Kaufberatung VW Caddy (2021)

Komfortabler Kasten

VW Caddy 2021 Foto: Immanuel Schneeberger 17 Bilder

Der neue VW Caddy fährt richtig gut. Drei Diesel, ein Benziner und unzählige Ausstattungsvarianten machen die Auswahl schwierig. Wir bringen Übersicht ins Angebot.

Hochdachkombi – klingt maximal uncool, ist aber eine Fahrzeugklasse, die sich seit Jahren wachsender Be­­liebtheit erfreut. Traditionell mittendrin fährt der VW Caddy, der einst als praktischer Ableger des Golf vor allem Handwerker im Alltag begleitete. Davon geblieben ist lediglich die technische Basis. Während der Vorgänger noch auf der Plattform des Golf 5 aus den frühen 2000ern basierte, baut der Caddy jetzt auf dem aktuellen, modularen Querbaukasten des Konzerns auf. Dabei leistet sich der Caddy hinten weiterhin eine Starr­achse – für einen besser nutzbaren Innenraum und mehr Zuladung.

Nach wie vor gibt es den Caddy nämlich als Kastenwagen mit spärlicher Dämmung und viel Laderaum. Auch ein Kombi mit bis zu sieben Sitzplätzen wird angeboten, und selbst in der Sparbrötchenversion ­Ecoprofi ist die Serienausstattung gar nicht so karg. Klar, die Stoßfänger bleiben unlackiert, und die Türverkleidungen sind aus Hartplastik. Aber es gibt ein Farbdisplay (ohne Radio), einen Tempomaten, eine Klimaanlage, Notbrems- und Spurhalteassistenten sowie ein Multifunktionslenkrad. Ebenfalls in der Serienausstattung der Preisliste aufgeführt: fünf Liter Sprit im Tank bei der Auslieferung.

Damit kommt unser knallgrüner Testwagen erstaunlich weit: Vorsichtig gefahren reicht die Auslieferungsmenge Diesel fast für 100 Kilometer. Das war es dann bei diesem Wagen aber schon mit der niedersächsischen Sparsamkeit. Wir testen die Pkw-Version in der gehobenen Life-Ausstattung, was gegenüber dem Ecoprofi-Kombi etwa 3.700 Euro Aufpreis bedeutet. Dafür lackiert VW nicht nur die Stoßfänger knallig grün, sondern verbaut auch ein gut gepolstertes Lederlenkrad, höhenverstellbare Sitze mit Klapptischen für die hinten sitzenden Passagiere, Lendenwirbelstützen und Armlehne, einen größeren Touchscreen samt Digitalradio sowie beheiz- und ­klappbare Spiegel. All das erhöht den Komfort an Bord und verschiebt den Einsatzzweck klar in Richtung Dienstwagen für kinder- oder hobbyreiche User-Chooser. Zwei optionale Zusatzsitze machen den Caddy zum Familientransporter, und wer dann noch mehr Platz für Gepäck braucht, kann zur 35 Zentimeter längeren Maxi-Version greifen.

VW Caddy 2021 Foto: Immanuel Schneeberger
Die neue technische Basis macht den Caddy nicht nur länger, sondern bringt auch das Touch­bediensystem ins Auto.

Doch schon die 4,50 Meter messende Kurzversion ist den meisten Transportaufgaben gewachsen. Trotz neun Zentimeter Außenlänge mehr gegenüber dem Vorgänger fällt der Innenraum zwar nicht größer aus, ist aber dennoch geräumig. Am ehesten merkt man das an der um sieben Zentimeter auf nun 1,86 Meter gewachsenen Breite. So lassen sich drei Isofix-Kindersitze nebeneinander auf den Rücksitzen montieren. Leider ließ VW die Chance ungenutzt, die Rücksitze variabler zu gestalten. Sie bestehen aus einer Zweierbank und einem Einzelsitz, die sich jeweils um- oder vorklappen lassen. Ganz ausbauen ist auch möglich, aber für die schwere Sitzbank braucht es zwei kräftige Anpacker. Die Konkurrenz macht es mit einfach in den Boden faltbaren Einzelsitzen vor. Und ein Blick ins eigene Kombiregal hätte ebenfalls geholfen. Dort gibt es praktische Systeme mit Schienen und Gurten zur Ladungssicherung und ein ausziehbares Trennnetz – hier nur vier Verzurrpunkte und ein an vier Punkten zu befestigendes Netz. Clever hingegen die hellen LED-Spots an der Heckklappe: Die leuchten den Ladebereich gut aus. Zugang zum Gepäck gibt es über eine bekannt große Klappe, die sich leider immer noch viel zu schwer schließen lässt. Das geht beispielsweise beim deutlich größeren ­Mercedes Vito viel leichter. Immerhin laufen die praktischen ­Schiebetüren sehr leise und geben eine große Öffnung frei.

VW Caddy 2021 Foto: Immanuel Schneeberger
Die Verarbeitung ist gut, das Plastik an fast allen Stellen sehr hart.

Vorn hat VW fast schon zu viel modernisiert. Das Bedienkonzept entspricht dem aktuellen Konzernbaukasten, sprich: Alles geht per Touch. An die Menüs kann man sich gewöhnen, nicht jedoch an gelegentliche Systemabstürze, die teils begriffsstutzige Sprachbedienung und die nachts unbeleuchteten Slider für Klima und Lautstärke. Ein paar Knöpfe täten der Bedienbarkeit gut. Ansonsten verbaut VW selbst in den besseren Varianten viel harten Kunststoff. Zudem gibt es einige praktische Ablagen auf der Armaturentafel und unter den Vordersitzen. Eigentlich auch im Dach, doch im Testwagen war dort das 835 Euro teure Glasdach verbaut, das sich weder öffnen noch verdunkeln lässt – und damit aus unserer Sicht keine Kaufempfehlung verdient.

Die hingegen bekommt der Antriebsstrang aus 122-PS-Diesel und Siebenstufen-DSG. Kein Anfahrruckeln, treffsichere Gangwahl, super gedämmter Motorlauf und bäriger Durchzug treffen auf sparsamen Umgang mit dem Kraftstoff. Lange Strecken machen so Freude, auch weil die Windgeräusche recht leise sind und das Fahrwerk komfortabel federt. In Kurven überzeugt die präzise Lenkung samt erstaunlich geringer Seitenneigung, und es braucht schon fiese Schlaglöcher, um die hintere Starrachse zum Poltern zu bringen. Diese Souve­ränität beim Fahren in Verbindung mit den üppigen Platzverhältnissen könnte trotz hoher Preise auch den neuesten Caddy wieder zum Klassen­primus machen.

Varianten und Motoren

Bisher ist das Motorenangebot des VW Caddy noch recht überschaubar. Es gibt den bekannten Zweiliter-Diesel in drei Versionen. Mit 75 PS wollen sich wohl die wenigsten quälen, die mittlere Version mit 102 PS sollte es schon sein. Sie reicht für alltägliche Aufgaben locker aus. Wer öfter beladen fährt, macht mit dem 122-PS-Diesel alles richtig. Ihn gibt es mit der unauffällig guten DSG-Automatik oder mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Außerdem lässt er sich als einzige Maschine mit Allradantrieb kombinieren, dann aber nur mit Schaltgetriebe. Der Vierzylinder läuft kultiviert und sparsam, und nur wenige werden die stärkere Variante des Vorgängers vermissen.

Wer wirklich wenig fährt, könnte auch mit dem einzigen Benziner glücklich werden. Er leistet 114 PS aus 1,5 Liter Hubraum und bringt den Caddy damit ausreichend flott voran. Für Dienstwagenfahrer könnte die später folgende Plug-in-Variante wegen der günstigen Versteuerung von Interesse sein. Besonders umwelt- und budgetsensible Fuhrparks sollten auf den Erdgasmotor warten. Der Caddy TGI mit voraussichtlich 130 PS starkem 1,5-Liter-Motor dürfte wieder mit unschlagbaren Kraftstoff­kosten punkten sowie der Möglichkeit, mit Biogas beinahe klimaneutral zu fahren.

VW Caddy 2021 Foto: firmenauto

Multimedia

Fangen wir mit den Pluspunkten an: Das VW-System ist bei der Smartphone-Integration auf der Höhe der Zeit. Android Auto funktioniert nach der ersten Kopplung drahtlos und absolut zuverlässig. Apple Carplay unterstützt der Caddy auch, hier hatte das System allerdings einmal einen Aussetzer. Das System mit großem Touchscreen überzeugt zudem mit gutem Radioempfang und recht übersichtlichen Menüs. Dafür nervt die völlige Konzentration auf Touchflächen: Wer nur eben die Luftverteilung der Klimaanlage verändern will, muss sich durch die Bildschirmkacheln drücken. Selbst die Innenraumleuchten reagieren auf Touch, lassen sich per Wischbewegung sogar in der Helligkeit dimmen. Ähnliche Shortcuts gibt es für die Sitzheizung: Wer mit zwei Fingern auf die Temperatureinstellung drückt, aktiviert den Popowärmer. Notfalls geht manches auch per Sprachbedienung, doch häufig versteht das System freie Eingaben falsch oder gar nicht. Das können andere besser.

Download Betriebskosten als Download: „VW Caddy, Citroen Berlingo, Ford Tourneo, Renault Kangoo: Daten, Wertverlust, Kosten“ (PDF, 0,69 MByte) Kostenlos

Ausstattung

Wir freuen uns über 51 Seiten Preisliste, denn VW liefert die kaum noch bei einem Modell. Es gibt sechs verschiedene Ausstattungsniveaus, wobei Kombi Ecoprofi und Kombi (plus 1.235 Euro) auf der Transportervariante basieren und nur als Benziner sowie 75/102 PS starker TDI erhältlich sind. Schlechter gedämmt und mit einfacheren Materialien eignen sich die beiden nur bedingt als Motivationsdienstwagen. Immerhin ist die Serienausstattung mit Klimaanlage, Spur- und Notbremsassistent sowie Tempomat umfangreich.

Wirklich bequem wird es erst ab der Version Caddy. Hier setzt VW auf Pkw-Komfort und hochwertigere Materialien. Wer auf SUV-Abenteuerlook steht, muss zum umfangreich ausgestatteten Pan Americana (plus 6.520 Euro) mit Kunststoffbeplankung rundum greifen. Für Gelegenheitscamper be­nannte VW den bisherigen Caddy Beach in Anlehnung an den Bus in California (plus 5.385 Euro) um. Mit Miniküche, bequemer Liegefläche und verdunkel­baren Fenstern eignet er sich für spontane Kurztrips.

Caddy (plus 2.235 Euro) Multifunktions-Lederlenkrad, ausziehbare Gepäckraumabdeckung, 4 Verzurrösen, DAB-Radio mit Touchscreen, Blue­tooth und 6 Lautsprechern, zweimal Isofix hinten, Tempomat, Stahlfelgen mit Radkappen, Klimaanlage, Abbiege-, Spur-, Notbremsassistent, zwei 12-Volt-Steckdosen, höhenverstellbarer Fahrersitz, H7-Scheinwerfer.

Life (plus 1.400 Euro)Höhenverstellbarer Beifahrersitz, Lendenwirbelstütze und Armlehne vorn, Klapptische, Schubladen unter den Vordersitzen, 4 USB-C-Steckdosen, größerer Touchscreen, beheiz- und klappbare Außenspiegel, 16-Zoll-Alufelgen, Dachreling.

Style (plus 3.900 Euro)17-Zoll-Alufelgen, Klima­automatik, digitales Cockpit, schlüsselloser Zugang, Lederschalthebel, schwarze Blenden im Innenraum, spezielle Polster, LED-Scheinwerfer.

Optionen für Life (Auswahl)
DSG 1.900 Euro
Heckklappe beleuchtet 36 Euro
App Connect 150 Euro
230-Volt-Steckdose 155 Euro
Winterpaket (Heizung für Sitze/Scheibenwaschdüsen) 425 Euro
AGR-Fahrersitz 270 Euro
Einparkhilfe 475 Euro
AHK abnehmbar 785 Euro
Abstandstempomat 355 Euro
Totwinkelassistent 365 Euro
Beheizb. Frontscheibe 170 Euro
Rückfahrkamera 245 Euro
7 Sitze 740 Euro
Navigation 1.005 Euro
LED-Scheinwerfer 695 Euro
Mit Abbiege-/Nebellicht 1.010 Euro

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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