Ladekarten für Elektroautos

Worin sich die Tarife unterscheiden

Foto: Frank Peterschroeder

Die Zahl der E-Autos ist noch überschaubar, die der Ladetarife scheinbar grenzenlos. Worin sich die Tarife unterscheiden und welcher Anbieter am besten zu Ihrer Firmenflotte passt.

Die Zahl der Ladekartenanbieter können wir nur grob schätzen. Mehr als 100 werben sicherlich um die wenigen Elektroautofahrer. Und jeden Tag werden es mehr. In unserer Übersicht finden Sie zwar nur acht Akteure, doch anhand derer lassen sich bereits die Unterschiede aller Anbieter am Markt aufzeigen.

Vier Anbietergruppen für Ladekarten

Im Prinzip gibt es vier Gruppen von Ladekartenanbietern. Erstens: die Energieversorger, die das Angebot entweder auf eigene Lade­säulen beschränken oder mit Kooperationen untereinander ihr Netz vergrößern. Zweitens: die Mineralölkonzerne. Mit ihren Kombilösungen für Tankkarten zielen sie speziell auf Firmen mit Mischfuhrpark ab, also Flotten mit Verbrennern und E-Autos gleichermaßen.

Leasinggesellschaften und Autohersteller bilden die dritte Gruppe. Passend zum Launch ihrer ersten Elektromodelle bieten auch Hersteller über ihre Banken Ladekarten an. Die vierte Gruppe ist die bedeutendste: reine Start-up-Anbieter von Ladelösungen wie New Motion oder Plug­surfing, deren riesiges Ladenetz auf Roamingdiensten wie Hubject oder Ladenetz.de aufbaut. Während Hubject als Joint Venture internationaler Unternehmen wie BMW, Bosch, Daimler, EnBW, Innogy, Siemens und VW gegründet wurde, ist Ladenetz.de vorwiegend ein Zusammenschluss von Stadtwerken.

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Mit europaweit bis zu 100.000 Ladepunkten sind sie in kurzer Zeit zu den großen Playern im Markt herangewachsen. Als sogenannte White-Label-Lösung steckt das Trio Charge Now, New Motion und Plugsurfing als Betreiber hinter vielen Ladekarten von Autobauern, Leasingunternehmen, Mineralölkonzernen oder Verbänden. Eine Marktmacht, die Begehrlichkeiten weckt. Vor einem Jahr kaufte ein finnischer Energiekonzern Plugsurfing auf, New Motion wurde jüngst von Shell geschluckt, Charge Now gehört übrigens zur BMW Group und seit Kurzem zum neuen Joint Venture mit Daimler.

Die unterschiedlichen Abrechnungssysteme

Große Verbundnetzwerke vereinfachen das ortsübergreifende Laden. Was nach grenzenlosem Reisen mit einem Elektroauto klingt, kann allerdings schnell zur Kostenfalle werden. Unsere Übersicht verdeutlicht den Preis-Wirrwarr. Ein Beispiel: Während die EnBW von Vielfahrern an einer ihrer eigenen EnBW-Schnellladesäulen 39 Cent pro Kilowattstunde (kWh) verlangt, bezahlen Kunden beim Energieanbieter Maingau mit der "Einfach Strom laden"-Karte an derselben EnBW-Säule lediglich 15 Cent. Auch wenn der Preisunterschied EnBW-Kunden nur schwer zu vermitteln ist, immerhin ist er transparent. Gleiches gilt für den Tarif von New Motion. Der Vorteil der New-Motion-Karte ist das große Ladenetz. Dafür stellt der Anbieter wiederum eine pauschale Gebühr von 35 Cent pro Ladevorgang in Rechnung, die auf die Ladekosten des jeweiligen Betreibers der Ladesäule aufgeschlagen werden.

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Undurchsichtig wird es, wenn die Anbieter unterschiedlich abrechnen – nach Strommenge oder nach Ladezeit. Plugsurfing bietet beides: 8 Cent je Minute oder 34 Cent pro Kilowattstunde an einer AC-Ladesäule. Nehmen wir einen Renault Zoe mit 40-kWh-Batterie als Rechenbeispiel. Das E-Auto verbraucht rund 13,3 kWh Strom auf 100 Kilometer, was den Fahrer mit kWh-Tarif 4,52 Euro kostet. An der 22-KW-Ladesäule sind die Akkus laut Renault nach 1 Stunde und 40 Minuten wieder zu 80 Prozent mit Strom befüllt. 2,4 km Reichweite gewinnt der Renault Zoe demnach in einer Lademinute. Für 100 Kilometer muss man das Fahrzeug 40 Minuten an die Ladesäule hängen, was mit 3,33 Euro zu Buche schlägt. Kunden von Charge Now wiederum würden bei der Minutenabrechnung nur die Hälfte, also 1,66 Euro und zwischen 0 und 6 Uhr nachts sogar nur 83 Cent bezahlen. Um nochmals EnBW als Beispiel zu bemühen: Auch die Ladepunkte des württembergischen Energieversorgers zählen zum Netz von Plugsurfing und Charge Now. Je nach Batteriegröße des Fahrzeugs lohnt sich ein Tarif mit Pauschalbetrag pro Ladevorgang. Innogy verlangt beispielsweise knapp acht Euro für eine komplette Aufladung an der Schnellladesäule.

Viele Zusatzfunktionen in Lade-Apps

Nahezu jeder Ladekartenanbieter stellt seinen Nutzern eine Smartphone-App zur Verfügung. Der Fahrer findet darüber freie Ladesäulen, er kann sich zur Stromtankstelle navigieren lassen und den Ladevorgang direkt über das Mobiltelefon starten. Abgerechnet wird automatisch über die hinterlegte Kreditkarte oder Internetbezahldienste wie Paypal. Per Pushnachricht signalisiert die App, sobald der Wagen vollgeladen ist. Das ist insbesondere bei Tarifen mit Standkosten nach abgeschlossenem Ladevorgang von Bedeutung.

Weil Apps keinen Platz im Portemonnaie einnehmen, registrieren sich findige E-Mobilisten durchaus bei mehreren Anbietern. Je nach Ladesäule wird dann die kostengünstigste Karte eingesetzt. Zusätzliche Kosten wie eine monatliche Grundgebühr oder eine einmalige Aktivierungsgebühr verlangen nur die wenigsten Provider. Steht die Ladesäule im Funkloch, klappt der ganze Ladevorgang auch klassisch mittels Plastikkarte und RFID-Chip.

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Welche Ladekarte für die Flotte nun die beste Lösung darstellt, müssen Fuhrparkleiter individuell beurteilen. Unternehmen sind allgemein bestens beraten, wenn sie die Fahrzeuge ohnehin möglichst am eigenen Standort an die Wallbox hängen und Mitarbeitern das Laden an öffentlichen Ladesäulen nur im Ausnahmefall genehmigen. Größere Firmen profitieren in der Regel von sehr niedrigen Industrie-Stromtarifen. Große Ladekartenanbieter wie New Motion oder in der Elektromobilität etablierte Energie­versorger wie EnBW bieten zudem ein Rundumpaket an, von der Beratung bis zur Installation der Ladepunkte am Firmensitz sowie bei den Mitarbeitern zu Hause samt geschlossenem Abrechnungssystem. Meist lassen sich dann auch ganz andere Kondi­tionen für den Stromtarif der Ladekarten herausschlagen.

Fazit: Trotz monatlicher Grundgebühr oder einmaliger Aktivierungskosten kommen Elektroautofahrer mit den Tarifen von Charge Now am günstigsten weg. Von Vorteil sind zudem das große Ladenetz, die umfangreichen App-Funktionen und spezielle Angebote für Flotten.

Eichrecht für transparente Ladekosten

Gegen das Tarif-Chaos soll eine Gesetzesregelung helfen. Ab April 2019 gilt das neue Eichrecht. Ladekartenanbieter müssen den gezapften Strom dann nach Kilowattstunden genau auf der Abrechnung ausweisen. Doch das stellt die Betreiber vor eine große Aufgabe. Um die exakte Strommenge zu erfassen, sind Messgeräte notwendig, die aus Kostengründen in den meisten Ladesäulen nicht verbaut wurden. Diese nachzurüsten, sei vor allem bei DC-Schnellladesäulen nicht immer einfach, so hört man aus Branchenkreisen. Unklar sei zudem, ob alle Ladesäulen überhaupt eichrechtskonform umrüstbar sind. Bevor der Gesetz­geber aber einen Teil des Ladenetzes sperrt, ist mit Übergangsfristen zu rechnen.

Download „12 Ladekarten für Elektroautos im Vergleich“ (PDF, 0,44 MByte) Kostenlos
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
firmenauto 06 2019 Titel
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