Mobiltätsmanagement Vaude

Nachhaltigkeit sticht

Foto: Alwin Buchmaier

Outdoor-Ausrüster Vaude setzt bei der Mitarbeiter-Mobilität auf Nachhaltigkeit. Nachdem das Unternehmen ein Mobilitätskonzept entwickelt hat, nimmt es nun den Fuhrpark unter die Lupe.

Durchschnittlich 17 Kilometer wohnen die rund 500 Vaude-Mitarbeiter vom Firmenstandort Tettnang im Bodenseekreis entfernt. Viele pendeln mit dem Fahrrad, reisen mit dem ÖPNV an oder bilden Fahrgemeinschaften. Die Sensibilität für Nachhaltigkeit ist hoch bei dem Hersteller von Bergsportausrüstung. Das mag zum einen daran liegen, dass viele Outdoor-Sport- und Naturbegeisterte bei Vaude arbeiten – zum anderen aber auch am Engagement des Familienunternehmens.

"Wir haben schon immer auf diesem Feld mitgespielt", sagt Hilke Patzwall, Senior Manager Corporate Social Responsibility (CSR) und damit verantwortlich fürs Nachhaltigkeitsmanagement. "Aber der Auslöser dafür, dass wir das Thema Nachhaltigkeit jetzt ganzheitlich und konsequent verfolgen, war der Generationswechsel in der Geschäftsleitung im Jahr 2009." Patzwall hat sich seither viel mit anderen Unternehmen und in Netzwerken ausgetauscht sowie Benchmarks analysiert.

Schon 2008 wurde Vaude nach EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) ökozertifiziert. "Im Zuge dessen haben wir für den Standort in Tettnang erstmals eine Klimabilanzierung erstellt und 2010 festgestellt, dass die Mitarbeitermobilität über die Hälfte der Emissionen ausmacht", erinnert sich Patzwall. "Da erkannten wir also den klaren Handlungsbedarf und entwickelten ein Mobilitätskonzept mit sechs Bausteinen".

Mit dem Rad zur Arbeit

Einer der Bausteine besteht darin, die Mitarbeiter zu motivieren, zur Arbeit zu radeln. Über 50.000 Fahrradkilo­meter pro Jahr kommen mittlerweile zusammen. "Dieses Engagement der Mitarbeiter ist nach wie vor beachtlich", sagt Patzwall. "Sie können E-Bikes aus dem Pool leihen, zudem haben wir eine Werkstatt, Reparaturkurse – und wir haben Jobrad eingeführt." 150 der 500 Mitarbeiter nutzen das Dienstrad-Programm mittlerweile.

Fahrgemeinschaften mit digitaler Unterstützung

Auch Fahrgemeinschaften fördert das Unternehmen, anfangs sogar per App. "Mittlerweile wissen die meisten Mitarbeiter aber, wer an ihrer täglichen Strecke wohnt, sodass sie sich privat und ohne App organisieren", so Patzwall. Ein weiterer Erfolg: die Bähnle­linie. "In Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand haben wir erreicht, dass unsere Buslinie zum nächsten Bahnhof im Stundentakt fährt", erklärt sie. Die Linie wurde überhaupt erst auf Betreiben von Vaude eingerichtet. Vorher gab es nur den Schulbus.

Foto: Alwin Buchmaier
Vaude fördert Fahrgemeinschaften.

Öffentliche Verkehrsmittel und Mobilitätslotto

Alle Mitarbeiter, die ihren Arbeitsweg mit dem Bus, dem Fahrrad oder mit einer Fahrgemeinschaft zurücklegen, können an einer wöchentlichen Verlosung teilnehmen. Dieses Projekt organisieren die Azubis. Auch um die Preise kümmern sie sich. Mal gibt es Wellnessgutscheine oder Kochbücher für Vegetarier, mal einen Satz der hauseigenen wasserdichten Fahrrad­taschen oder Gutscheine für ein Biorestaurant.

Reiserichtlinie für Geschäftsreisen

Auch die Reiserichtlinie für Geschäftsreisen hat Vaude angepackt – seit Neuestem heißt sie Mobilitätsrichtlinie. "Wir werden in der neuen Version noch viel stärker als schon seit ein paar Jahren betonen, dass wir die Flug- und Pkw-Reisen zugunsten der Reisen per Bahn weiter reduzieren wollen – innerdeutsch und innereuropäisch", konkretisiert Patzwall. Mit Carsharing oder per Leihrad sollen die Kollegen dann vor Ort weiterkommen. Schon heute gibt es einen Firmenaccount für Corporate Carsharing. Außerdem kann jeder Mitarbeiter, der geschäftlich reist, auf Wunsch eine Bahncard bekommen. "Auch Kollegen mit Dienstwagen fahren gerne geschäftlich mit der Bahn, das fördern wir."

Fuhrparkmanagement

Der Fuhrpark umfasst 67 Fahrzeuge, 40 davon für den Außendienst, die übrigen verteilen sich auf die Führungskräfte oder sind Transporter für die Messeabteilung. Um diese Flotte kümmert sich der Logistikleiter für alle operativen Prozesse. Noch fährt man vorrangig VW mit Dieselantrieb. "Vor eineinhalb Jahren hatten wir uns noch explizit für moderne Diesel entschieden, weil alternative Antriebe bis dato nicht die Bedürfnisse unseres Außendienstes erfüllten", so Patzwall. Mittlerweile hat man in Tettnang auch VW e-Golf im Fuhrpark: "Sie werden rege und gern genutzt für Fahrten, bei denen kein großes Gepäck oder Außendienstmaterial benötigt wird", so Patzwall.

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Vaude hat für die E-Autos eine Ladestation eingerichtet.

Aktuell least Vaude seine Fahrzeuge für drei Jahre

Für eine Ladeinfrastruktur hat der Bergsportausrüster ebenfalls gesorgt – auf öffentlichem, halböffentlichem und nicht öffentlichem Gelände. Aktuell least Vaude seine Fahrzeuge für drei Jahre, die früher gelegentlich genutzte Kaufoption nach Leasingende hat das Unternehmen abgeschafft. "Wir wollen sichergehen, dass wir die Autos nach zwei Jahren loswerden, weil wir davon ausgehen, dass sich hinsichtlich Marken, Antriebe und Fahrzeuggrößen einiges tun wird in den nächsten ein, zwei Jahren. Wir wollen flexibel bleiben", begründet Patzwall.

Schon heute werden bei Vaude Gespräche mit Dienstwagenberechtigten geführt, um nach der individuell besten Lösung zu suchen und zu eruieren, ob vielleicht ein Elektroantrieb eine passende Alternative wäre. "Erstaunlicherweise wollen viele Kollegen freiwillig downsizen. Sie haben die gesellschaftliche Relevanz des Themas Nachhaltigkeit erkannt", so Patzwall. "Wir wollen weg vom Gießkannenprinzip, nach dem jeder Berechtigte automatisch ein Auto bekommt. Die persönlichen Bedürfnisse sollen wirtschaftlich sinnvoll berücksichtigt werden, mit möglichst geringem ökologischem Fußabdruck."

So soll eine Umfrage unter den Dienstwagenberechtigten den tatsächlichen Bedarf ermitteln, langfristig der Fuhrpark verkleinert werden. "Weniger Berechtigte, kleinere Modelle, alternative Antriebe, gegebenenfalls auch andere Marken als VW", zählt Patzwall als geplante Maßnahmen auf. Auch eine CO2-Obergrenze soll in der Car-Policy fixiert werden. Wo sie liegen sollte, werden die Mitarbeiter in der Umfrage ebenfalls gefragt.

Für radikalere Änderungen wie die Einführung eines Budgets pro Mitarbeiter, das für Mobilität, aber auch andere Vergünstigungen individuell genutzt werden kann, sieht Patzwall große arbeits- und steuerrechtliche Hemmnisse: "Dienstwagen machen die Mehrheit der Neuzulassungen in Deutschland aus. Das steuerliche Dienstwagenprivileg muss fallen, wenn man die Verkehrswende ernsthaft will – zumindest für Verbrennungs­motoren!" Auch eine stärkere Beteiligung der öffentlichen Hand und von Netzwerken in der Region wünscht sich Patzwall für mehr Bewegung, etwa im ÖPNV.

Da das Kerngeschäft von Vaude die Produkte sind, liegt der Hauptfokus des Nachhaltigkeitsengagements laut der CSR-Verantwortlichen auf der Herstellung, den vorgelagerten Lieferketten und den verwendeten Materialien. "In unseren asiatischen Beschaffungsländern wie Vietnam und China gibt es jede Menge Umwelt- und Sozial­aspekte zu beachten." Seit 2001 arbeite Vaude nach einem Umweltstandard, der die gesamte textile Wertschöpfungskette kontrolliert. Zudem produziere Vaude umweltfreundliche Produkte, kooperiere mit dem WWF Deutschland. Bis 2020 sollen schädliche Substanzen in der gesamten Lieferkette eliminiert und die gesamte Kollektion PFC-frei hergestellt werden.

Auch wenn der Fuhrpark in Tettnang eine geringe Relevanz für die Gesamtemissionsbilanz der Firma hat, ist sich Patzwall sicher: "Man muss sich global und lokal engagieren – nur ein Solardach und eine Blümchenwiese am Headquarter zu betreiben, wäre Greenwashing."

Dass dieses Engagement einiges kostet, weiß man

"Es stimmt, man muss investieren, und wir hätten es als Shareholder-Value-getriebenes Unternehmen sicher schwerer. Aber wir schulden nur uns selbst, der Inhaberfamilie und den Banken Rechenschaft. Und Letztere finden grünes Engagement mittlerweile auch ganz gut."

Foto_1_WAcker_Chemie_AG Wacker Chemie Mit dem Rad zur Kantine

Was hat Vaude durch sein Engagement erreicht?

Seit 2011 seien weltweit 22 Prozent an CO2-Emissionen eingespart worden, die sich aus einem Mix an Maßnahmen ergaben, etwa im Bereich Energie und Materialien. "Bislang trägt Mobilität noch wenig dazu bei, aber wir hoffen, mit der neuen Mobilitätsrichtlinie und den Änderungen im Firmenfuhrpark einen Schritt vorwärtszukommen", so Patzwall. Trotzdem: Vaude hat sich laut aktuellem Nachhaltigkeitsbericht zum Ziel gesetzt, seine Emissionen aus der Mitarbeiter-Mobilität gegenüber 2015 um zehn Prozent bis 2020 zu reduzieren. Das haben die Bergsportausrüster im Jahr 2018 erstmals geschafft

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