Großkundenverkauf Nissan "Wir wollen keinen harten Schnitt"

Julia Temath 2022 Foto: Daniel Schüller Photographer

Mit dem e-Power-Antrieb bietet Nissan elektrifizierte Modelle für alle Dienstwagenfahrer an, die noch nicht auf ein vollelektrisches Auto umsteigen können oder wollen. Julia Temath leitet den Verkauf an Groß- und Gewerbekunden und erklärt die Strategie.

Frau Temath, Sie haben den Verkauf an Groß- und Firmenkunden im Januar übernommen, mitten in einer für Nissan sehr turbulenten Produktoffensive.

Das stimmt. Mittlerweile haben wir den vollelektrischen Ariya eingeführt und liefern bereits die ersten Autos aus. Dazu kommen der elektrifizierte Qashqai e-Power, der Vollhybrid Juke, der vollelektrische Kleintransporter Townstar. Und dann bringen wir jetzt den neuen X-Trail auf den Markt, der ebenfalls den elektri­fizierten e-Power-Antrieb bekommt. Alles gerade für den Flottenbereich sehr spannende Fahrzeuge.

Gehen Sie mit den neuen Produkten verstärkt auch auf neue Kunden zu?

Nissan will in Deutschland und Europa wachsen. Dazu brauchen wir auch neue Kunden. Aber es geht Nissan nicht nur um Marktanteile. Vielmehr wollen wir ein nachhaltiges Geschäft mit neuen, loyalen Kunden generieren.

Schaut man sich das Portfolio an, so scheint Nissan einen anderen Weg als viele Hersteller zu gehen. Beispielsweise gibt es keinen Plug-in-Hybrid.

Elektrifizierung steht bei uns im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie »Nissan Ambition 2030«. Neben elektrifizierten Modellen heißt das, die gesamte Produktionskette klimaneutral aufzustellen. Das demonstrieren wir mit dem Projekt "EV36Zero" durch den Aufbau eines weltweit einzigartigen EV-Kompetenzzentrums, das an unserem britischen Standort in Sunderland entsteht. Aber mit Blick auf unser Line-up wollen wir keinen harten Schnitt. In der jetzigen Übergangsphase brauchen wir eine Brückentechnologie wie den klassischen Vollhybrid im Juke oder den innovativen e-Power-Antrieb, der im Qashqai und X-Trail Einzug hält. Weil der Verbrenner hier ausschließlich den Strom für den E-Motor liefert, fährt sich der e-Power wie ein E-Auto samt One-Pedal-Drive und Rekuperation.

Mit dem Vorteil, dass man ihn nicht aufladen muss?

Genau, das ist ideal für die vielen Autofahrer in städtischen Regionen, die keine Lademöglichkeit haben, aber trotzdem elektrifiziert fahren wollen. Oder ­Firmen, die nur einen Teil der Flotte elektrifizieren wollen. Wegen der langen Strecken, die sie fahren. Oder eben wegen der fehlenden Infrastruktur.

Ist ein Antrieb, bei dem der Verbrenner nur noch den Strom für den Elektromotor liefert, nicht erklärungs­bedürftig?

Natürlich, aber sobald der Kunde im Auto sitzt und die Technik ausprobiert, versteht er sie.

Es gibt immer noch viele Flotten mit Dieselfahrzeugen. Kann der e-Power für solche Unternehmen eine Alternative sein? Und ist es schwierig, das Flottenmanagement vom Hybridkonzept zu überzeugen?

Ja und nein. Einerseits hat sich nicht nur Nissan weitgehend vom Diesel verabschiedet. Irgendwann werden die Kunden in Ermangelung von Alternativen Benziner oder vollelektrische Autos kaufen müssen. Außerdem sind die europäischen Fahrer von kompakten SUV und Crossover-Modellen wie dem Qashqai zu 80 Prozent im Stadtverkehr unterwegs mit einem hohen Stop-and-go-Anteil. Also genau dort, wo der e-Power seine Stärken ausspielt, da er dann sehr viel Energie rekuperiert.

Momentan sind viele Flottenbetreiber froh, wenn sie überhaupt Autos bekommen. Wie sieht’s denn mit den Lieferzeiten bei Nissan aus?

Das hängt ab vom Modell. Der Qashqai e-Power ist gut verfügbar, der neue X-Trail ebenfalls. Den elektrischen Ariya können wir je nach Variante in sechs Monaten liefern. Bei den Nutzfahrzeugen sind nur Primastar und Interstar schwierig, auf den neuen Townstar muss man nicht lange warten.

Mit dem Townstar EV ist Nissan nun wieder breit aufgestellt im Nutzfahrzeugbereich. Setzen Sie hier einen neuen Schwerpunkt?

Keinen neuen, aber einen anderen. Nachdem der Pick-up Navara ausgelaufen ist, müssen wir uns etwas anders orientieren. Das Van-Geschäft bietet hier gute Chancen. Beispielsweise können wir dank neuer Kooperationen mit Ausbauern mehr Branchenmodelle anbieten. Ein E-Auto zu verkaufen, ist das eine. Kunden wollen aber auch in Sachen Ladeinfrastruktur beraten werden. Das übernehmen unsere Händler, die teilweise mit örtlichen Elektrofachbetrieben zusammenarbeiten. Außerdem werden wir künftig mit Envision digital kooperieren. Das Unternehmen bietet in Deutschland Ladeinfrastruktur für Privat- und Flottenkunden an und soll Nissan-Kunden beraten.

Kurz-Vita

Julia Temath ist seit 2008 in unterschiedlichen Funktionen bei Nissan tätig. Nach Stationen im ­Produktmarketing, wo sie für die erfolgreiche Vermarktung des Nissan-Bestsellers Qashqai verantwortlich zeichnete, leitete sie zuletzt als Managerin für Strategy & Business Planning bereichsübergreifende und strategische Unternehmensprojekte.

Nissan Ariya und Qashqai e-Power
Wie elektrisch hätten Sie’s gerne?
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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