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Carsharing-Auto Lynk & Co Willkommen im Club

Lynk & Co. Showroom 2021 Foto: Hanno Boblenz

Auto anders: Der Lynk & Co 01 wird gemietet, Nutzer sind Community-Mitglieder, und man trifft sich in Clubs. Ein Besuch in Göteborg, der Keimzelle der schwedisch-chinesischen Marke.

Ein unscheinbares Schaufenster in einer unscheinbaren Straße im Zentrum von Göteborg. Kein Schickimicki-Glitzer, keine Fashion-Meile. Nur ein beleuchteter Schriftzug über der Tür weist auf Lynk & Co hin, die jüngste und vielleicht auch coolste Automarke. Zumindest könnte man das denken, wenn man den Shop in der Ekelundsgatan betritt.

Shop, Autohaus? Von wegen. Nackter Beton an der Decke, trendige Sitzpolster, ein Tresen mit einigen stylischen Gebrauchsartikeln und vielem, was gut aussieht, aber niemand wirklich braucht: Edel-Nippes, Bestecksets aus recycelten Plastikflaschen, knallig verpacktes Toilettenpapier für sechs Euro die Rolle, Smartphone-Hüllen aus Bambus. Und ja, ganz in der Ecke steht auch ein Auto. Kaum sichtbar hinter dem Tresen und den beiden massiven Quadern aus gepressten Autowracks leuchten zwei LED-Scheinwerfer hervor.

Wer sich einen Lynk & Co zulegt, wird Mitglied im Club. Wird Teil der Community, die sich in Locations europaweit zu Konzerten, Partys und anderen Events treffen soll. Das Auto ist Nebensache, der Spirit alles. David Green nennt seine Kunden deshalb nur Mitglieder und Nutzer. Der kaufmännische Chef des Unternehmens gilt intern fast als Guru von Lynk & Co., hat die schwedisch-chinesische Marke mitentwickelt. Er ist die rechte Hand von Firmengründer Alain Visser, der zuvor in Toppositionen bei Opel, Volvo und Ford Erfahrung in der alten Automobilwelt sammelte.

David Green 2021 Foto: TONY HULTEN
"Wir wollen Mobilität einfach und schnell verfügbar machen." David Green Kaufmännischer Leiter Lynk & Co

"Alain hatte ganz klare Vorstellungen davon, wie unsere Clubs aussehen sollen", sagt Green. "Er schickte die Designer zu Polestar, zu Tesla und anderen jungen Marken und sagte: 'Macht es anders.'" Sie sollten Räume entwerfen, in denen die Idee der nachhaltigen Mobilität und nicht das Auto im Mittelpunkt steht. "Wir verkaufen keine Fahrzeuge, sondern Mobilität als Dienstleistung", sagt der Brite. Natürlich kann man einen Lynk & Co auch kaufen. Aber eigentlich sollen die Kunden mieten. Genauer: sharen, wie es auf Neudeutsch heißt. Das Auto also mit anderen Mitgliedern teilen. "Worum geht’s ganz vielen Menschen? Sie wollen günstig von A nach B kommen. Es ist ihnen egal, ob sie dann ein rotes oder schwarzes oder ein Auto der Marke X oder Y fahren", sagt Green. "Wir wollen Mobilität einfach und schnell verfügbar machen. Keine Auswahl an Ausstattungen, keine Extrawünsche, du wählst nur die Farbe."

Wenig Auswahl bringt einfachere Produktions- und Logistikprozesse und senkt die Kosten. "Wir haben den typischen Bestellvorgang eines Autos analysiert und alles rausgekickt, was uns überflüssig erschien", sagt Green. "Bei uns musst du kein Autohaus besuchen, nichts konfigurieren, bestellst mit wenigen Klicks, und im besten Fall steht der Wagen in zwei Tagen vor der Tür." Ein Auto zu kaufen, koste nicht nur Geld, sondern wertvolle Lebenszeit, glaubt Green. "Und je mehr Sonderwünsche Kunden haben, desto komplizierter die Abwicklung und desto geringer die Chance, dass genau dieses Auto irgendwo vorrätig ist. Dann müssen sie noch länger warten."

Lynk & Co. Showroom 2021 Foto: Hanno Boblenz
Wir sind im Lynk & Co Club, und der sieht aus wie eine Mischung aus ­Lifestyle-Boutique und hipper Bar.

01 heißt das erste Modell, ein Auto im Format eines Volvo XC40. Dessen Technik nutzt er auch größtenteils, obwohl er anders aussieht. Neben den Farben Schwarz und Blau gibt’s nur die Optionen Plug-in-Hybrid oder Vollhybrid als Antrieb. Kostenpunkt: 500 Euro brutto für private Kunden, monatlich kündbar, mit 15.000 Freikilometern pro Jahr. Geschäftskunden bedient das Unternehmen etwas flexibler. Sie können den Wagen ab knapp 330 Euro netto monatlich leasen, je nach Laufzeit und Fahrleistung. In beiden Angeboten ist alles drin, von der Soundanlage übers Panorama-Glasdach, von Ledersitzen bis zur Wartung. Ebenso Versicherung sowie Sommer- und Winterreifen. Wer die Kosten senken will, vermietet den Wagen an andere Mitglieder.

Lynk & Co 01 Foto: Lynk & Co
Lynk & Co 01: Wahlweise als Plug-in-Hybride oder als Vollhybride ohne aufladbare Batterie

Seit April 2021 sind die Autos in den sieben größten Märkten Europas auf der Straße und die ersten Pop-up-Stores beziehungsweise Clubs eröffnet. In Deutschland beispielsweise in Hamburg, Berlin und München. Doch bis das System Lynk & Co richtig in Fahrt kommt, wird es noch dauern. "Je mehr Autos wir absetzen, desto mehr Leute werden es sharen wollen. Und je mehr Leute sharen, desto mehr Autos wird es geben", sagt Green. "Unser System wird selbstständig wachsen", ist er überzeugt und verweist auf potenzielle Nutzer in allen Gesellschaftsbereichen. Behörden, Firmen, Geschäftsleute, aber auch Mieter neuer Wohnanlagen. "Warum soll jeder ein eigenes Auto besitzen, das doch 95 Prozent der Zeit in der Garage steht?"

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Draußen vor der Tür parkt Greens schwarzer 01. Er zückt das Handy, startet die App und gibt sein Auto mit wenigen Klicks frei für andere Mitglieder. Jeder Nutzer kann Zeitraum und Mietpreis selbst bestimmen. Wer ein Auto nutzen will, mietet es über die App. Dann schickt das System einen Code aufs Handy. Geöffnet wird der Wagen per Bluetooth. Kein Schlüssel muss übergeben, keine Papiere abgezeichnet werden. Lynk & Co bucht die Kosten beim Mieter ab und schreibt sie dem Vermieter gut, abzüglich einer kleinen Gebühr fürs Handling und die Zusatzversicherung.

Im Auto lädt der Mieter mit seiner Mitgliedsnummer sein persönliches Profil hoch, und schon erscheinen seine persönlichen Daten und Einstellungen im Infotainment. Sprich: sein Spotify-Account, seine programmierten Ziele in der Navigation, seine Telefonkontakte oder seine Klimaeinstellung.

Und dann zeigt Green seinen Lieblings-Button im Bordmenü des 01. Darüber kann jeder Nutzer anonyme Verbesserungsvorschläge oder Wünsche an Lynk & Co übermitteln. "Jeden Tag schlage ich vor, dass wir ein orangefarbenes Dach anbieten sollten", grinst er. "Leider weiß der Kollege in der Zentrale, von wem das kommt, und ignoriert es." Vielleicht sollte Green als Ausgleich regelmäßig im Göteborger Club vorbeischauen. Dort sind die Klos vom Boden bis zur Decke knallorange lackiert. Wand, Schüssel, Bürste – einfach alles. Willkommen im Club.

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