformen so schnell voran, dass wir immer weniger über Reichweiten diskutieren.

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