Porsche Taycan (2020) im Fahrbericht

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Porsche Taycan 2019 Foto: Porsche 16 Bilder

Der Porsche Taycan soll mit spektakulären Fahrleistungen, schnellen Ladezeiten sowie hohen Reichweiten glänzen. Hierbei macht Porsche bei seinem ersten E-Auto vieles anders als beispielsweise Tesla.

Auf diesen Porsche hat die Autowelt voll Spannung gewartet. Denn ihren ersten vollelektrischen Sportler setzen die Stuttgarter gehörig unter Strom. 800 Volt beträgt die Systemspannung, mehr als bei jedem anderen E-Auto. Durch die neue Technologie sind kürzere Ladezeiten möglich. So soll der vollelektrische Taycan an einem besonders leistungsstarken Super-Charger in nur 23 Minuten von fünf auf 80 Prozent laden können, doch dazu später mehr.

Größer als ein 911, etwas kürzer als der Panamera

Der 4,96 Meter lange Taycan sortiert sich im Modellportfolio zwischen dem 911 und dem Panamera ein. Optisch orientiert er sich stark an der 2015 vorgestellten Konzeptstudie Mission E. Anstelle der gegenläufigen Türen der Studie setzt das Serienmodell auf konventionelle Türen. Die setzen beim glücklichen Dienstwagennutzer der obersten Führungsebene eine gewisse Gelenkigkeit voraus. Hat sich der Chef erst einmal durch die niedrigen Türausschnitte in den Porsche eingefädelt, empfangen ihn bequeme Sportsitze. Im Fond ist die Luft über den Köpfen von großen Mitreisenden allerdings arg dünn. Das nach hinten flach abfallende Dach fordert spürbar Kompromisse. Bis zu einer Körpergröße von 1,85 Meter ist aber alles im Lot.

Großes Kino mit bis zu vier Displays

Bei der Gestaltung des Cockpits ließen sich die Designer angeblich vom Ur-911 von 1963 inspirieren und retteten einige Stilelemente in die Neuzeit. Spätestens bei den Anzeigen und Bedienelementen ist es mit dem Retro-Style dann aber vorbei. So befindet sich vor dem Taycan-Fahrer ein 16,8 Zoll großes, digitales Kombiinstrument. Das freistehende Display besteht auf seiner Frontseite aus Echtglas und lässt sich auch ohne sonnenschützende Hutze leicht ablesen. Statt des herkömmlichen Drehzahlmessers zeigt ein Powermeter die aktuell abgerufene Leistung an. Die Darstellung aller drei Anzeigefelder lässt sich individuell konfigurieren.

Porsche Taycan 2019 Foto: Porsche
Erstmals bietet Porsche auch einen Touchscreen für den Beifahrer an. Auf dem Display kann der Copilot viele Einstellungen selbst vornehmen, ohne den Fahrer dabei abzulenken.

Fahrer und Beifahrer sind durch eine breite Mittelkonsole getrennt. Dort befinden sich weder Schalter noch Knöpfe, sondern ein 8,4 Zoll großer Touchscreen, der die Fahrzeugfunktionen wie etwa für die Klima übernimmt. Der hochauflösende Monitor benötigt anfangs etwas Eingewöhnung. Er will mit Nachdruck bedient werden, gibt dafür aber haptisches Feedback. Eine integrierte Handschrifterkennung ermöglicht zudem die schnelle Eingabe von Navigationsadressen oder Telefonnummern. Alternativ funktioniert de Eingabe natürlich auch per Sprachbefehl.

Eine Etage über dem Bildschirm befindet sich das Infotainment mit einem weiteren Touchscreen. Weil das noch nicht genug Displays sind, hat der Beifahrer Ausblick auf einen eigenen Bildschirm. Den gibt es immerhin nur gegen Aufpreis. Auf ihm kann der Copilot unter anderem die Zieleingabe oder Musikauswahl selbst vornehmen.

Allrad und zwei leistungsstarke E-Maschinen

Zwei leistungsstarke Synchronmotoren an Vorder- und Hinterachse treiben alle vier Räder an. Die beiden Elektromotoren werden können ihre Kraft unabhängig voneinander abgeben. Die dauerhafte Gesamtleistung ist sowohl bei Turbo und Turbo S mit jeweils 625 PS (460 kW) identisch. Den Unterschied macht die maximale Leistung mit Boost-Funktion.

Foto: Porsche
Die komfortable Luftfederung hält Bodenunebenheiten von den Insassen fern.

Die bringt beim Taycan Turbo maximal 680 PS (500 kW), die Topversion Turbo S entfaltet sogar bis zu 761 PS (560 kW). Bei ihr steht ein gewaltiges Drehmoment von 1.050 Nm bereit, für das Basismodell sind es immerhin noch 850 Nm. Damit sprintet der Taycan Turbo S genauso schnell wie der 911 GT2 RS in nur 2,8 Sekunden auf Tempo 100 und – wenn es sein muss – in 9,8 Sekunden auf 200 km/h. Der schwächere Taycan Turbo benötigt für die gleichen Disziplinen kaum langsamere 3,2 beziehungsweise 10,6 Sekunden.

Zweigang-Getriebe im Heck

Eine Besonderheit betrifft die E-Maschine im Heck, die an der Hinterachse mit einem Zweigang-Getriebe verbunden ist. Während der sehr kurz übersetzte erste Gang für eine hohe Performance beim Anfahren sorgt, dient die zweite, lang übersetzte Stufe zum Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h. Die Schaltvorgänge erfolgen automatisch und blitzschnell bei einem Tempo von 80. Spürbar ist der Vorgang nur im Sport Plus Modus. Insgesamt bietet der Elektro-Porsche vier Fahrprogramme, darunter auch eines für maximale Reichweite.

Beindruckende Fahrleistungen mit gewöhnungsbedürftigem Sound

Doch erst einmal zurück in Sport Plus. Durch die Beschleunigung bleibt einem fast die Luft weg. Die Performance ist unglaublich, die schnelle Fahrt gleicht einem Ritt auf der Kanonenkugel: Schon ein kleiner Tritt aufs Fahrpedal genügt und der Taycan Turbo S katapultiert sich samt Insassen nach vorn. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Klangkulisse: Entweder leise zischend oder mittels Soundgenerator tief grummelnd wie eine auf Speed getunte Straßenbahn. Nur akustisch wünscht man sich also einen Sechszylinder-Boxer im Heck.

Dafür beeindruckt das Kurventalent, das der immerhin 2,3 Tonnen schwere Sportler eindrucksvoll beweist. Die schnelle Traktionsregelung des Allradantriebs passt sich mega-schnell auf die Straßenverhältnisse an. Elektromotoren reagieren da eben einfach direkter als Verbrennungsmotoren. Trotz seiner extrem hohen Leistungsreserven krallen sich die Pneus beim Taycan mit maximalem Grip in den Asphalt. Auch fordert er seinen Piloten beim frühen Beschleunigen aus engen Kurven nicht übermäßig heraus, die Kraft ist gut portionierbar.

Die Energie holt sich der Porsche zurück wie kein zweiter

Damit neben dem enormen Fahrspaß auch der Fahrkomfort nicht zu kurz kommt, verfügt der Taycan serienmäßig über eine Dreikammer-Luftfederung. Gegen Aufpreis steht eine Wankstabilisierung bereit, die über ein 48-Volt-Teilbordnetz versorgt wird. Ebenso ist für den vollelektrischen Porsche eine Allradlenkung erhältlich, die ihn noch handlicher macht. Muss der Fahrer dagegen verzögern, erfolgen 90 Prozent aller Bremsvorgänge elektrisch. Erst bei stärkeren Bremsungen müssen die korrosionsfreien Wolfram-Carbid-Bremsscheiben ran. Von der eigentlichen Energierückgewinnung bekommt der Fahrer fast gar nichts mit, da der Taycan erst beim Tritt aufs Bremspedal mit bis zu 265 kW rekuperiert. Wann die Energierückgewinnung oder ein Segelvorgang beginnt, entscheidet auch die Frontkamera anhand des Verkehrsaufkommens.

800 Volt für maximale Reichweite

Die gewonnene Energie fließt in die 93,4 kWh fassenden Lithium-Ionen-Akkus zurück, die flach im Fahrzeugboden untergebracht sind. Die Reichweite gibt Porsche beim Taycan Turbo mit 450 Kilometern nach WLTP-Norm an, beim Turbo S sind es 412 km. Durch die hohe Betriebsspannung kann das Laden dafür schneller gehen als bei anderen E-Autos. An einem Schnelllader mit 270 kW Leistung dauert das Befüllen des Speicherdepots von fünf auf 80 Prozent nur 23 Minuten. Ist eine solch extreme Ladesäule samt wassergekühltem Kabel vorhanden, erweist sich der Wert im ersten Praxistest als realistisch. Anschließend zeigte der Bordcomputer bei unserer Fahrweite eine Reichweite von 280 Kilometern an. Deshalb lautet die Devise Teilzeit-Strom statt Vollladen. Letzteres würde viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Porsche Taycan 2019 Foto: Porsche
Durch die tief im Fahrzeugboden verbauten Lithium-Ionen Akkus hat der Taycan einen niedrigeren Schwerpunkt als der 911.

Es ist es sogar möglich in rund fünf Minuten ausreichend Energie für bis zu 100 Kilometer nachzuladen. Allerdings sind die ultraschnellen Gleichstrom-Charger mit bis zu 270 kW noch recht dünn gesät. Deshalb will Porsche zusammen mit weiteren deutschen Herstellern im gemeinsamen Verbund Ionity den Ausbau der Infrastruktur zügig vorantreiben. An gewöhnlichen 50kW-Ladesäulen dauert die 80-Prozent-Ladung gut 1,5 Stunden. Zuhause an einer 11 kW starken Wallbox dauert eine Vollladung neun Stunden. Hierbei kontrolliert eine intelligente Steuerungselektronik den Vorgang und soll so eine etwaige Netzüberlastung bereits im Ansatz vermeiden.

Wo ist bitteschön der Turbo?

Angeboten wird der knapp 2,3 Tonnen schwere Taycan als Turbo und Turbo S. Die Einstiegsvariante mit 680 PS startet bei 123.230 Euro, für das 761 PS starke Topmodell Turbo S sind 150.219 Euro dagegen fällig. Turbo? Ja, richtig. Diese Zusatzbezeichnungen werfen bei einem Elektrosportler wie dem Taycan Fragen auf. Doch weist Porsche auf ihre Ausstattungsvarianten hin, die bei den Modellen aus Stuttgarter inzwischen Tradition sind. Nur: Einen Verbrennungsmotor, geschweige einen Turbolader findet man im vollelektrischen Überflieger natürlich nicht. An die unglückliche Nomenklatur muss sich so mancher Kunde wohl erst mal gewöhnen.

Porsche Taycan Interieur
Elektro-Innenraum
Technische Daten
Porsche Taycan Turbo Porsche Taycan Turbo S
Karosserie
Aufbau Coupé Coupé
Zahl der Sitzplätze 4 4
Motor/Antrieb
Antriebskonzept Elektromotor Elektromotor
Kraftstoff Strom Strom
Getriebe automatisch automatisch
Anzahl Gänge 2 2
Antrieb Allrad Allrad
Preis
Grundpreis ohne MwSt.Herstellerangabe 127.845 Euro 155.845 Euro
Ausstattung Basis Basis
Abmessungen/Gewichte/Reifen
AußenmaßeLänge x Breite ohne Spiegel x Höhe 4.963 x 1.966 x 1.381 mm 4.963 x 1.966 x 1.381 mm
Radstand 2.900 mm 2.900 mm
Leergewichtvollgetankt inkl. 75 kg Fahrer 2.380 kg 2.370 kg
Zuladung 500 kg 500 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 2.880 kg 2.870 kg
Reifengröße vorne 245/45 R 20 265/35 R 21
Reifengröße hinten 245/45 R 20 305/30 R 21
Fahrleistung und Verbrauch
Beschleunigung 0-100 km/h 3,2 s 2,8 s
Höchstgeschwindigkeit 260 km/h 260 km/h
VerbrauchHerstellerangabe WLTP 18,6 kWh 20,3 kWh
Reichweite Herstellerangabe 450 412
CO2-AusstoßHerstellerangabe WLTP 0 g/km 0 g/km
Effizienzklasse A+ A+
 
Slnr 107245 107246
Betriebskosten
Porsche Taycan Turbo S Porsche Taycan Turbo
Basisdaten
Ausstattungsversion Basis Basis
Grundpreis ohne MwSt. 155.845 Euro 127.845 Euro
Teuerung während der Nutzungsdauer 24.822 Euro 20.362 Euro
Gebundenes Kapital 118.838 Euro 97.581 Euro
Feste Kosten pro Jahr
Kapitalverzinsung 9.982 Euro 8.197 Euro
Abschreibung 19.959 Euro 16.399 Euro
Kfz-Steuer 0 Euro 0 Euro
Typklasse HP/TK/VK 20/30/29 20/30/29
Haftpflichtversicherung * 994 Euro 994 Euro
Kaskoversicherung * 2.184 Euro 2.184 Euro
Unterstellung/Garage 573 Euro 573 Euro
Summe feste Kosten/Jahr 33.692 Euro 28.347 Euro
Summe feste Kosten/km 168,5 ct 141,7 ct
Variable Kosten pro km
Kraftstoff 5,7 ct 5,2 ct
Reifen 4,5 ct 3,4 ct
Wartung und Reparatur 13,9 ct 13,4 ct
Summe variable Kosten/km 24,1 ct 22,1 ct
Gesamtkosten
Gesamtkosten pro km 192,6 ct 163,8 ct
Quellenangabe Betriebskosten
Daten berechnet von Dekra Dekra
Stand 10/2019 10/2019
Versicherung * Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
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