Test: VW Passat gegen VW Tiguan

Bringt es der Kombi noch?

VW Tiguan2019 und VW Passat 2019 Foto: Patrice Marker 26 Bilder

Kombi? Voll von gestern! Stammtischparolen dieser Art sollten hinterfragt werden. Speziell, wenn ein Bestseller im Test antritt. Wir vergleichen den höher gesetzten VW Passat Alltrack mit dem VW Tiguan.

Dürfte der Markt die Antwort geben, wäre die Frage, ob Kombi oder SUV, schnell geklärt: Längst stellen Letztere die Mehrheit der Neuzulassungen. Selbst hartgesottene Kombi-Verteidiger unter den Fuhrparkmanagern werden mittlerweile von der nach SUV schreienden Belegschaft weichgekocht.

Aber erstens sprechen wir unsere Empfehlungen weniger nach Meinung der Masse, sondern nach der Überzeugung von Klasse aus. Zweitens gibt es den Passat auch als SUV: mit knapp drei Zentimeter höher gesetzter Karosserie und Allradantrieb. Diese Rustikalversion namens Alltrack wurde jüngst technisch leicht aufgefrischt. Wir vergleichen sie mit dem Tiguan Offroad, beide als 190 PS starke Diesel.

Nicht unerwähnt sollte gleich zu Beginn bleiben, dass der Alltrack trotz Höherlegung und Rempelschutz erst in zweiter Linie eine SUV-Alternative und in erster Linie ein (etwas wichtiger aussehender) Kombi ist – letztendlich sein größter Aktivposten, denn diese Karosserieform hat über die Jahrzehnte nichts an Klugheit verloren. Weshalb es umso unverständlicher ist, dass sich die Masse von ihr abwendet.

Die inneren Werte sprechen für den Kombi

Bewusst sprechen wir beim Alltrack übrigens nicht von einem Facelift, denn geglättete Gesichtszüge konnten wir nicht entdecken; eher vielleicht eine leichte Auffrischung mit Hyaluronsäure. Bei den inneren Werten dagegen wurde er deutlich verjüngt – nicht unbedingt bei den verwendeten Materialien, wo der Passat ohnehin etwas weniger Hartplastik als der Tiguan einsetzt.

VW Tiguan 2019 Foto: Patrice Marker
VW Tiguan 2019

Dafür versteht der Alltrack jetzt saloppe Sprachkommandos wie: "Hallo, Volkswagen, ich will nach Stuttgart!" Außerdem bringen ihm neue Assistenzsysteme zusätzliche Punkte im Sicherheitskapitel ein. So kann der Passat auch über 50 km/h selbstständig vor einem Hindernis bremsen. Zudem kommt er bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 etwas früher zum Stillstand, und sein Bremspedal reagiert sensibler. Alles Punkte, die der sicherheitsbewusste Flottenverantwortliche gerne hört.

Schon wären wir bei der Fahrdynamik angelangt. Hier spielt der Kombi seinen prinzipiellen Vorteil gegenüber dem SUV aus: Etwas weniger Eigengewicht, das sich vor allem auf einem niedrigeren Schwerpunkt ballt, lässt sich schneller in alle Richtungen beschleunigen – positiv, negativ oder quer.

Der Passat fährt sich spürbar agiler

So folgt der Passat Vorgaben der Lenkung deutlich spontaner als der Tiguan, schüttelt die Landstraßenrunde lässig aus dem Ärmel, ohne dass sein Fahrwerk dabei an seine Grenzen stößt. Will man einem enga-giert bewegten Alltrack folgen, dann artet das im ebenfalls allradgetriebenen Tiguan in Mühe aus. Weil dessen Fahrer deutlich höher sitzt und damit den SUV sozusagen aus lichter Höhe dirigiert, wird zugleich Distanz zum Geschehen aufgebaut.

VW Passat 2019 Foto: Patrice Marker
VW Passat Alltrack 2019

Im Tiguan muss man die Kurve auf den Punkt anbremsen, besonders sauber einlenken und im rechten Moment ans Gas gehen – nicht zu früh, sonst bremst das ESP drohendes Untersteuern ein. Aber auch nicht zu spät, sonst steht am Ende der Kurve kein Ladedruck zur Verfügung, und der leichtfüßigere Passat enteilt. Wobei man anmerken muss, dass beide Zweiliter-Dieselmotoren seit der Umstellung auf die Abgasnorm Euro 6d-Temp mit einer auffälligen Anfahrschwäche zu kämpfen haben. Sie äußert sich naturgemäß vor allem in der Stadt, dann ausgeprägt in Verbindung mit der Saumseligkeit des Start-Stopp-Systems.

Trotz seiner leichten Höherlegung zeigt der Passat übrigens einen guten Federungskomfort. Der wird allenfalls durch die optionalen 18-Zöller eingeschränkt, welche mit ihrer relativ geringeren Flankenhöhe auf Querfugen tapsig reagieren. Die beim Alltrack serienmäßigen Adaptivdämpfer (878 Euro Aufpreis beim Tiguan) passen ihre Kennlinien nunmehr sensibler und nahezu stufenlos an, und auf langhubigen Bodenwellen beruhigen sie den Kombi schnell und konsequent.Die Karosserie des SUV wippt da stärker nach, und generell neigt sich der Tiguan als Folge seines hohen Schwerpunkts deutlich spürbarer in die Kurve, was ihn hemmt, auf die Fahrstabilität aber keinen negativen Einfluss hat. Obwohl das im Alltag eines User-Choosers eher selten nötig wird, könnte der Tiguan höchstens jenseits des Asphalts davoneilen: Dank vergrößertem Böschungswinkel hat die Linie Offroad bessere 4x4-Qualitäten und erhält bei der Bewertung der Traktion einen Bonus.

Zudem erfreut der Tiguan mit der bequemeren, weil höher montierten Rücksitzbank, wo die Oberschenkel mehr stützende Auflage finden. In Verbindung mit der umfangreicheren Multimedia-Ausstattung zieht er deshalb im Komfortkapitel nach Punkten immerhin gleich.

Bei der Karosseriewertung reicht es sogar zum Sieg, denn hier wird der SUV seiner Bezeichnung als Nutzfahrzeug (Utility Vehicle) gerecht. Er bietet die facettenreichere Variabilität, die über das Umklappen der geteilten Rücksitzlehnenelemente hinausgeht. Letztere lassen sich in der Neigung einstellen und ihre Sitz­flächen um 18 Zentimeter verschieben. In Verbindung mit dem variabel einlegbaren Ladeboden und der umklappbaren Lehne des Beifahrersitzes ergibt sich nahezu das Können eines Vans.

In den höheren Tiguan steigt man bequemer ein

Nicht unerwähnt lassen wollen wir das generell leichtere Einsteigen, das vorwiegend ältere Kollegen zu schätzen wissen – im Tiguan liegt die Sitzhöhe 165 Millimeter höher als im Alltrack und ermöglicht eine etwas bessere Rundumsicht. Nachteil für die Kollegen, die häufig mit Gepäck zu Kunden unterwegs sind: Auch das Ladegut muss höher gehievt werden, nämlich auf 73 Zentimeter (Passat: 64 Zentimeter). Generell kann der Kombi mehr transportieren, sowohl bezogen auf das Volumen als auch auf das Gewicht. Lediglich bei der Anhängelast ist der SUV im Vorteil, darf bis 2,5 statt 2,2 Tonnen an den Haken nehmen.Dennoch geht die Eigenschaftswertung klar an den Passat, denn er gewinnt neben Sicherheit und Fahrverhalten auch die Kapitel Antrieb und Umwelt – Letzteres dank des geringeren CO2-Ausstoßes, der aus dem etwas niedrigeren Spritverbrauch resultiert. Im Testdurchschnitt genügen dem Alltrack 7,5 statt 7,8 Liter auf 100 Kilometer, auf unserer besonders zurückhaltend gefahrenen Normrunde beträgt der Unterschied 5,7 zu 6,1 l/100 km. Memo an die öffentliche Meinung: Es gibt längst auch sehr effektive SUV.Immerhin startet der Tiguan mit dem niedrigeren Grundpreis in die Kostenrechnung. Doch weil der teurere Alltrack besser ausgestattet ist, egalisiert sich der Vorteil teilweise wieder. Obwohl der SUV damit das Abschlusskapitel gewinnt, steht am Ende fest, dass der Markt die Frage nach SUV oder Kombi nicht ausschließlich nach sachlichen Kriterien entscheidet. Denn in der Summe aller Eigenschaften ist der Passat Variant klar die Nummer eins. Für den privaten Käufer genauso wie den Fahrer eines Geschäftswagens.

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