Test Seat Arona 1.0 TGI Erdgas

Günstiger geht’s nicht

Seat Arona 1.0 TGI Erdgas 2018 Foto: Seat 13 Bilder

Praxistest Seat Arona 1.0 TGI. Was taugt der Erdgasantrieb und wie schnell findet man Tankstellen? Eine Reise durch Italien und Österreich.

Plug-in Hybride als Firmenwagen? Zu teuer für Viel­fahrer. E-Autos? Nicht praktikabel. Wer nachhaltige Geschäftswagen sucht und sich nicht mehr um Dieselfahrverbote scheren will, landet irgendwann beim Erdgasantrieb. Den haben mittlerweile etliche Modelle unter der Haube und mit dem Seat Arona sogar ein trendiger SUV.

Der Dreizylinder des kleinen Spaniers verbrennt CNG und im Notfall auch Benzin. Auf einer gut 2.000 Kilometer langen Testfahrt nach Italien und Österreich wollen wir herausfinden, ob die Kombination aus 13,8 Kilo CNG und 9,0 Liter Benzin auch für lange Strecken taugt und ob wir überall Tankmöglichkeiten finden. Angesichts von rund 1.200 CNG-Stationen in Italien und 170 Zapfanlagen in Österreich wird uns nicht wirklich bang. Sicherheitshalber investieren wir aber doch 5,49 Euro in die empfehlenswerte Tankstellen-App von Gibgas (3,99 Euro für Android). Die listet alle Tankmöglichkeiten entlang der Route auf, samt Preisen und Öffnungszeiten.

Zuvor aber schicken wir den Arona auf unsere Normrunde zur Verbrauchsmessung. Wir ermitteln 4,6 Kilo auf 100 Kilometer, das entspricht Spritkosten in Höhe von knapp fünf Euro. Nicht schlecht, aber weit entfernt von den 3,9 Kilo Werksangabe. Das muss doch besser gehen.

Bei niedrigen Drehzahlen geht dem kleinen Motor die Puste aus

Also volltanken, Koffer verstauen, iPhone per Apple Car Play anstöpseln und los geht’s. Unsere erste Etappe soll uns von Stuttgart 330 Kilometer weit über Kempten und den Fernpass nach Telfs im Inntal führen. Beim Druck auf den Startknopf schüttelt sich der Dreizylinder, bevor er kernig losbrummt. Tatsächlich klingt der 1.0 TGI eher wie ein Diesel, was sich aber auf der Autobahn schnell gibt. Genauso wie die Anfahrschwäche, die beim Erdgasantrieb stärker spürbar ist als beim 90-PS-Benziner. Wer an der Ampel nicht beherzt Gas gibt, kommt kaum vom Fleck. Erst bei gut 2.000 Touren wacht das Motörchen auf.

Mit 120 bis 140 km/h schwimmen wir entspannt im dichten Autobahnverkehr gen Süden, freuen uns über die bequemen Sitze sowie die gute Sicht aus den großen Fenstern. Bis zum Anstieg auf den Fernpass. Wir verpassen, rechtzeitig zurückzuschalten, und werden von der Durchzugsschwäche des CNG-Antriebs kalt erwischt. Fünfter, vierter, dritter Gang, mühsam quält sich der Seat von Reutte zur Passhöhe. Lektion gelernt: Wer in den Bergen vorankommen will, muss die Motordrehzahl immer über 3.000 Touren halten.

Seat Arona 1.0 TGI Erdgas 2018 Foto: Seat
2. Etappe: Telfs–Vigonzo (343 km), ausschließlich mit CNG; Tankstelle im Industriegebiet; Umweg: 1 km; Getankt: 13,25 kg (0,96 Euro/kg)/Verbrauch: 3,8 kg CNG/100 km

Nach gut drei Stunden lotst uns das Navi zuverlässig zur freien Tankstelle in Telfs. Der Bordcomputer nennt realistische 15 Kilometer Restreichweite, als die Tankanlage 12,4 Kilo mit fast 200 bar in unsere Stahltanks presst. Nur 98 Cent kostet das Kilo CNG. In Stuttgart haben wir 17 Cent mehr bezahlt.

Nächstes Ziel: über den Brenner Richtung Venedig. Immer wieder passieren wir Tankstellen mit "Metano"-Schildern. Kein Wunder, fast eine Million Erdgasautos sollen auf Italiens Straßen fahren. Trotzdem wollen wir jetzt den Routenplaner des Arona testen, denn auch dort sind Tankstellen hinterlegt. Ein Klick, und nach wenigen Sekunden spuckt das Navi alle Stationen in einem schmalen Korridor entlang unserer Route aus. Kurzer Abgleich mit dem Bordcomputer und wir entscheiden uns für die ­Europetrol-Station in Vigonza kurz vor Venedig.

Seat Arona 1.0 TGI Erdgas 2018 Foto: Seat
3. Etappe: Vigonzo–Villach (285 km), ausschließlich mit CNG; Tankstelle nahe Ausfahrt A2; Umweg: 2,0 km; Getankt: 13,65 kg (1,09 Euro/kg)/Verbrauch: 4,8 kg CNG/100 km

Während an CNG-Stationen in Deutschland meist gähnende Leere herrscht, müssen wir trotz der vier Zapfsäulen anstehen. Hier ist richtig was los: Rechts tankt ein Fiat Panda, links ein umgerüsteter alter VW Polo, vor uns ein Kia. Willkommen in Europas Erdgas-Land numero uno. Der Tankwart grinst, als wir etwas unbeholfen die Zapfpistole ankuppeln. Dabei geht das eigentlich ganz einfach: aufstecken, verriegeln, Knopf an der Zapfsäule drücken – schon zischt das Gas in die Tanks.

Für die letzten Meter nach Venedig steigen wir um in den Zug. Den Seat checken wir im zentralen Parkhaus in Mestre ein. Erdgasautos dürfen hier wie überall parken, LPG-Autos müssen dagegen wegen Explosionsgefahr draußen bleiben. Und als wir nach drei Tagen zurückkommen, ist der Tank genauso voll wie vorher. Scheint also dicht zu halten. Was Crashtests von Dekra auch schon bewiesen: CNG-Autos sind bei einem Unfall sogar sicherer als Benziner oder Diesel.

Seat Arona 1.0 TGI Erdgas 2018 Foto: Seat
5. Etappe: Klagenfurt–Gralla (350 km); 5 km mit Benzin; Tankstelle auf dem Weg; Umweg: keiner; Getankt: 13,2 kg (1,10 Euro/kg)/Verbrauch: 3,8 kg CNG/100 km

Unsere Reise führt uns weiter durch die einsamen Julischen Alpen Richtung Österreich. Je näher wir Richtung Grenze rollen, desto mehr fühlt es sich an, als sei den Italienern das Baugeld ausgegangen. Doch der Arona lässt sich trotz seiner 18 Zoll großen Räder nicht aus der Ruhe bringen, nimmt die zentimeterhohen Querfugen der A 23 mit sattem "Baddaklong", ohne uns durchzuschütteln. Mittlerweile hat sich der Verbrauch bei 3,8 Kilo/100 Kilometer eingependelt, unterhalb des von Seat angegebenen Normwertes.

Die restliche Strecke durch Kärnten, die Steiermark und das Salzburger Land verläuft genauso unspektakulär wie die Anreise. Der SUV erweist sich als zuverlässiges und komfortables Reiseauto. Auf kompakten 4,14 Meter Länge bietet er erstaunlich viel Platz, punktet mit zahlreichen Ablagen, einer Ladeschale fürs Handy und USB-Anschlüssen vorn wie hinten. Einziger Nachteil: Die Gasflaschen klauen dem Kofferraum Volumen (282 anstatt 400 Liter). Wenn vier Personen verreisen, kann’s also eng werden. Bei zwei Passagieren reicht’s allemal, sogar für ein paar Kartons Wein als Mitbringsel.

Fazit: Auf 2.175 Kilometer mussten wir achtmal tanken. Alle Stationen lagen fast direkt an der Route beziehungsweise in direkter Nähe von Autobahnabfahrten. Durchschnittlich 4,3 Kilo CNG verbrannte der kleine Dreizylinder auf 100 Kilometer und stieß dabei rund 120 g CO2 pro Kilometer aus. 100 Kilometer kosten also rund 5 Euro. Um zum gleichen Preis zu fahren, dürfte ein Benziner höchstens 3,6 Liter, ein Diesel 3,8 Liter verbrauchen. Der TGI kostet nur 840 Euro mehr als der 95-PS-Benziner und soll schon 21 Tage nach Bestellung auf dem Firmenparkplatz stehen. Da braucht der Außendienstmitarbeiter schon sehr schlagkräftige Argumente, um einen Firmenwagen mit Erdgasantrieb abzulehnen.

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